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Zündende Ideen

Sie entsteht manchmal überfallartig, manchmal entwickelt sie sich langsam: die Idee. Gut ist die zündende, die glänzende Idee, der Geistesblitz, schlecht die fixe Idee. Es gibt nur einen Haken.

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Zündende Ideen

Allerorten sind wir umgeben davon, von vermeintlich neuen Ideen, die manchmal gar nicht so neu sind, sondern nur recycelte alte Ideen. Sozusagen neuer Wein in alten Schläuchen. 2009 rief der damalige Bundespräsident Horst Köhler uns Deutsche in seiner Weihnachtsansprache gar dazu auf, so wörtlich „mit Ideen, Vernunft und Einsatz den Weg für eine gute Zukunft zu finden“. Und wir sollten uns etwas „zutrauen“. Was bitte schön aber sollte man konkret darunter verstehen? Was ist eine „Idee“?

Ein philosophischer Begriff

Symbolbild Idee: Der Schriftzug idea schwebt über mehreren Glühbirnen (colourbox/J. Pietruszka)

„idéa“, „idea“ und „idée“: die geistige Vorstellung von etwas

Natürlich kann eine derartige Frage nur stichwortartig beantwortet werden. „Idee“ ist ein Begriff aus der Philosophie. Das merkt man im alltäglichen Sprachgebrauch so gut wie nicht mehr. Denn wer käme bei der Frage: „Hast du eine Idee, was wir heute Abend kochen sollen?“ auf die Idee, dass da ein Wort gebraucht wird, dass sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Philosophie zieht – und zwar von der griechischen Antike bis heute.

Platon bezeichnete mit „Idee“ die Ursache und das Wesen aller Dinge. Alles, was in Raum und Zeit vorkommt, beruht in seinem Denkmodell auf eben diesen Ideen oder Urbildern. Einige Jahrhunderte später sprach der französische Philosoph Descartes von „geistiger Vorstellung“. Und das wäre in etwa die Übersetzung der ursprünglichen griechischen, lateinischen und französischen Begriffe „idéa“, „idea“ und „idée“. Diese Bedeutung der „geistigen Vorstellung“ ist auch in der deutschen Sprache heimisch geworden.

Von der Idee zur Realisierung

Wie aus einer Idee dann etwas Konkretes erwächst, ist meist ein außerordentlich komplizierter Prozess. Kehren wir nun zurück zur Frage: „Hast du eine Idee, was wir heute Abend kochen sollen?“. Die Antwort könnten lauten: „Ja! Hab ich! Ich weiß, was ich kochen möchte.“

Denn dann ist sie plötzlich da, die Idee. Sie muss nicht originell sein. Und gegen pochierten Lachs mit Bandnudeln und Champignons ist ja auch nichts einzuwenden. Es mag geradezu lächerlich klingen: Aber in dem Augenblick, in dem der Vorschlag mit dem Lachs und so weiter gemacht wird, ist die Idee – die rein geistige Vorstellung – auf dem besten Weg, ihr Abbild, ihre konkrete Form in der Wirklichkeit zu finden.

Die „eine Idee“ zu viel

Symbolbild: Ein Koch mit Kochmütze hält eine Suppenkelle in der rechten Hand und verzieht angewidert das Gesicht (colourbox)

Offenbar nicht nur eine Idee zu viel Salz...

Es muss jetzt nur noch eingekauft und gekocht werden. „Wir bringen Ideen auf den Tisch“ lautete mal die Werbung eines Lebensmittelkonzerns. Die Idee hinter diesem Werbespruch ist ganz schön hintersinnig. Bleiben wir beim Kochen. Möglicherweise war der Lachs „eine Idee“ zu salzig und die Champignons hätten „eine Idee“ aromatischer sein können.

Mit welcher Idee um Himmels willen haben wir es hier zu tun? Da ist nichts mehr von „geistiger Vorstellung“. Da ist „Idee“, wie es in einem alten Wörterbuch heißt, zum bloßen Etwas herabgesunken. Tatsächlich: Der Lachs war etwas zu salzig, die Pilze hätten etwas aromatischer sein können.

Ideenvielfalt

USA Mars Simulation auf Hawaii (picture alliance/dpa/DLR)

Derzeit noch eine fixe Idee, die Besiedlung des Mars?

Vielen Wörtern, vielen Begriffen geht es so: Die Alltagssprache banalisiert. Aber kehren wir zurück zur „Idee“ und kümmern uns um ihre Ausprägungen. Beispielsweise die „fixe Idee“. Als solche bezeichnet man eine unrealistische Vorstellung oder Meinung, die jemanden beherrscht und von der jemand nicht abzubringen ist.

Das Verhalten, das einer fixen Idee entspringt, lässt sich mitunter als Sturheit bezeichnen, als gedankliche Unbeweglichkeit. Die aber können wir gerade nicht gebrauchen. Was wir brauchen sind richtig gute Ideen, „zündende Ideen“, ein Geistesblitz oder gar mehrere Geistesblitze, neue, glänzende Ideen, originelle Ideen, schöpferisches Denken.

Eine Idee ist nur so gut wie ihre Verwirklichung

Die Sache hat allerdings einen Haken: Man sollte vor dem Nachdenken wissen, was man eigentlich will. Eine Idee ist nur so gut wie ihre Verwirklichung zu einem bestimmten Zweck. Dann hat sie sogar Sinn!

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