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Wirtschaft

Yukos unter staatlicher Kontrolle

Die russischen Strafverfolger haben am Donnerstag (30.10.) ein Großteil der Yukos-Aktien beschlagnahmt. In der kurzen Geschichte des größten russischen Privatunternehmens ist das ein Wendepunkt.

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Yukos-Chef Chodorkowski

Noch vor Monaten erschien der russische Öl-Konzern als das Vorzeigeobjekt des jungen russischen Kapitalismus: Yukos galt vielen westlichen Beobachtern als positives Beispiel, wie aus Unternehmen, die während der umstrittenen Privatisierungen in Russland entstanden waren, moderne Konzerne werden. Denn der smarte Yukos-Chef Michail Chodorkowski hatte die Transparenz des Konzerns wesentlich verbessert, die Eigentümerstruktur von Yukos offengelegt, westliche Manager auf Spitzenposten ins Unternehmen geholt und den US-Standard GAAP (U.S. Generally Accepted Accounting Principles) für die Bilanzen eingeführt.

Seinen größten Coup landete Chodorkowski dann Anfang dieses Jahres, als er den Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Sibneft bekannt gab. Die Fusion, die in den vergangenen Wochen vollzogen wurde, machte aus Yukos nicht nur das größte russische Ölunternehmen. Vielmehr entstand damit der viertgrößte private Öl-Konzern der Welt. Und Chodorkowski wollte scheinbar noch mehr: Medienberichten zufolge verhandelte er mit den amerikanischen Öl-Multis ChevronTexaco und ExxonMobile über deren Einstieg bei Yukos. Damit wäre unter Führung von Chodorkowski der erste wirkliche Global Player aus Russland entstanden. Dazu wird es nicht mehr kommen – zumindest nicht unter Führung von Chodorkowski.

Zukunft von Yukos ungewiss

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Die Begründung der Generalstaatsanwaltschaft für die am Donnerstag erfolgte Beschlagnahmung eines Großteils der Yukos-Aktien zeigt das wahrscheinliche Schicksal von Yukos auf: Man wolle den Verkauf der Aktien an Dritte verhindern und so eine mögliche Konfiskation von Vermögenswerten nach einem späteren Gerichtsbeschluss sichern. Nach einer Verurteilung Chodorkowskis ist demnach die Enteignung des Yukos-Chefs und der anderen Yukos-Großaktionäre wahrscheinlich. Denn neben Chodorkowski sitzt mit Platon Lebedew schon seit einigen Monaten ein anderer Yukos-Besitzer in Haft.

Gegen den Präsidenten von Yukos-Moskau, Wassili Schachnowski, wird bereits ermittelt. Seine Wahl zum Vertreter im Föderationsrat hat die Generalstaatsanwaltschaft schon annulliert. Damit hat er die Immunität verloren. Die Zeichen der Zeit haben daher die zwei anderen Yukos-Großanteilseigner Leonid Newslin und Wladimir Dubow verstanden, die zusammen rund 15 Prozent der Yukos-Aktien besitzen. Newslin ist bereits im letzten Monat nach Israel ausgereist. Dubow ist ihm inzwischen (am 30.10.) gefolgt.

Verstaatlichung? Zerschlagung?

Der russische Staat gewinnt mit der Beschlagnahmung und einer möglichen Konfiskation der Aktien die Kontrolle über Yukos. Es überrascht daher nicht, dass nach Meldung des russischen Internet-Dienstes lenta.ru der russische Innenminister und Putin-Vertraute Boris Gryslow in einer Rede vor Petersburger Studenten die Nationalisierung aller russischen Bodenschätze befürwortet hat.

Möglich ist auch, dass die Fusion von Yukos und Sibneft rückgängig gemacht wird. Vor wenigen Tagen forderte der Duma-Abgeordnete Wladimir Judin von der Putin-treuen Partei "Geeintes Russland" eine Überprüfung der Sibneft-Privatisierung aus dem Jahr 1995. Sibneft sei damals zu unklaren und für die den russischen Staat ungünstigen Bedingungen verkauft worden. Judin hatte auch den Anstoß für die Untersuchung gegeben, die zur Verhaftung des Yukos-Aktionärs Platon Lebedew im Juli 2003 geführt hat. Damit hatte die "Akte Yukos" begonnen.

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