1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Zündstoff im Wahljahr: der 9/11-Bericht

Seit Tagen hatten die überregionalen Zeitungen Amerikas die Öffentlichkeit in kleinen Dosen auf das niederschmetternde Fazit der Untersuchungskommission vorbereitet: Eure Regierung hat versagt - so der Tenor.

default

Stoff zum Nachdenken:
der Bericht zum 11. September

"Die Terrorgefahr wurde unterschätzt" heißt es auf der Titelseite der "Washington Post" und "Der Staat hat versagt" bei der "New York Times". Immer wieder spielen Fernsehen und Radio am Donnerstag (22.7.) den Schlüsselsatz von Kommissionspräsident Thomas Keane bei der Vorstellung des Berichts. "Dies war ein Versagen unserer Politik, unserer Führung, und unserer Möglichkeiten. Vor allem aber hat uns die nötige Vorstellungskraft gefehlt."

Die harsche Urteil der Kommission birgt natürlich Zündstoff, der in einem Wahljahr besonders explosiv zu werden verspricht. Aber: weil die Kommission ihre Kritik politisch wohl ausgewogen formulierte und weder Präsident George W. Bush noch seinen Vorgänger Clinton oder irgend einen anderen Politiker für die offensichtlichen Versäumnisse verantwortlich machte, blieb es den Journalisten überlassen, die Frage nach den Konsequenzen zu stellen.

Entrüstung bei den Medien

"Wenn es stimmt, dass die Regierung der Vereinigten Staaten es versäumt hat, ihre Bürger zu schützen, warum zieht dann niemand die Konsequenzen und tritt zurück?" Diese Frage, die vom TV-Sender CNN aufgeworfen wurde, beschäftigt auch die Hinterbliebenen der Terrorkatastrophe beschäftigt. Sie hatten mit ihrem öffentlichen Druck die Kommission mit ihren weitreichenden Befugnissen überhaupt erst möglich gemacht und ihre Stellungnahmen nehmen auch in der Berichterstattung breiten Raum ein.

Geradezu entrüstet berichten Radio und Fernsehen darüber, dass der Kongress nun erstmal in die Ferien geht, danach sei Wahlkampf und bevor der nächste Präsident im Januar vereidigt wird, sagen die Kongress-Abgeordneten, werde wohl nicht mehr viel passieren. Umso eiliger fühlten sich nach der Vorstellung des Berichts die Präsidentschaftskandidaten bemüßigt, Tatkraft und Entschlossenheit zu demonstrieren. Präsident Bush trat sofort vor die Kameras und versprach: "… Da wo die Regierung handeln muss, wird sie es tun."

Wer profitiert am 2. November?

Und wenig später demonstriert auch der Herausforderer John Kerry Führungsstärke: "Ich werde sofort die Initiative ergreifen und als Präsident umgehend einen Sicherheitsgipfel einberufen, mit Kongress-Abgeordneten und Vertretern der zuständigen Sicherheitsorgane."

Trotz aller Bekundungen, mit vereinten Kräften handeln zu wollen - das Thema nationale Sicherheit ist schon jetzt ein beherrschendes Thema im Wahlkampf. Wer daraus am 2. November den größeren Nutzen ziehen kann, darüber wagen derzeit aber noch nicht einmal die spekulationsfreudigen US-Medien eine sichere Prognose.

Die Redaktion empfiehlt