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Politik & Gesellschaft

Zahl der Asylbewerber nimmt weiter zu

2011 haben 46.000 Menschen in Deutschland um Asyl gebeten - deutlich mehr als in den Jahren zuvor. Skeptisch sieht Bundesinnenminister Friedrich vor allem die Anträge von serbischen Roma.

Asylbewerber in einem Wohnheim in Eisenhüttenstadt (Foto: Patrick Pleul)

Asylbewerber in einem Wohnheim in Eisenhüttenstadt

In Deutschland versuchen deutlich mehr Menschen, Asyl zu erhalten, als in den Vorjahren. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, 2011 hätten fast 46.000 Menschen Asyl beantragt. Das sei etwa elf Prozent mehr als 2010 und der höchste Wert seit acht Jahren.

Die Schutzsuchenden kommen dem Blatt zufolge vor allem aus muslimisch geprägten Ländern, in denen Verfolgung weit verbreitet ist, wie Afghanistan, Irak und Syrien. Besonders deutlich sei der Anstieg bei Pakistanern. Ihre Zahl habe sich im Vergleich zu 2010 auf gut 2.500 verdreifacht. Zudem hätten erneut tausende serbische Staatsbürger versucht, Asyl in Deutschland zu bekommen, 90 Prozent von diesen seien Roma. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kündigte an, deren Anträge weiterhin zügig abzulehnen. Viele Asylsuchende aus Serbien seien "offensichtlich" nicht als verfolgte Flüchtlinge einzustufen, sagte Friedrich der "Süddeutschen Zeitung".

Für Flüchtlinge ist es dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren leichter geworden, nach Deutschland zu gelangen. Viele überquerten die schlecht gesicherte Landgrenze zwischen der Türkei und Griechenland und gelangten so in die Europäische Union. Von Griechenland könnten sie dann nach Deutschland weiterreisen und einen Asylantrag stellen.

Deutschland prüft für Griechenland Asylanträge

Nach EU-Recht ist Griechenland eigentlich verpflichtet, die Flüchtlinge zurückzunehmen und den Asylantrag zu prüfen. Das Land garantiert jedoch kein faires Asylverfahren. Nachdem ein Betroffener deshalb vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt hatte, stoppte die Bundesregierung Anfang 2010 die Abschiebung von Asylbewerbern nach Griechenland. Nun prüft das Bundesamt die Anträge in Deutschland selbst. Im vergangenen Jahr betraf das laut "Süddeutscher Zeitung" mehr als 4.500 Menschen.

Die Grünen forderten unterdessen ein Ende der Abschiebung syrischer Flüchtlinge. "Zwar schiebt Deutschland momentan nicht direkt nach Syrien ab, dafür aber in Staaten wie Ungarn, von wo aus syrische Flüchtlinge dann zurück in ihre Heimat abgeschoben werden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". Dieses "zynische und menschenverachtende Verfahren" müsse endlich gestoppt werden. Beck forderte die Bundesregierung zudem auf, das 2009 zwischen Deutschland und Syrien geschlossene Rückübernahmeabkommen zu kündigen. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums entgegnete, seit Mitte 2011 sei kein Syrer gegen seinen Willen von Ungarn nach Syrien zurückgeführt worden.

Autor: Stephan Stickelmann (epd, dpa, dapd)
Redaktion: Reinhard Kleber

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