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Politik

Zäsur und Rückbesinnung

Der 11. September - er hat die Welt verändert. Und damit hat er auch Europa verändert, meint DW-Korrespondent Alexander Kudascheff.

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Zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Union gab es damals wenige Tage nach dem Anschlag einen Sondergipfel der Europäer - ein Zeichen der Solidarität mit den Vereinigten Staaten, mit den Opfern der Anschläge. Zum ersten Mal in der Geschichte der westlichen Allianz wiederum rief Lord Robertson - Nato-Generalsekretär - den Bündnisfall aus - d.h. er aktivierte Artikel 5. Auch für diese Maßnahme galt: sie symbolisierte Solidarität. Und aus allen europäischen Hauptstädten klang unisono: der Angriff auf Amerika war ein Angriff auf uns alle.

Europa zog Konsequenzen

Bewegend und bewegt hatte es Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac ausgedrückt: In diesen Stunden sind wir alle Amerikaner. Und das aus dem Mund eines Gaullisten, eines Franzosen, die sonst immer eine USA-kritische Attitüde pflegen. Doch am 11. September war das alles anders. Europa zog aber auch Konsequenzen: es vereinbarte in Rekordtempo eine stärkere Zusammenarbeit der Geheimdienste. Es begann EUROPOL zu stärken, in dem endlich alle Mitgliedsländer jene Daten nach Den Haag lieferten, die für eine effiziente Terrorabwehr nötig waren. Ein einheitlicher europäischer Haftbefehl wurde plötzlich möglich.

Doch Europa agierte nicht nur strafrechtlich, so wichtig das auch war. Europa interessierte sich auch für den Nährboden des islamischen Fundamentalismus. Zum ersten Mal schaute man genauer nach, was sich in den Moscheen in London, Mailand oder Hamburg abspielte.

Nur Integration hilft weiter

Plötzlich entdeckte man in welchen Ghettos Muslime in Frankreich oder Spanien lebten. Schlagartig wurde den Europäern bewusst, dass nur Integration den islamistischen Sumpf austrocknet - so schwierig das auch sein mochte. Und das, was in vielen Ländern gerade noch nonchalant liberal abgewehrt wurde, galt nun als erste Bürgerpflicht: Ausländer müssen die Sprache ihres Gastlandes lernen. Und: die europäischen Werte, die Werte der Aufklärung, der Demokratie, der Trennung von Staat und Religion - sie wurden plötzlich selbstbewusst, selbstbewusster proklamiert.

In diesem Sinne hat die Attacke islamischer Terroristen die Europäer dazu geführt, sich auf ihre Tugenden zurückzubesinnen - und darauf stolz zu sein. Der 11. September - er hat auch Europa verändert. Er markiert auch auf dem alten Kontinent einen Epochenwechsel. Eine Zäsur.