1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Afrika

Zahlreiche Festnahmen nach Putschversuch in Gambia

In Gambia sind nach einem gescheiterten Putschversuch zahlreiche Militärs und Zivilisten festgenommen worden. Präsident Jammeh spricht sogar von Terror - mit Unterstützung aus den USA, Deutschland und Großbritannien.

Die Behörden hätten Dokumente mit Putschplänen sichergestellt und am Hafen der Hauptstadt Banjul einen Container mit großen Mengen automatischer Waffen und Sprengstoff entdeckt, die "wahrscheinlich" für den Angriff auf den Präsidentenpalast genutzt werden sollten, hieß es aus Kreisen des gambischen Geheimdienstes. Die Ermittlungen richteten sich nun auf die Hintermänner der Attacke. Die Festgenommenen würden verhört.

Tat einer "terroristischen Gruppe"

Präsident Jammeh erklärte derweil, es habe sich nicht um einen versuchten Militärstreich, sondern um die Tat einer "terroristischen Gruppe" gehandelt, die von "Dissidenten in den USA, in Deutschland und Großbritannien" unterstützt werde. Vertreter der gambischen Streitkräfte seien nicht beteiligt gewesen, sie seien "wirklich loyal". Nach Angaben von Diplomaten und Militärvertretern hatten abtrünnige Soldaten in der Nacht zum Dienstag den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Banjul angegriffen. Jammeh hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs zu einem Privatbesuch in Dubai auf.

Autokratischer Herrscher

Der ehemalige Militärpolizist Jammeh jagte 1994 bei einem unblutigen Militärputsch den damaligen Staatschef Dawda Jawara aus dem Amt. Jawara war der erste Präsident Gambias nach der Unabhängigkeit von Großbritannien 1965. Seine Militäruniform tauschte Jammeh, der mehrmals wiedergewählt wurde, gegen vornehme afrikanische Gewänder. Er gibt sich volksnah, wird aber für die Unterdrückung der Pressefreiheit und der Opposition kritisiert.

Gambia liegt an der westafrikanischen Küste und ist - abgesehen von einem schmalen Zugang zum Atlantischen Ozean - vollständig vom Senegal umschlossen. Mit einer Fläche von rund 11.300 Quadratkilometer ist die ehemalige britische Kolonie kleiner als das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein. Etwa 90 Prozent der rund 1,7 Millionen Einwohner sind Muslime, neun Prozent gehören christlichen Konfessionen an.

Massive Menschenrechtsverletzungen

Erst kürzlich hatte ein UN-Bericht massive Menschenrechtsverletzungen im kleinsten Flächenstaat Afrikas moniert, unter anderem wurden Folter und willkürliche Hinrichtungen angeprangert. Auch erließ Jammeh in diesem Jahr ein Gesetz, nach dem auf "schwere Homosexualität" lebenslange Freiheitsstrafe steht. Schwule und Lesben bezeichnet der Staatschef als "Bedrohung für die menschliche Existenz".

cr/haz (afp, ap, dpa, rtr, kna)