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Wirtschaft

Yunus: Keine Nachhaltigkeit ohne Gleichheit

Nobelpreisträger Muhammad Yunus hat mit seinem Konzept der Mikrokredite Millionen Menschen neue Perspektiven gegeben. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos teilt er mit der DW seine Vision von Entwicklung und Gleichheit.

DW: Die Vereinten Nationen haben auch Ziele für eine nachhaltige Entwicklung formuliert. Denken Sie das war eine kluge Entscheidung?

Yunus: Dies ist das erste Mal, dass die gesamte Welt zusammengekommen ist und unter dem Nachhaltigkeitsaspekt über die Probleme der Welt geredet hat. Das ist sehr wichtig. Wenn wir das Problem des Klimawandels nicht lösen, wird vielleicht nicht der Planet untergehen, aber wir werden es. Wenn wir das Problem der Armut und der Ungleichheit nicht lösen, dann kann die Welt nicht nachhaltig sein. Unter solchen Bedingungen ist eine Gesellschaft nicht nachhaltig.

Um unsere Welt materiell und gesellschaftlich nachhaltig zu gestalten, müssen wir uns des Problems bewusst werden. Beim Klimawandel haben viele Menschen weltweit hart daran gearbeitet, den Menschen zu erklären, dass die Welt in Gefahr ist.

Wenn Sie oder ich vor vierzig Jahren jemandem vom Klimawandel erzählt hätten, hätten die uns für verrückt erklärt. Die Menschen haben das Thema aber immer wieder angesprochen, wissenschaftliche Beweise vorgelegt und Überzeugungsarbeit geleistet. Also haben sich die Regierungen zusammengesetzt und gesagt: 'Nein, wir müssen das hier stoppen. Die globale Temperatur darf um nicht mehr als 1 ½ Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung steigen.' Sie haben eine Entscheidung getroffen.

Wir müssen uns auch darüber klar werden, dass wir mitten in einem weiteren Prozess stecken: Das Vermögen der Welt befindet sich in immer weniger Händen.

Wir werden uns dessen erst bewusst, wenn uns jemand erzählt, dass 62 Menschen die Hälfte des weltweiten Vermögens gehört. Letztes Jahr waren es 80 Menschen und vor zehn Jahren waren es 380. Was kommt als Nächstes?

Wenn das so weiter geht, haben wir bald eine Situation, in der einer Person die ganze Welt gehört. Wir müssen das wissen und wir müssen dann darüber nachdenken, wie wir das stoppen können. Denn wenn wir es nicht aufhalten, wohin wird das führen?

Manche reiche Menschen sagen selbst: 'Ich möchte nicht die ganze Welt besitzen.' Es gibt Möglichkeiten etwas dagegen zu unternehmen, wie zum Beispiel das Geld einer Stiftung zu geben. Es gibt 101 Ideen, die wir weiterverfolgen könnten.

Ich würde also sagen: Zunächst des Problems bewusst werden und dann eine Lösung finden. Was hat man in der Vergangenheit in solchen Fällen im kleineren Rahmen gemacht? Den Menschen war das damals nicht bewusst, aber lasst uns diese Lösungsansätze wieder herausholen und in größeren Dimensionen umsetzen.

Und dann sehen wir, dass wir fürs Erste nicht das ganze Problem der Ungleichheit werden lösen können, aber wir können die weitere Konzentration des Reichtums stoppen. Nächstes Jahr werden dann vielleicht nicht 61 Menschen die Hälfte des Vermögens der Welt besitzen, sondern stattdessen sind es vielleicht 63 oder 64. Das würde bedeuten, dass wir etwas erreicht haben. Dann werden wir über den nächsten Schritt nachdenken.