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Wirtschaft

Yellens Schonfrist ist vorbei

In ihrem ersten Jahr als Chefin der US-Notenbank Fed ließ Janet Yellen nichts anbrennen. Doch ihre Feuertaufe steht erst noch bevor. Bringt sie die Zinswende ohne Turbulenzen über die Bühne?

Janet Yellen mag keine lauten Auftritte. Als die Volkswirtin am 3. Februar vergangenen Jahres ihren Amtseid als neue Chefin der Federal Reserve (Fed) ablegte, gab es nur eine schlichte Zeremonie. Nicht einmal eine Antrittsrede hielt die erste Frau an der Spitze der ein Jahrhundert alten US-Notenbank. Sie setzte sich einfach an ihren Schreibtisch und machte dort weiter, wo ihr bisheriger Chef Vorgänger Ben Bernanke aufgehört hatte.

Yellen wusste um ihre schwere Aufgabe. Das erste Amtsjahr war davon geprägt, die Fed aus dem Krisenmodus mit billionenschweren Anleihekäufen zurück in die Normalität zu führen. Monat für Monat reduzierte die Bank unter ihrer Ägide den Geldfluss um 10 Milliarden Dollar, bis er im November ganz versiegte. Der Ausstieg gelang, Turbulenzen an den Börsen und in den Schwellenländern blieben weitgehend aus. Es wirkt, als hätte die 68-Jährige ihre Bewährungsprobe gemeistert.

Bernankes Plan

Doch der Plan für den Ausstieg aus der sogenannten quantitativen Lockerung, bei der gewaltige Geldsummen zur Konjunkturstützung ins System gepumpt wurden, war bei Yellens Amtsantritt bereits in Stein gemeißelt. Bernanke hatte ihn bei seiner letzten Zinssitzung als Vorsitzender im Detail vorgestellt, seine Nachfolgerin musste ihn nur ausführen. Der gute Arbeitsmarkt und eine seit letztem Frühling sehr kräftige Konjunktur legten ihr dabei keine Steine in den Weg.

Die USA sind Europa damit einige Monate, wenn nicht Jahre voraus: In der Eurozone haben die Geldflut und der Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank gerade erst begonnen. Eigentlich seien die ersten zwölf Monate für Yellen lediglich "ausgedehnte Flitterwochen" gewesen, sagt der Zentralbankexperte Steve Liesman vom US-Wirtschaftssender CNBC deshalb.

Richtig ernst wird es für sie erst jetzt. Die Fed steht vor ihrer ersten Zinserhöhung seit der schweren Finanzkrise. Seit langem fragt sich die Finanzwelt gebannt, wann die Geldhüter in Washington von ihren historischen Niedrigraten knapp über der Nullinie lassen. Und ob es gelingt, ohne die Weltwirtschaft in schwieriges Fahrwasser zu bringen.

Janet Yellen

Die Finanzwelt schaut auf die Spitze der US Notenbank

Die wichtigste geldpolitische Entscheidung seit dem Ende der schweren Rezession will gut überlegt und perfekt kommuniziert sein. Bisher hat Yellen nach Ansicht von Experten gezeigt, das Zeug dafür zu haben. Unter ihrer Führung hat sich der Text in den Fed-Mitteilungen deutlich verändert und die Märkte behutsam auf eine Zinserhöhung vorbereitet, ohne dass dabei eine schiefe Formulierung für Unruhe sorgte.

Oberste Priorität: Jobs

Auch bei Pressekonferenzen ließ sie sich nur anfangs einmal aus der Ruhe bringen, seitdem nie wieder. Die oberste Währungshüterin weiß, was auf dem Spiel steht. Schwellenländer zittern vor einem massiven Kapitalabfluss, weil Investoren auf höhere Zinseinnahmen in den USA hoffen. Hypothekenzinsen steigen, was dem für die heimische Konjunktur wichtigen Häusermarkt wehtun wird. Aktienbesitzer befürchten Vermögensverluste.

Doch vor allem will Yellen vermeiden, dem US-Jobmarkt zu schaden. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit war schon ihr Steckenpferd, lange bevor sie zur Notenbank kam. Darüber hinaus ist sich Yellen bewusst, die Konjunktur nur bedingt steuern zu können. In der Zinssitzung vor wenigen Tagen ließ sie daher mitteilen, dass die Fed künftig auch die internationale Wirtschaftsentwicklung ins Kalkül ziehe. Die Probleme in der Eurozone, in Japan und China, der niedrige Ölpreis und der starke Dollar - das alles könnte auch die US-Wirtschaft bremsen und eine Zinserhöhung infrage stellen. Die richtige Bewährungsprobe kommt für die Fed-Chefin daher erst jetzt - in ihrem zweiten Amtsjahr.