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Aktuell Asien

Zahl der Todesopfer nach Brückeneinsturz in Indien gestiegen

Nach dem Einsturz einer Hochstraße im indischen Kolkata gibt es inzwischen mindestens 23 Todesopfer. Viele Verletzte werden noch im Krankenhaus behandelt. Die Polizei ermittelt gegen die Baufirma.

Hunderte Rettungskräfte suchten am Morgen weiter nach Überlebenden. Gemeinsam mit Soldaten und Polizisten versuchten sie mit Bohrern, Betonschneidemaschinen und bloßen Händen Überlebende zu finden, die in den Trümmern eingeschlossen waren. Auch Kräne und Spürhunde kamen zum Einsatz.

Fast 70 Menschen konnten bislang gerettet werden. Nach Angaben eines Polizeisprechers rechnen die Behörden mit noch mehr Eingeschlossenen. Wie viele Menschen vermisst werden, ist unklar. Bislang konnten acht Leichen geborgen werden. Die Hälfte der Überreste der eingestürzten Autobahn-Brücke wurde nach Polizeiangaben schon geräumt. Die Bergungs- und Aufräumarbeiten sollen im Laufe Tages abgeschlossen werden.

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Kolkata: kaum noch Hoffnung auf Überlebende

Die halbfertig gebaute Hochstraße im Zentrum der ostindischen Metropole Kolkata war am Donnerstag eingestürzt. Zunächst war von 20 Todesopfern die Rede, fast hundert weitere Menschen wurden verletzt. Etwa 40 von ihnen befinden sich nach Polizeiangaben noch im Krankenhaus.

Nach Angaben eines Sprechers des Katastrophenschutzes sackte die Brücke am Mittag plötzlich in sich zusammen. Tonnen von Beton und Stahl krachten auf eine darunter gelegene Straße, auf der sich zu dem Zeitpunkt viele Passanten und Fahrzeuge befanden. Der eingebrochene Teil ist etwa hundert Meter lang.

Ein Augenzeuge berichtete im Fernsehen, er habe zunächst an einen Bombenanschlag geglaubt: Es habe einen riesigen Knall gegeben, "und dann war da nur eine Menge Staub und Rauch". Ein anderer Anwohner sagte, er habe an ein Erdbeben gedacht. "Wir hauen ab, wer weiß, was als nächstes passiert", sagte Sunit Agarwal.

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Tote bei Brückeneinsturz in Indien (31.03.2016)

Fertigstellung seit Jahren im Verzug

Was das Unglück ausgelöst hatte, ist noch unklar. Inzwischen ermittelt die Polizei gegen die verantwortliche Baufirma IVRCL, fünf Mitarbeiter wurden bereits festgenommen. "Fahrlässigkeit ist ein Verbrechen - die Schuldigen werden nicht davonkommen. Wer ist verantwortlich? Diejenigen, die den Auftrag zum Bau bekommen und ausgeführt haben", sagte Mamta Banerjee, Chefministerin des Bundesstaates West Bengalen. Einen weiteren möglichen Schuldigen machte dagegen Adhir Chowdhury, Vorsitzender der Kongress-Partei in West Bengalen aus: "Wir fordern eine Untersuchung des gesamten Bauvorhabens. Es muss sofort eine Untersuchung eingeleitet werden. Das ist ein klarer Fall von Korruption. Der Einsturz beweist die schlechte Regierungsführung in West Bengalen."

Der Bau der Hochstraße war 2009 begonnen worden und sollte eigentlich nach 18 Monaten beendet sein. Die Straße sollte die notorisch verstopften Straßen von Kolkata entlasten.

"Wir wollten zwei Eisenträger für Stützpfeiler einzementieren", sagte ein Bauarbeiter, der auf der Baustelle im Einsatz war. "Aber die Träger konnten das Gewicht des Zements nicht halten." Dann seien am Morgen Bolzen herausgeflogen und die Hochstraße sei zusammengebrochen.

Die Baufirma IVRCL, die mit den Arbeiten beauftragt war, hatte die Stadtverwaltung 2014 darüber informiert, dass ihm die Finanzmittel ausgingen. Sieben Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten war die Hochstraße erst zu 55 Prozent fertiggestellt.

In Indien sind Unfälle dieser Art keine Seltenheit. Bei Bauprojekten wird häufig gepfuscht. Mit Sicherheitskontrollen müssen die Bauunternehmen kaum rechnen. So stürzte etwa im Juni 2014 ein elfstöckiger Turm, der sich noch im Bau befand, in der südindischen Stadt Chennai ein. 61 Menschen starben. Im September 2013 kam es zum Einsturz eines fünfstöckigen Gebäudes in Mumbei. Es galt schon länger als marode.

chr/mak (dpa, ap, afp)

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