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Politik

Zahl der Flüchtlinge steigt auf 10 Millionen

Zum ersten Mal seit fünf Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge weltweit wieder gestiegen. Der Klimawandel könnte das Problem in den nächsten Jahren noch weiter anheizen.

Flüchtlinge in Liberia tragen ihre Habe auf dem Kopf (AP Photo/Schalk van Zuydam)

Afghanistan, Sudan und Somalia gehören zu den am stärksten betroffenen Ländern

Nach Angaben der Vereinten Nationen waren Ende 2006 fast zehn Millionen Menschen auf der Flucht, 14 Prozent mehr als 2005. Es ist die höchste Zahl seit 2002, wie aus dem am Dienstag (19.6.07) veröffentlichten Jahresbericht des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) hervorgeht.

Der Anstieg sei in erster Linie auf die Situation im Irak zurückzuführen, hieß es. Demnach sahen sich bis Ende 2006 rund 1,5 Millionen Iraker gezwungen, in anderen Ländern - vor allem in Syrien und Jordanien - Zuflucht zu suchen. Die größte Gruppe von Flüchtlingen stellen die etwa 2,1 Millionen Afghanen, die noch immer im Ausland leben. 686.000 Flüchtlinge kamen aus dem Sudan, 460.000 aus Somalia und je 400.000 aus dem Kongo und aus Burundi.

Herausforderung einer sich ändernden Welt

Nicht in die Berechnung des UNHCR einbezogen sind die 4,3 Millionen palästinensische Flüchtlinge, die in Jordanien, im Libanon, in Syrien, dem Westjordanland und dem Gazastreifen leben. Ebenso außer Acht lässt der Jahresbericht die etwa 24,5 Millionen Menschen, die wegen eines Konflikts innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. Sie gelten nach internationalem Recht als Vertriebene, nicht als Flüchtlinge.

Flüchtlingskommissar Antonio Guterres sah die Zunahme als "große Herausforderung" für das UNHCR. "Mit der steigenden Zahl derjenigen, die weltweit durch Verfolgung, Intoleranz und Gewalt entwurzelt werden, müssen wir uns den Herausforderungen und Forderungen einer sich ändernden Welt stellen", sagte er.

Erschreckendes Greenpeace-Szenario

200 Millionen Klimaflüchtlinge drohen weltweit in den nächsten 30 Jahren, wenn sich der menschengemachte Klimawandel so wie bisher fortsetzt. Das geht aus der Studie "Klimaflüchtlinge" hervor, die Greenpeace am Dienstag anlässlich des UN-Weltflüchtlingstages vorstellte. Aufgrund der globalen Klimaerwärmung verschlechterten sich die Lebensbedingungen für Hunderte Millionen Menschen insbesondere in den ärmsten Ländern der Welt so dramatisch, dass sie gezwungen sein werden, ihre Heimat zu verlassen um zu überleben. Schon heute seien mehr als 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor den Auswirkungen des Klimawandels, mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit. Besonders betroffen seien unter anderem die Sahel Zone in Afrika, Bangladesh und viele Inseln im Südpazifik.

Die Greenpeace-Studie mache deutlich, wie dringend Maßnahmen für den weltweiten Klimaschutz seien. Greenpeace forderte Bundeskanzlerin Merkel daher auf, ein nationales Klimaschutzziel von minus 40 Prozent Treibhausgase bis 2020 gegenüber 1990 verbindlich festzulegen. Allerdings könnten selbst sofortige Maßnahmen das Ausmaß der Flüchtlingsströme nur noch begrenzen, diese nicht aber verhindern.

Infos: Flüchtlingstag

Der Weltflüchtlingstag wurde im Jahr 2000 von der UN-Generalversammlung ins Leben gerufen und im Jahr darauf erstmals weltweit begangen. Anlass waren das 50-jährige Bestehen des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) und der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951. An diesem Tag wird mit verschiedenen Aktionen auf die Not von Millionen Flüchtlingen aufmerksam gemacht. (mas)

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