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Wirtschaft

Z3 wird 75

Vor genau 75 Jahren stellte der Ingenieur Konrad Zuse in Berlin den ersten funktionsfähigen Computer vor - ein Schaltpult und zwei Schränke, zwei Meter hoch.

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75 Jahre Computer

Zwischen all den Maschinen und Rechenanlagen fällt die eigentliche Sensation zunächst gar nicht ins Auge. Viele Besucher laufen im Deutschen Museum in München achtlos an dem Schaltpult und den beiden zwei Meter hohen Schränken vorbei. Und das, obwohl sie den Nachbau einer der bedeutendsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts vor sich haben: den ersten Computer. Vor 75 Jahren, am 12. Mai 1941, hat Konrad Zuse (1910-1995, Artikelbild) diese Maschine in Berlin vorgeführt.

Jahrelang hatte der Ingenieur getüftelt. Nach der Uni arbeitete er zunächst als Statiker bei den Henschel-Flugzeugwerken in Berlin-Schönefeld, gab die Stelle jedoch schon bald auf. Er wollte am Computer bauen. Im Wohnzimmer seiner Eltern richtete er sich eine Werkstatt ein und konstruierte zwischen 1936 und 1938 aus 12.500 einzelnen Blechteilen seine erste mechanische Rechenmaschine, die Z1. Er sei zu faul zum Rechnen, hatte Zuse einmal zur Begründung gesagt. Und doch war die Z1, bei der die Mechanik oft klemmte, nur der Anfang.

"Zuse hatte die Idee, eine Maschine zu bauen, die programmierbar ist", sagt Lucius Priebs vom Deutschen Museum. Das war schon bei der Z1 der Fall. Nun aber entwickelte er einen elektromechanischen Rechner. Anders als bei seiner mechanischen Rechenmaschine verwendet er etwa 2.000 Relais, elektromechanische Schalter. Im Deutschen Museum zeigt Priebs auf die sperrige Technik: "Speicher, Prozessor, Tastatur und in gewisser Weise auch der Monitor - alles schon vorhanden", sagt er. Wie bei den modernen Computern. Bis heute steckt in jedem Computer ein Stück Zuse.

Eine technische Sensation

1941 stellte der Ingenieur seine Maschine in der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrttechnik in Berlin vor. Wie Zuse selbst einmal erzählte, war sie zum größten Teil aus Altmaterial zusammengebaut. Er verwendete alte Telefonrelais, die Lochstreifen für die Codierung waren alte UFA-Filme. Es war eine technische Sensation. Die Maschine, eine Tonne schwer, beherrschte die Grundrechenarten sowie das Wurzelziehen. Die Rechenmaschine konnte innerhalb von Sekunden addieren, kompliziertere Rechenaufgaben dauerten etwas länger.

Computer Z3 Nachbau

Nachbau von Z3

Und doch darf nicht vergessen werden, dass Zuse nicht der einzige Computer-Pionier seiner Zeit war. "Es gab mehrere Projekte gleichzeitig", sagt der Berliner Informatiker Raúl Rojas. Auch in Großbritannien und den USA arbeiteten Wissenschaftler an Rechenmaschinen. Zur gleichen Zeit wie Zuse baute etwa Howard Aiken in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts den Mark I, an der Universität von Pennsylvania entstand wenig später der ENIAC. Die Briten arbeiteten im Zweiten Weltkrieg mit dem Rechner Colossus, um Nachrichten des deutschen Militärs zu dechiffrieren.

Die Erfindung der Z3 fällt in die Zeit des Nationalsozialismus. "Die Frage nach der Rolle von Konrad Zuse zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs ist nicht einfach zu beantworten", sagt Rojas. Nur kurze Zeit leistete Zuse Militärdienst. Dann forderte ihn sein früherer Arbeitgeber, die Henschel-Flugzeug-Werke, als Statiker zurück. Die Flugzeug-Werke waren ein Rüstungskonzern der Nationalsozialisten. Zuse, der kein NSDAP-Mitglied war, arbeitete am Bau von Bomben mit. Seine Forschung an den Rechenmaschinen betrieb er auch mit Unterstützung des NS-Regimes.

Eine persönliche Tragödie

Mitten im Zweiten Weltkrieg gründete er dann das "Zuse Ingenieurbüro und Apparatebau, Berlin". 1942 begann er mit dem Bau der Z4, dem ausgefeilteren Nachfolgerechner der Z3. Sein erster Computer kam indes nie wirklich zum Einsatz. Er wurde bei einem Bombenangriff auf Berlin kurz vor Weihnachten 1943 zerstört. Nur die Z4 überlebt den Krieg.

Konrad Zuse

Kein kommerzieller Erfolg für den Erfinder

"Es ist die persönliche Tragödie von Zuse, dass er als einer der ersten angefangen hat, Computer zu bauen, aber nicht der erste war, der das kommerzialisiert hat", sagt Rojas. Ursachen dafür gibt es mehrere: Deutschland lag nach dem Krieg in Trümmern, die Ausgangbedingungen für Zuse waren schlecht. Außerdem hatte er keinen großen Konzern hinter sich.

Und eine weitere Schwierigkeit tat sich für den Ingenieur auf: Das Bundespatentamt erteilte ihm trotz jahrelangem Streit kein Patent. Konrad Zuses Unternehmen, die hessische Zuse KG, ging in den 60er Jahre in der Siemens AG auf, Zuse starb am 18. Dezember 1995.

Den Nachbau der Z3 im Deutschen Museum hat er in den 60er Jahren angefertigt. Das Klackern der Relais-Schalter während eines Rechenprozesses muss man sich heute allerdings vorstellen. Denn im Deutschen Museum wird die Maschine heute nicht mehr gestartet. Der Grund ist ein Materialschaden. "Die Verkabelung ist kaputt", sagt Museumsmitarbeiter Priebs, um dann hinzuzufügen: Ansonsten sei die Maschine aber bis heute funktionsfähig.

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