1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

"You may serve the soup now, James"

Butler mit Diplom sind sehr gefragt. Dieser ungewöhnliche Beruf, den man sonst mehr aus der englischen Kriminalliteratur kennt, ist sehr beliebt. Ein neuer Trend vielleicht oder eher "back to the roots"?

default

Auf dem herrschaftlichen Schlossplatz fährt eine Limousine vor. Der Fahrer im dunklen Anzug steigt aus und öffnet mit ernster Miene die Beifahrertür. Heute steht bei Nikolaus Unterberger "Chauffeur-Dienst" auf dem Stundenplan. Der 42-Jährige möchte Diener werden und lässt sich im niederrheinischen Willich an der neuen "International Butler Academy", der einzigen ihrer Art in Deutschland, zum Butler ausbilden.

Flexibilität führt zum Ziel

Längst sind die Zeiten vorbei, als der Diener in Frack und weißen Handschuhen den Tee auf dem Silbertablett servierte. "Das ist ein Klischee, mit dem aufgeräumt werden muss", fordert Akademie-Direktor Timo Pohlhaus. Nur in England gebe es diese besondere Spezies noch. Der Butler im übrigen Europa sei heute persönlicher Berater, Begleiter, Privatsekretär, Chauffeur und Bodyguard in einer Person: "Ein Multitalent, das viele Kenntnisse, Fähigkeiten und bestimmte Charakter-Eigenschaften haben muss."

Akkurat deckt Unterberger Besteck für ein sechsgängiges Menü auf: Einen Daumen breit soll das Besteck von der Tischkante entfernt liegen, die linke Gabel etwas höher. Weinglas und Messer des jeweiligen Ganges müssen in einer Linie stehen. Ein Fingerabdruck auf dem Tellerrand gilt als Tabu.

Die wichtigsten Charaktereigenschaften

Verschwiegenheit und Loyalität zeichnen einen Butler aus, aber auch Organisationstalent ist gefragt. Unterberger ist als Stewart in den Regierungsmaschinen der Luftwaffe auf den Geschmack des Dienens gekommen. Dafür will er sogar seinen Job als Immobilienmakler an den Nagel hängen.

"Viele Menschen kommen nach einem eintönigen Arbeitstag in ihre Drei-Zimmer-Wohnung und wissen, dass dies die nächsten 30 Jahre so weitergeht. Das ist doch keine Perspektive", sagt der große, ruhig wirkende Mann. Da wolle er lieber in einem schönen Anwesen "seinen Herren dienen" und so etwas vom Glitzerleben der feinen Gesellschaft mitbekommen.