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Menschenrechte

Yücel wirft der Türkei Verschleppungstaktik vor

Nach neun Monaten Haft in der Türkei hat der Journalist Deniz Yücel von der örtlichen Justiz gefordert, ihm zügig einen fairen Prozess zu machen. In einem Interview dankte er für die Anteilnahme in Deutschland.

"Ich will einen fairen Prozess. Und den am besten gleich morgen", sagte Deniz Yücel der Zeitung "taz". Die Fragen beantwortete er nach Angaben der Zeitung schriftlich über seine Anwälte. Zugleich warf er der türkischen Justiz eine "Verschleppungstaktik" vor. Der deutsch-türkische Journalist sitzt seit Februar in Einzelhaft. Auch wenn er eigentlich guter Dinge sei, könne er nicht absehen, welche langfristigen Folgen die Haft haben werde: "Isolationshaft ist Folter", so sein Kommentar.

Der "Welt"-Korrespondent hatte sich damals freiwillig der Polizei in Istanbul gestellt. Ihm werden "Terrorpropaganda" und "Volksverhetzung" vorgeworfen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete ihn wiederholt als deutschen "Spion" und "Agenten" der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Berlin Demonstration für Deniz Yücel Autokorso (picture-alliance/dpa/P. Zinken)

Immer wieder hatten Unterstützer Yücels Autokorsos, Konzerte und Kundgebungen organisiert wie hier im September in Berlin

Belastung für deutsch-türkische Beziehungen

Eine Anklageschrift hat die Staatsanwaltschaft bislang noch nicht vorgelegt. Mehrere Anträge Yücels auf Freilassung wurden abgewiesen - zuletzt am 29. März vom türkischen Verfassungsgericht. Deshalb haben Yücels Anwälte beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde gegen seine Inhaftierung eingelegt

In dem Interview bedankte sich Yücel für die Anteilnahme in Deutschland. Obwohl er in Einzelhaft sitze, wisse er - "dank der vielen Menschen, die sich für mich und für meine inhaftierten Kollegen einsetzen, dass ich nicht alleine bin. Das hilft mir sehr."

Die deutsche Bundesregierung fordert die Freilassung Yücels und von mindestens acht weiteren deutschen Staatsbürgern, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert sind. Durch die Fälle sind die Beziehungen zwischen Ankara und Berlin seit Monaten schwer belastet.

uh/qu (dpa, afp, epd)

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