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Europa

Zähe Räumungsversuche im Hafen von Piräus

Die griechische Regierung will alle Flüchtlinge in offiziellen Aufnahmelagern unterbringen. Dabei setzt sie auf Überzeugungsarbeit statt auf Zwang - ein schwieriges Unterfangen. Panagiotis Kouparanis aus Piräus.

Dolmetscher Mario spricht zu Flüchtlingen im Hafen von Piräus - Foto: DW/P. Kouparanis

Dolmetscher Mario (li.) versucht syrische Flüchtlinge zu überzeugen, sich ins Aufnahmelager Oinofyta bringen zu lassen

Sotiris Alexopoulos schreit geradezu: "Skaramangas is finished!" Er weiß nicht, wie er es dem syrischen Flüchtling sonst noch erklären soll, der mit den wenigen Brocken Englisch, die er beherrscht, immer aufs Neue sagt, dass er mit seiner Familie ins Aufnahmelager Skaramangas will. Der Koordinator der ehrenamtlichen Helfer auf dem Hafengelände von Piräus hat ihm versucht klarzumachen, dass dieses Camp überfüllt ist und zurzeit keinen mehr aufnimmt.

Stattdessen soll es nach Oinofyta gehen, in ein Aufnahmelager kaum 60 Kilometer nördlich von Athen. Alexopoulos zeigt Farbkopien von der Einkaufsstraße der Kleinstadt und vom Lager dort, das stabile Zelte hat.

Sotiris Alexopoulos in Piräus - DW/P. Kouparanis

Sotiris Alexopoulos, Koordinator der ehrenamtlichen Helfer in Piräus, hat immer einen Stapel Farbkopien der Stadt Oinofyta dabei

Schwierige Überzeugungsarbeit

Immer mehr Menschen sammeln sich vor dem Container, der als Koordinationszentrums der lokalen Hilfsinitiativen dient. Man diskutiert und löchert den gerade angekommenen Mario mit Fragen. Der junge Syrer heißt eigentlich Murhaf und lebt seit mehr als 15 Jahren in Griechenland. Irgendwann riefen ihn seine griechischen Freunde Mario. Dabei ist es geblieben.

Seit Anfang des Jahres ist er täglich von morgens bis abends hier am Hafengelände und dolmetscht auf Griechisch, Arabisch und Englisch. Für diesen Job zahlt ihm die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR ein Gehalt. Seit rund drei Wochen ist sein wichtigster Auftrag, die Menschen auf dem Hafengelände davon zu überzeugen, sich in die offiziellen Aufnahmelager bringen zu lassen. Fast 2000 Menschen haben bislang Piräus verlassen, doch es harren noch immer fast 3500 hier aus.

Bald beginnt die Tourismus-Saison

Mario spricht lang und intensiv auf einen jungen Mann ein. Zum Schluss drückt er ihm die Farbkopien und die Informationen zum Camp in Oinofyta in die Hand. "Dieser Mann ist wichtig", meint Mario. Er gehöre einer 127-köpfigen kurdischen Großfamilie aus Syrien an. Die müsse jetzt über die Lage beratschlagen.

Die griechischen Behörden wollen die Flüchtlinge nach Oinofyta nicht nur deshalb bringen, weil die Lebensbedingungen in den offiziellen Aufnahmelagern besser sind. In wenigen Tagen beginnt auch die Tourismus-Saison, das Verkehrs- und Passagieraufkommen im Hafen von Piräus wird rapide steigen. Wenn die Flüchtlinge weiterhin auf dem Gelände bleiben, kommt es zu chaotischen Zuständen - da sind sich Regierung und Behörden sicher.

Besserer Zugang zu Institutionen

Eine Ahnung davon bekommt man schon jetzt. Seit einigen Tagen sind zwei Einfahrten zum Hafen geschlossen. Autos und Lastwagen, die zu den Schiffen wollen, müssen zu einer weiter entfernten Einfahrt gelotst werden. Frustration und Ärger ist den Fahrern deutlich anzumerken. Ihr Blick auf die Flüchtlinge, die vor der "Einfahrt 3" stehen, spricht Bände.

Unter den Flüchtlingen wird wild gestikuliert und heftig diskutiert. Man wolle in der Nähe von Athen bleiben, um besseren Zugang zu Institutionen zu haben, die mit den Asylverfahren der EU betraut sind, sagen sie. Auch haben sie Angst, dass man sie in ein geschlossenes Lager bringt. Der Hafenmeister, Vertreter der Polizei und freiwillige Helfer versuchen sie davon zu überzeugen, dass das von Oinofyta aus genauso machbar sei und dass sie sich frei bewegen könnten.

Flüchtlingsaufnahmelager auf dem Werftsgelände Skaramangas im Golf von Elefsina - DW/P. Kouparanis

Guter Ruf unter Flüchtlingen: Das Aufnahmelager Skaramangas im Golf von Elefsina

Vorzeigelager Skaramangas

Würde man ihnen anbieten, sie ins Aufnahmelager Skaramangas zu bringen, dann würde zumindest ein Teil von ihnen einwilligen. Nicht nur weil die über 1000 Menschen dort Syrer, Iraker, syrische und irakische Jesiden sind. Kaum zwei Wochen in Betrieb, hat das Camp einen guten Ruf unter Flüchtlingen - obwohl es auf dem weitläufigen und abseitig gelegenen Gelände der Werft Skaramangas am Golf von Elefsina liegt.

Das positive Image verdankt das Lager der Tatsache, dass hier fast nur Familien untergebracht sind, und auch der Art der Unterbringung. Hier leben die Flüchtlinge nicht in Zelten, sondern in klimatisierten Container-Häuschen mit WC und Dusche. Der Fußboden ist mit Laminat ausgelegt, in den beiden Zimmern sind jeweils zwei Doppelbetten aufgestellt. An die 27.000 Euro soll jedes dieser Häuschen kosten. Rund 180 stehen bereits, 750 sollen es insgesamt werden - genug Platz für 6000 Menschen. Die Kosten dafür werden aus dem Verteidigungshaushalt abgezweigt. Armee- und Marinesoldaten heben Gräben für Abwasser- und Stromleitungen aus, bringen Zäune an, fahren Kies heran. Militärärzte sind sieben Tage die Woche vor Ort.

Doch der bereitstehende Bus fährt nicht nach Skaramangas, sondern nach Oinofyta. Nach drei Stunden fährt er ab. Leer.