1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Islamismus

Zahl islamistischer Gefährder in Deutschland steigt

Mehreren hundert Personen in Deutschland trauen die Behörden einen islamistischen Terroranschlag zu. Und es werden laut einem Zeitungsbericht immer mehr. Grund dafür ist auch ein neues Risikobewertungssystem.

Die Zahl der islamistischen Gefährder in Deutschland ist weiter gestiegen. Derzeit sind bei den Sicherheitsbehörden 657 Personen registriert, denen Anschläge zugetraut werden, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) unter Berufung auf Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) berichtete. Ende Januar waren es noch 570 Gefährder, Mitte März sprach BKA-Chef Holger Münch von 602 islamistischen Gefährdern.

Vervierfachung seit Beginn des Syrien-Krieges

Seit Beginn des Syrien-Konflikts vervierfachte sich die Zahl nach BKA-Angaben. Rund die Hälfte der Gefährder hält sich dem Bericht zufolge in Deutschland auf, etwa hundert von ihnen sitzen in Haft. Viele werden polizeilich überwacht. Dazu kommen 388 sogenannte "relevante Personen", also mögliche Helfer und Unterstützer von Anschlägen.

Grund für den Anstieg ist den Sicherheitsbehörden zufolge, dass Fahnder seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Dezember durch den Islamisten Anis Amri genauer hinsehen und ein neues Risikobewertungssystem einführten. Außerdem reisten seit den militärischen Rückschlägen der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) immer weniger Islamisten mit deutschem Pass aus, um sich den IS-Kämpfern in Syrien oder im Irak anzuschließen.

Rückkehrer sind große Gefahr

Bei den Behörden sind derzeit nach BKA-Angaben mehr als 920 ausgereiste Personen registriert - 20 mehr als Ende Januar. Mehr als 70 davon beteiligten sich demnach aktiv an Kämpfen oder waren in einem Ausbildungscamp. Etwa 145 kamen dem BKA zufolge in Syrien oder im Irak ums Leben. Eine große Gefahr gehe von islamistischen Rückkehrern mit Kampferfahrung aus.

Der Begriff des Gefährders ist rechtlich nicht definiert. Die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke forderte eine gesetzliche Grundlage. "Das Begriffschaos um sogenannte Gefährder muss endlich beendet werden", sagte sie der NOZ. Dass die Daten zu Gefährdern zudem regelmäßig an ausländische Polizeibehörden gingen, nannte sie "extrem fragwürdig".

cr/pab (afp, epd)