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Afghanistan

Zahl der verletzten und getöteten Kinder in Afghanistan steigt dramatisch

Einem UN-Bericht zufolge hat die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan einen neuen Höchststand erreicht. Besonders stark sei die Zahl der getöteten oder verletzten Kinder gestiegen. Das hat einen beunruhigenden Grund.

Afghanistan Winter & Schnee in Kabul | Kinder, Binnenflüchtlinge (Reuters/M. Ismail)

Weil sich die Kämpfe in Wohngebiete verlagern, sind immer mehr Kinder von dem Krieg in Afghanistan betroffen

Dem Krieg zwischen radikalislamischen Taliban und afghanischen Regierungstruppen seien im vergangenen Jahr 3512 Kinder zum Opfer gefallen, heißt es in dem Jahresbericht der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) zu zivilen Opfern. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von 24 Prozent. Demnach sei nun fast jedes dritte Opfer ein Kind.

Grund dafür sei vor allem die Zunahme von Gefechten in dicht besiedelten Gebieten mit vielen Familien. Erheblich mehr Kinder seien durch explosive Überbleibsel von Kämpfen wie nicht detonierte Munition zu Schaden gekommen. Außerdem sei die Zahl der Kinderopfer durch improvisierte Sprengsätze, die vor allem von Taliban gelegt werden, um vier Prozent gestiegen. Auch internationale und afghanische Luftschläge hätten mehr als doppelt so viele Kinder getötet oder verletzt wie im Vorjahr.

Zahl der IS-Opfer hat sich verzehnfacht

Insgesamt sind laut UNAMA-Bericht im vergangenen Jahr 11.418 Unbeteiligte getötet oder verletzt worden - ein Anstieg von drei Prozent gegenüber 2015. Unter den Frauen ist die Zahl der Opfer leicht zurückgegangen. Allerdings weisen die UN daraufhin, dass die Taliban Frauen weiterhin in Selbstjustiz für vermeintlich unmoralisches Verhalten bestraften - ein Trend, der sich laut Menschenrechtsaktivisten seit etwa zwei Jahren stetig verschärft. Außerdem seien deutlich mehr Frauen gezielt ermordet worden. Viele weibliche Opfer seien Menschenrechtsaktivistinnen, Polizistinnen oder generell "im öffentlichen Leben" aktiv gewesen.

Der Süden des Landes war dem Bericht zufolge 2016 am stärksten von den Gefechten betroffen. Insgesamt habe es aber in Zentralafghanistan den größten Anstieg von Opfern gegeben, anderem wegen der vielen Selbstmordanschläge in Kabul. Die Vereinten Nationen machen die Taliban und andere Rebellen- oder Terroristengruppen wie die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für 61 Prozent aller zivilen Opfer verantwortlich. Dabei habe der IS fast zehn Mal so viele Zivilisten getötet oder verletzt wie noch 2015.

Seit Beginn der UN-Zählung 2009 sind mindestens 70.188 Zivilisten getötet oder verletzt worden. Angesichts des schrumpfenden Zugangs zu Provinzen weisen die Vereinten Nationen darauf hin, dass ihre Zahlen möglicherweise zu niedrig sind.

Bundesländer zweifeln an Sicherheitslage

In Deutschland wachsen Medienberichten zufolge Bedenken angesichts von Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber nach Afghanistan. Inzwischen zweifelten die Bundesländer Berlin, Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen und Rheinlandpfalz an der Sicherheitslage in dem Land, berichten Zeitungen der Funke Mediengruppe. Aus einigen Bundesländern werden dem Bericht zufolge derzeit nur Straftäter und Gefährder abgeschoben. 

Im Oktober hatte das Bundesinnenministerium nach dem Abschluss eines Rückführungsabkommens mit Afghanistan die Bundesländer aufgefordert, abgelehnte Asylbewerber konsequent abzuschieben. Die im Dezember begonnen Sammelabschiebungen sind aufgrund der unübersichtlichen Sicherheitslage in Afghanistan umstritten.

hk/kle (dpa, afp)

 

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