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Asien

Yudhoyono (fast) ohne Konkurrenz

Nach dem Sturz von Ex-Diktator Suharto im Jahre 1998 wird in Indonesien zum zweiten Mal ein Präsident direkt vom Volk gewählt. Drei Kandidaten stehen am 8. Juli zur Wahl, aber Favorit ist Amtsinhaber Yudhoyono.

Indonesiens Präsident Yudhoyono (Foto:ap)

Klarer Favorit bei Indonesiens Präsidentenwahl: Amtsinhaber Yudhoyono

Der amtierende Präsident Susilo Bambang Yudhoyono hat es bei der Wahl am Mittwoch mit zwei Konkurrenten zu tun: der früheren Präsidentin Megawati Sukarnoputri und dem Vizepräsidenten Jusuf Kalla. Doch der 59-jährige kann mit seinem Wahlsieg rechnen, weil er auf wirtschaftlichen Erfolge während seiner fünfjährigen Regierungszeit verweisen kann. Yudhoyono hat daher auch im diesjährigen Wahlkampf versprochen, seine Politik fortzusetzen. Ein stärkeres Wirtschaftswachstum, eine konsequentere Bekämpfung der Armut durch verstärkte Anstrengungen in der Landwirtschaft und eine bessere Entwicklung der ländlichen Bereiche sowie weitere soziale Programme für die Bevölkerung stehen auf seiner Prioritätenliste ganz oben.

Der populäre Amtsinhaber

Cover der CD Rinduku padamu von Susilo Bambang Yudhoyono

Präsident Yudhoyono brachte auch schon eine Musik-CD heraus

Trotz globaler Finanz- und Wirtschaftskrise wird die Wirtschaft in diesem Jahr um drei bis vier Prozent wachsen. Im Vergleich zu den sechs Prozent im Jahr 2008 bedeutet dies zwar einen starken Rückgang. Aber es gelingt Yudhoyono, dem Volk die Angst zu nehmen. Seine Partei PD (Partai Demokrat) konnte bei den letzten Parlamentswahlen im April ihren Stimmenanteil verdreifachen und stieg zur stärksten Fraktion im Parlament auf. Die hohe Popularität Yudhoyonos ist auch das Ergebnis einer konsequenten Korruptionsbekämpfung. Viele hohe Beamte sind in den vergangenen Jahren unter Korruptionsverdacht verhaftet und angeklagt worden. Als der Schwiegervater seines Sohnes wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wurde, intervenierte der Präsident nicht und betonte die Eigenständigkeit der Justiz.

Die Konkurrentin aus berühmten Hause

Megawati Sukarnoputri, Porträt

Will ihr Amt zurück: Megawati Sukarnoputri

Die zweite Kandidatin, die 62jährige Megawati Sukarnoputri ist die Tochter des Republikgründers Sukarno, der bis heute von vielen immer noch als Held im Kampf gegen den Kolonialismus gefeiert wird. Seit ihrem großen Sieg 1999 haben Megawati und ihre Demokratische Partei des Kampfes, PDIP, immer mehr an Popularität eingebüßt. Sie war bereits von 2001 bis 2004 Präsidentin, verlor dann aber bei der ersten direkten Präsidentschaftswahl gegen Yudhoyono. Im Wahlkampf versucht sie nun mit patriotischen Tönen und Nationalismus an den großen Namen ihres Vaters anzuknüpfen: „Indonesien muss in Zukunft zu einer großen Nation werden, dies waren die hehren Ziele unserer Republikgründung," betont die Präsidentschaftskandidatin: "Viele junge Leute vergessen oft, dass wir heute in Freiheit leben, weil es damals Freiheitskämpfer gab, die diese Republik befreit haben!"

Der Außenseiter aus der Geschäftswelt

Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla (Foto:ap)

Noch ist er nur Vizepräsident: Jusuf Kalla

Jusuf Kalla, Vorsitzender der Golkar-Partei und dritter Kandidat für das Präsidentenamt, ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und bekannt für schnelle Entscheidungen. Der 67-jährige kritisierte oft Ministerien und Behörden, die in seinen Augen zu langsam arbeiten. Bei den Präsidentschaftswahlen von 2004 trat er noch als Stellvertreter von Yudhoyono an. Eigentlich wollten sich beide erneut als Team zur Wahl stellen. Doch große Teile der Golkar-Eliten wollten sich nicht mehr mit dem Vizepräsidentenamt begnügen und verlangten eine eigene Kandidatur für das Präsidentenamt. Kalla gab der Forderung nach und stellte sich gegen Yudhoyono. Da Yudhoyono oft für seine zögerliche Haltung bei wichtigen Entscheidungen kritisiert wird, erfand Kalla das Wahlkampfmotto ‚schneller und besser’. Dies wiederholt er bei allen Fernsehdebatten.

Schlingernde Wirtschaft

Ein indonesischer Bankangestellter zählt indonesische Rupiah (Foto:dpa)

Auch die indonesische Rupiah hat während der Finanzkrise schwer gelitten

Im Wahlkampf aller drei Kandidaten stehen die wirtschaftlichen Themen im Vordergrund. Wirtschaftskreise und Investoren trauen aber vor allem Yudhoyono zu, mit den ökonomischen Problemen des Landes fertig zu werden. Glaubt man dem indonesischen Wirtschaftsberater Dandosi Matram, so hat sich das Wirtschaftsklima schon jetzt verbessert: "Ausländische Investoren kommen wieder, zum Beispiel in der Autoindustrie oder im Bankensektor. Wenn das Ausland in den Bankensektor einsteigt, dann nur deshalb, weil es hier gute wirtschaftliche Aussichten gibt. Die ausländischen Investoren vertrauen darauf, dass die wirtschaftliche Entwicklung in Zukunft noch besser wird."

Alle Umfragen deuten auf einen hohen Sieg von Yudhoyono hin. Die Frage ist nur, ob bereits im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit von über 50 Prozent erreicht wird. Wenn dies nicht gelingt, wird es zu einer Stichwahl im September kommen.


Autor: Hendra Pasuhuk
Redaktion: Thomas Latschan