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Wirtschaft

Yukos ist bankrott

Noch vor wenigen Jahren war Yukos die unangefochtene Nummer eins in der russischen Ölbranche. Nun ist der einstige Energiegigant für bankrott erklärt worden.

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Für die Liquidation legte Richter Pawel Markow einen Zeitraum von einem Jahr fest

Der vormals größte russische Ölkonzern Yukos wird aufgelöst. Das entschied am Dienstag (1.8.2006) ein Handelsgericht in Moskau, das damit einen Restrukturierungsplan des Unternehmens-Managements verwarf. In dem Beschluss wurde festgestellt, dass Yukos bankrott und nicht mehr überlebensfähig sei. Alle Anteile des Unternehmens sollen nun verkauft werden. Für die Liquidation setzte Richter Pawel Markow einen Zeitraum von einem Jahr fest. Das Yukos-Management will gegen das Urteil
Berufung einlegen.

" Todesurteil" für den Konzern

Das Gericht beauftragte den bisherigen Yukos-Vermögensverwalter Eduard Rebgun mit der Abwicklung des Konkurses. Sämtliche Anteile sollten verkauft werden, sagte Rebgun nach der Entscheidung vor Journalisten. Bereits in der vergangenen Woche hatte eine Versammlung der Yukos-Gläubiger den Restrukturierungsplan des Managements verworfen, mit dem das Unternehmen noch gerettet werden sollte. Stattdessen empfahl die Versammlung die jetzt vom Gericht bestätigte Liquidation. Der Anwalt des Yukos-Managements, Drew Holiner, bezeichnete die Entscheidung als "Todesurteil" für den Konzern. Er kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Der vor kurzem zurückgetretene Yukos-Chef Steven Theede hatte wiederholt Zweifel an den Angaben des Konkursverwalters geäußert, denen zufolge Yukos zahlungsunfähig sei. Nach Angaben Rebguns hat der Konzern Schulden in Höhe von 14,38 Milliarden Euro, denen Vermögenswerte in Höhe von nur umgerechnet 13,89 Milliarden Euro gegenüberstanden. Theede hingegen gab den Wert des Konzerns unter Berufung auf unabhängige Studien mit umgerechnet 23,5 Milliarden Euro an. Das Ex-Management begründet seine Zweifel auch mit den gegenwärtigen Rekord-Ölpreisen. Yukos fördert täglich rund eine halbe Million Barrel Öl.

Theede will zudem wegen des Börsengangs des Ölkonzerns Rosneft vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen. Er argumentiert, Rosneft habe die einstige Yukos-Fördertochter Yugansneftgas Ende 2004 widerrechtlich übernommen.

Politische Gründe

Der Yukos-Konzern wurde von dem als Kreml-Kritiker bekannten Unternehmer Michael Chodorkowski gegründet. Nach einem Streit um Steuerzahlungen war der Konzern vor rund zwei Jahren de facto zerschlagen und Ende März einem Konkursverwalter unterstellt worden. Beobachter vermuteten dahinter politische Gründe.

Chodorkowski verbüßt derzeit eine achtjährige Haftstrafe in einem sibirischen Straflager. Der Fall sorgt bis heute im Westen für Kritik am russischen Rechtssystem. (kas)

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  • Datum 01.08.2006
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