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Kunst

Zaha Hadid: Die Visionärin der Baukunst ist tot

Sie pfiff auf Traditionen: Zaha Hadid hat mit ihren Entwürfen neue Maßstäbe gesetzt. Als erste Frau erhielt sie den Pritzker-Preis. Nun ist die aus dem Irak stammende Architektin überraschend mit 65 Jahren gestorben.

Zaha Hadid galt als Diva in der Männerdomäne Architektur. Aber nicht nur das: Sie wurde geachtet als bedeutendste Architektin der Welt. Um die Entwürfe der Stararchitektin rissen sich die Bauherren, private wie öffentliche. Und wer das nötige Geld aufbrachte, konnte sie sogar realisieren. In China gelang das mit der "Galaxy Soho" in Peking, einem futuristisch anmutenden Wohn- und Geschäftskomplex, oder in Hongkong, wo sie für die Technische Hochschule das "Jockey Club Innovation Tower" baute. In Aserbaidschans Hauptstadt Baku errichtete sie das "Heydar Aliyev Centre".

Zaha Hadid war einer der wenigen Stararchitektinnen auf Weltniveau

Ihre Entwürfe hatten eines gemeinsam – sie sollten alte Selbstverständlichkeiten des Bauens in Frage stellen. Dabei gelang es Hadid, ihren Bauten Eleganz, Schwung und fließende Leichtigkeit einzuhauchen, was ihr den Namen "Königin der Kurven" einbrachte. Sie selbst bezeichnete ihren Stil als "kinetisch". Ihr bevorzugter Werkstoff war Beton.

Zaha Hadid entwarf auch die Wirtschaftsuniversität in Wien (Foto: Imago/Peter Widmann)

Zaha Hadid entwarf auch die Wirtschaftsuniversität in Wien

Geboren am 31. Oktober 1950 in Bagdad, wuchs Zaha Hadid im Irak von Kindheit an mit der Formensprache großer Architekten auf. Ihr Vater, der wohlhabende Geschäftsmann und Mitbegründer der "Progressive Democratic Party", Muhammad Hadid, war westlichen Ideen und Kulturgepflogenheiten gegenüber sehr aufgeschlossen. Das Wohnhaus der Familie Hadid in Bagdad war im Bauhaus-Stil errichtet. Das prägte die junge Zaha.

Zaha Hadid: Erfinderin des Post-Konstruktivismus

Nach der Machtübernahme des Diktators Saddam Hussein verließ die Familie den Irak. Zaha verbrachte ihre Schulzeit in Internaten in der Schweiz und in England und studierte danach in Beirut Mathematik. Aber das war ihr zu wenig künstlerisch. 1972 ging sie nach London, um dort Architektur zu studieren.

Form und Material stehen bei vielen ihrer Gebäude im spannungsreichen Gegensatz. Wohl das hatte Zaha Hadid zum Durchbruch verholfen. Eine größere Öffentlichkeit wurde 1983 aufmerksam auf sie, als Hadid ihren nicht realisierten Entwurf für den Freizeit- und Erholungspark "The Peak Leisure Club" in Hongkong vorstellte, der keinen einzigen rechten Winkel vorsah. Seitdem wurde sie als "Erfinderin des Post-Konstruktivismus" gefeiert.

Zaha Hadid plante auch dieses Gebäude, das zur Serpentine Gallery, einem Kunstmuseum in London, gehört (Foto: picture-alliance/dpa/F. Arrizabalaga)

Zaha Hadid plante auch dieses Gebäude, das zur "Serpentine Gallery", einem Kunstmuseum in London, gehört

Ihren ersten Bauauftrag erhielt sie im Alter von 43 Jahren 1993 in Deutschland: Für die Betriebsfeuerwehr des badischen Designmöbelherstellers "Vitra" baute Hadid die "Firestation" in Weil am Rhein. Hadid verpasste der Feuerwehrstation eine dekonstruktivistische Strenge. Perfektion und Präzision prägen die ineinander verschachelten Räume. Die Dachauskragungen und schräg gestellten schmalen Mikadosäulen waren eine Referenz an ihren berühmten Lehrer, den Niederländer Rem Koolhaas. Vor allem aber bewies sie - zur Überraschung der Fachwelt - dass ihre visionären Entwürfe wirklich baubar waren.

Nobelpreis der Architekten für Zaha Hadid

Darauf setzte auch der Autohersteller "BMW", als er einen Hadid-Entwurf für das Zentralgebäude seines Leipziger Werks auswählte. Der Bergsteiger Reinhold Messner ließ Hadid sein "Messner Mountain Museum" in die Gipfel der Tiroler Bergwelt setzen - auf 2275 Metern Höhe. Er nannte das Projekt seinen "15. Achttausender". Die Zusammenarbeit mit Zaha Hadid galt als schwierig, zeitraubend und kostspielig - sie selbst als temperamentvoll.

Doch Hadids Erfolgsbiografie spricht für sich: Als erste Frau erhielt sie 2004 den "Nobelpreis" der Architekten, den Pritzker-Preis. Im Jahre 2009 wurde ihr der hochdotierte Praemium Imperiale verliehen. In diesem Jahr ehrte sie die Queen mit der "Royal Gold Medal", eine Auszeichnung, die zuvor nur Männern vorbehalten war. In der Laudatio verglich Sir Peter Cook sie voller Hochachtung mit dem Maler Paul Klee: Zaha Hadid habe seine Linien in Gebäude übertragen und "virtuell mit ihnen getanzt". Seit drei Jahrzehnten habe sie gewagt, was nur wenige gewagt hätten.

Vom Guggenheim Museum in New York bis zur Eremitage in St. Petersburg

Ausstellungen in den renommiertesten Kunstmuseen der Welt ehrten die Entwürfe der begabten Architektin: Das Guggenheim Museum in New York, das Design Museum in London oder auch das State Hermitage Museum im russischen St. Petersburg zeigten große Retrospektiven ihrer herausragenden Architekturkunst.

Hadid lebte und arbeitete mit ihrem Büro in ihrer Wahlheimat London. Großbritannien, so sagte sie einmal im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", sei das einzige Land, "in dem man künstlerisch erfolgreich und zugleich exzentrisch sein kann." Am Donnerstag, den 31. März, starb sie überraschend an einem Herzinfarkt in Miami im Alter von 65 Jahren.

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