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Asien

Zögerliche Hilfe lässt Flutopfer protestieren

Wegen der Flut gewährt die Weltbank Pakistan einen Kredit von 900 Millionen Dollar. Dennoch gab es erste gewaltsame Proteste von Opfern, die sich durch Regierung und internationale Gemeinschaft im Stich gelassen fühlen.

Menschen flüchten über überschwemmte Straße (Foto: AP)

Millionen Pakistani sind auf der Flucht vor den Wassermassen

Der Nachrichtensender "Dawn News" etwa meldete, mehrere Menschen seien verletzt worden, als eine aufgebrachte Menge einen Hilfskonvoi im Distrikt Rahim Yarkhan in der zentralpakistanischen Provinz Punjab mit Steinen beworfen habe. In der südlichen Provinz Sindh blockierten Flutopfer eine Straße und kritisierten vor laufenden Kameras, Lebensmittel würden immer nur dann verteilt, wenn Medien anwesend seien.

Pakistan hat ein "Image-Problem"

Auch die Vereinten Nationen sind besorgt über die schleppenden Hilfszahlungen der internationalen Gemeinschaft. Vor allem wegen eines "Image-Problems", das Pakistan im Westen habe, stocke die Hilfe für die Millionen von Betroffenen, verlautete aus Genf.

Eine Frau schlägt die Hände über dem Kopf zusammen (Foto: AP)

Pure Verzweiflung

Außenminister Guido Westerwelle sowie sein Ministerkollege Dirk Niebel ermunterten die deutsche Bevölkerung gegen den negativen Trend zu spenden. Bei "seriösen Hilfsorganisationen" sei sicher, dass das Geld die Opfer in Pakistan auch erreiche. Die Vereinten Nationen haben zunächst um Finanzhilfen in Höhe von rund 460 Millionen Dollar gebeten.

Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg warf der internationalen Gemeinschaft Versagen bei der Bereitstellung humanitärer Hilfe vor. Die Reaktion in Teilen der Weltgemeinschaft sei beklagenswert, sagte er. Großbritannien spendete Soforthilfen in Höhe von etwas mehr als 20 Millionen Euro und zeigte sich damit als die bislang großzügigste Gebernation. Auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Reaktion der EU auf die Flutkatastrophe kritisiert und das zunächst bereitgestellte Hilfsprogramm in Höhe von 40 Millionen Euro als unzureichend bezeichnet. Daraufhin kündigte die EU in Brüssel eine Debatte über eine mögliche Veränderung ihres künftigen Krisen-Managements an.

"Trendwende bei den privaten Spenden"

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, glaubt inzwischen hierzulande eine Trendwende ausgemacht zu haben: Die Spendenbereitschaft der Deutschen für die Flutopfer in Pakistan sei nach großer zurückhaltung seit Beginn der Woche gestiegen. Als Gründe für die zunächst zögerlichen Spenden verwies Seiters auf die Vielzahl an Katastrophen in diesem Jahr wie etwa das Erdbeben in Haiti im Januar und die jüngsten Waldbrände in Russland.

Erster Schritt zum Wiederaufbau

Luftbild eines überschwemmten Dorfes (Foto: AP)

Der Monsunregen hat inzwischen ein Drittel Pakistans überschwemmt

Nach Einschätzung der Weltbank dürften die größten Flutschäden in Pakistan an Gebäuden, Straßen, Bewässerungssystemen sowie in der Landwirtschaft entstanden sein. Mehr als 700.000 Häuser seien durch das Hochwasser zerstört oder beschädigt worden, verlautete offiziell aus Washington. Der jetzt gewährte 900 Millionen-Dollar-Kredit (rund 700 Millionen Euro) könne ein erster Schritt zum Wiederaufbau sein.

Grobe Bilanzen wie die des pakistanischen Botschafters in Großbritannien befürchten dabei Kosten von bis zu 15 Milliarden Dollar. Schließlich seien viele Schäden noch nicht einmal bekannt, sagte Wajid Shamsul Hasan. Rund 20 Millionen Menschen des Landes mit seinen 170 Millionen Einwohnern gelten inzwischen als Flutopfer. Ungezählte Straßen und Brücken sind weggeschwemmt, Telefonleitungen zerstört, Ernten für die Lebensmittelversorgung und den Export vernichtet. Ein Wiederaufbau dürfte mindestens fünf Jahre dauern.

Autor: Gerd Winkelmann (apn, dpa, rtr, afp)
Redaktion: Christian Walz

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