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Deutschland

Zäsur ohne Dramatik - Fischer verlässt die politische Bühne

Der Abgang des früheren Bundesaußenministers markiert das Ende einer bemerkenswerten politischen Karriere - und eine Zäsur für die Grünen, die Fischer lange und nachhaltig geprägt hat. Heinz Dylong kommentiert.

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Joschka Fischer verabschiedet sich von der Grünen-Fraktion und legt sein Bundestags-Mandat nieder.

Ohne Zweifel - es ist eine Zäsur für die Grünen, dass Joschka Fischer nun auch ganz formal die politische Bühne verlässt; dass er sein Bundestagsmandat niederlegt und zukünftig - statt in Berlin Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - im amerikanischen Princeton eine Gastprofessur antreten wird. Zwar kann man davon ausgehen, dass sein langer Schatten auch über den Atlantik reichen würde, aber Fischer macht derzeit jedenfalls nicht den Eindruck, dass er einen solchen Schatten auch werfen will. Die politisch aktive Zeit des 58-jährigen ist vorüber.

Fischer drückte den Grünen seinen Stempel auf

In der Tat hat Fischer seiner Partei, den Grünen, deutlich und nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt. Er war der Vormann des realpolitischen Flügels, der sich nach jahrelangen Auseinandersetzungen gegen den fundamentalistischen Flügel durchsetzte. Dabei ging es nicht immer ausgesprochen zartfühlend zu. Gleichwohl war das die Grundvoraussetzung dafür, dass die Grünen als Regierungspartei auch auf Bundesebene denkbar wurden. In seinem Bundesland, in Hessen, hat Fischer den Sprung auf die Regierungsbank in einer rot-grünen Koalition schon 1985 geschafft. Er wurde Umweltminister und damit erster grüner Minister überhaupt. Dabei erwarb sich der überzeugte Atomkraftgegner durchaus Ansehen, obwohl Fischer nie als ausgesprochener Umweltpolitiker galt.

Ehrgeiziger, eitler Politiker

Tatsächlich reichte der Ehrgeiz des keineswegs uneitlen Politikers beträchtlich weiter. Nach seiner Rückkehr in den Bundestag 1994 gewann er als Fraktionschef der Grünen noch einmal an politischem Gewicht. Der Ruf, der eigentliche Gegenspieler der damaligen CDU/FDP-Regierung zu sein, trug sicher dazu bei, auch innerparteiliche Kritiker zu besänftigen. Denn die gab es immer, Parteifreunde, denen Fischers Auftreten zu selbstherrlich erschien. Genau das dürfte dazu beigetragen haben, dass Fischer nie an die Spitze seiner Partei strebte. Und tatsächlich wurde er auf Parteitagen erst gefeiert, nachdem er in der rot-grünen Koalition 1998 Bundesaußenminister geworden war.

Fischer mutete seiner Partei viel zu

Aber auch in diesem Amt, das er vermutlich aus tiefster Seele angestrebt hatte, ersparte er seiner Partei keine Zumutungen. Auslandseinsätze der Bundeswehr - einschließlich der Teilnahme am Kosovokrieg 1999 - wurden in der pazifistisch geprägten Partei vielfach als solche Zumutungen empfunden. Aber Fischers Linie fand letztlich die Mehrheit. Und dabei ist es wohl auch geblieben. Denn am beträchlichen Wandel der Grünen in den vergangenen rund 25 Jahren ihres Bestehens hatte Joschka Fischer einen erheblichen Anteil.

Dieser Einfluss ließ ihn oft als "Übervater" erscheinen, über dessen Abgang nicht alle Grünen unglücklich sein werden. Sicher ist, dass die Partei auch ohne Fischer existieren kann, wobei sich ohnehin noch zeigen muss, welchen Schatten er über den Atlantik werfen wird.