1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost

Zündelnde Siedler gefährden Friedensprozess

Jüdische Siedler sollen im Westjordanland eine Moschee in Brand gesetzt haben. Es ist bereits der vierte derartige Anschlag seit Dezember 2009. Jüdische Rabbiner und Palästinenser haben den Anschlag gemeinsam verurteilt.

Betende Palästinenser in der teilweise abgebrannten Moschee von Beit Fadschar (Foto:ap)

Betende Palästinenser in der teilweise abgebrannten Moschee von Beit Fadschar

Palästinensischen Angaben zufolge haben mehrere jüdische Siedler in der Nacht zum Montag (04.10.2010) Feuer in einer Moschee in der palästinensischen Siedlung Beit Fadschar südlich von Bethlehem gelegt. Die Siedler seien vor Morgengrauen in einem weißen Peugeot vorgefahren und hätten hebräische Schmäh-Parolen gegen Muslime und den Propheten Mohammed an die Wände der Moschee gesprüht. Dann sollen sie das Gebäude angezündet haben.

"Schwerwiegender Zwischenfall"

Maskierte jüdische Siedler werfen Steine auf Palästinenser in Hebron (Foto:ap)

Maskierte jüdische Siedler werfen Steine auf Palästinenser in Hebron

Einige der Täter sollen jüdische Kippas getragen haben, mindestens einer von ihnen sei maskiert gewesen. Den palästinensischen Einwohnern des Dorfes zufolge seien 15 Koran-Bücher und der Teppich des Gotteshauses verbrannt, bevor sie das Feuer im Gebetshaus unter Kontrolle bringen konnten. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die Tat als "ernsthafte Eskalation der Gewalt von Seiten der Siedler" gegen Palästinenser.

Der palästinensische Mufti in Ost-Jerusalem, Mohammad Hussein, beschuldigte nach dem Vorfall radikale Siedlerkreise, bewusst die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern zu erhöhen. Auch die israelische Armeesprecherin Avital Leibovich verurteilte die Tat scharf. "Wir sehen in der Brandstiftung einen als sehr schwerwiegenden Zwischenfall", sagte Oberstleutnant Leibovich am Montag. "Die Polizei versucht gemeinsam mit anderen Sicherheitskräften, die Gesetzesbrecher zu finden, die für diese Zerstörung verantwortlich sind."

Sabotierter Friedensprozess

Es ist wohl kein Zufall, dass der jüngste Brandanschlag auf die Moschee in Beit Fadschar gerade jetzt verübt wurde, da die USA letzte Versuche unternehmen, den völlig festgefahrenen Nahost-Friedensprozess doch noch einmal wiederzubeleben. Auf beiden Seiten versuchen radikale Israelis und Palästinenser immer wieder, die Friedensverhandlungen durch militante Aktionen zu stören. Ende August hatten radikale Palästinenser vier jüdische Siedler in einem Auto nahe Hebron ermordet. Nachdem ein jüdischer Wachmann vor zwei Wochen in Jerusalem einen Palästinenser erschossen hatte, war es im arabischen Teil der Stadt zu Krawallen gekommen.

Der jetzige Brandanschlag in Beit Fadschar wiederum war bereits der vierte Angriff auf eine Moschee seit Dezember 2009, der israelischen Siedlern zur Last gelegt wird. Schon damals waren mehrere Siedler verhaftet worden, weil sie eine Moschee im Westjordanland beschmiert und in Brand gesteckt hatten. Zuletzt sollen im April 2010 in Hawara und im Mai 2010 in Libban al-Sharqia palästinensische Gebetshäuser angezündet worden sein. Palästinensische Kreise werfen den Siedlern schon seit längerem vor, einen "Religionskrieg" anzetteln zu wollen.

Geste der Versöhnung

Inzwischen haben sich mehrere jüdische Siedler bei den Palästinensern der Gemeinde Beit Fadschar für den Brandanschlag entschuldigt. Sechs Rabbis aus benachbarten jüdischen Siedlungen besuchten den Ort und schenkten der muslimischen Gemeinde mehrere Koranausgaben als Ersatz für die Exemplare, die bei dem Brand zerstört wurden. Mehrere hundert versammelte Palästinenser beklatschten die Aktion der Rabbis. Es sei wichtig zu zeigen, dass nicht alle Siedler Krieg mit den Palästinensern wollten, sondern einige auch nach guter Nachbarschaft strebten, sagte einer der Rabbis.

Ende September lief der Baustopp in den jüdischen Sieldungen aus (Foto:ap)

Ende September lief der Baustopp in den jüdischen Sieldungen aus

Stockende Verhandlungen

Internationale Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass Übergriffe radikaler Siedler auf Palästinenser und palästinensische Einrichtungen immer dann zunehmen, wenn in den Friedensverhandlungen mal wieder über die Zukunft der jüdischen Siedlungen im Westjordanland verhandelt wird. Israel kontrolliert das Gebiet seit 1967 und hat seitdem etwa eine halbe Million Landsleute angesiedelt. Die Friedensverhandlungen zwischen den Palästinensern und Israel stocken erneut, seit vor einer Woche ein israelisches Bau-Moratorium für weitere Wohnungen in dem Gebiet auslief. Die Palästinenser-Regierung verlangte am Wochenende einen Stopp des Siedlungsbaus als Bedingung für weitere direkte Gespräche.

Autor: Thomas Latschan (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Diana Hodali