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Wirtschaft

Yukos unterm Hammer

Der Druck auf Yukos wächst. Im Dezember soll die wichtigste Produktionstochter versteigert werden. Damit steht die endgültige Zerschlagung des russischen Ölriesen bevor.

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Die russischen Behörden greifen nach Yukos

Yukos verliert sein Herzstück. Juganskneftegas, die größte Tochterfirma des Ölkonzerns, kommt am 19. Dezember unter den Hammer. So wollen es die russischen Behörden. Es wäre ein herber Verlust für Yukos, denn der Förderbetrieb liefert mehr als 60 Prozent der gesamten Produktion und hat Zugriff auf die größten Ölreserven Westsibiriens. Die russischen Finanzbehörden wollen den Erlös aus der Versteigerung: Yukos soll damit endlich seine milliardenschweren Steuerschulden begleichen.

"Missachtung des Rechtsstaates"

Die Empörung ist groß in der Moskauer Konzernzentrale. Der angeordnete Verkauf sei "staatlich organisierter Diebstahl und eine Missachtung des Rechtsstaates", erklärte Yukos-Chef Steven Theede. "Diese Enteignung macht den Schutz privaten Eigentums zu einer Farce".

Kritik kommt auch von deutschen Experten. "Das Steuerverfahren gegen Yukos ist noch gar nicht beendet", sagt Roland Götz von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). "Eigentlich dürften die Schulden erst eingetrieben werden, wenn ein endgültiges Urteil vorliegt."

Verkauf unter Wert?

Noch ist unklar, wie viel Geld die Versteigerung einbringen wird. Experten fürchten jedoch, dass Juganskneftegas weit unter Wert verkauft wird. Das von den Behörden festgelegte Startgebot liegt bei umgerechnet 6,6 Milliarden Euro. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein allerdings hat den Yukos-Anteil an Juganskneftegas mit bis zu 14 Milliarden Euro deutlich höher bewertet.

In Moskau wird spekuliert, dass ein Dumpingpreis russischen Staatskonzernen wie Gazprom einen billigen Einstieg ermöglichen soll. Zwar sind bei der Versteigerung auch ausländische Bieter zugelassen, mögliche Käufer wie der italienische Energiekonzern ENI oder der deutsche Versorger Eon haben ihr Interesse allerdings dementiert.

Leere Kassen und kein Ende in Sicht

Yukos Tankstelle in Moskau

Tankstelle von Yukos in Moskau

Fest steht: Yukos geht langsam, aber sicher die Luft aus. Am Freitag (19.11.04) erhöhte der Fiskus seine Steuerforderung auf umgerechnet 18,9 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft kann der Konzern diese Geldmittel nicht mehr aufbringen.

Dabei ist der russische Ölriese eigentlich kerngesund. Bei den gegenwärtig hohen Erdölpreisen erwirtschaftet er Gewinne wie noch nie zuvor in seiner Geschichte. Nur, die Unternehmensführung kommt nicht an das Geld heran. Gerichtsvollzieher haben alle Konten eingefroren, und die meisten Einnahmen werden vom Staat konfisziert.

Zerschlagung ist "ökonomischer Unsinn"

"Die russische Justiz sieht in Yukos ein Unternehmen, das zig Milliarden Euro am Fiskus vorbei ins Ausland geschafft hat", erklärt Roland Götz das scharfe Vorgehen der Regierung. "Deshalb will man jetzt an die Vermögensbestände, die noch greifbar sind." Dass Yukos dadurch systematisch in den Konkurs getrieben werde, mache jedoch ökonomisch überhaupt keinen Sinn. "Mit maßvollen Steuerforderungen hätten die Behörden Yukos nicht so stark geschädigt und auf lange Sicht mehr Geld bekommen", so der Russland-Experte.

Als treibende Kraft im Hintergrund vermutet er einen Teil der russischen Elite, die auf diese Weise die Privatisierung und die Kapitalflucht der 1990er-Jahre revidieren will. "Eine Rolle spielen auch konkurrierende Energiekonzerne, die versuchen, Yukos vom Markt zu drängen und günstig einzuverleiben", so Götz weiter. Er hofft allerdings, dass es nicht so weit kommt. Russland sollte sich darüber klar sein, dass es sein Investitionsklima bei einem ungerechten Verfahren stark schädigen würde.

Entscheidung fällt noch in diesem Jahr

Michail Chodorkowski

Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski seit einem Jahr in Haft

Doch die russischen Behörden ziehen ihre Schlinge um Yukos immer fester. Erst kürzlich wurde eine Beteiligung am Konkurrenten Sibneft gesperrt, mit der Yukos einen Teil seiner Milliarden-Steuerschulden begleichen wollte. Außerdem gibt es neue Betrugsvorwürfe. Ein Manager der Tochtergesellschaft Yukos-Moskwa wurde verhaftet. Ein Firmenanwalt wird international mit Haftbefehl gesucht. Bereits seit einem Jahr sitzt der frühere Firmenchef Michail Chodorkowski wegen Steuerhinterziehung und Betrugs im Gefängnis.

Zum großen Showdown könnte es auf der Hauptversammlung am 20. Dezember kommen, einen Tag nach der angekündigten Versteigerung von Juganskneftegas. Dann soll entschieden werden, ob Yukos endgültig aufgibt und Insolvenz anmeldet oder weiter ums Überleben kämpft.

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