1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Xi Jinping - Chinas nächster Führer?

Während in Peking der Nationale Volkskongress tagt, wird hinter den Kulissen der Machtwechsel 2012 vorbereitet. Nächster Staatspräsident und Nachfolger von Hu Jintao wird voraussichtlich Xi Jinping.

Porträt Xi Jinping

Xi Jinping wird wahrscheinlich nächster Staatspräsident Chinas

Xi Jinping hat angeblich schon sehr früh Ambitionen auf höchste Ämter erkennen lassen. Das wissen wir Dank der WikiLeaks-Veröffentlichungen amerikanischer Botschaftsdepeschen. Da wird ein Jugendfreund des 57 Jahre alten gelernten Chemieingenieurs mit den Worten zitiert, vom ersten Tag seiner Parteimitgliedschaft an habe Xi den Aufstieg geplant. In die Partei eingetreten ist Xi 1974, in der Endphase der Kulturrevolution. Xi selbst hatte sieben Jahre Landverschickung hinter sich. Sein Vater saß da noch im Gefängnis. Der war ein berühmter Kommandeur aus Revolutionszeiten. Wieder in Freiheit, sollte er später als Provinzchef der südchinesischen Provinz Guangdong die erste Sonderwirtschaftszone schaffen: das heute boomende Shenzhen.

Der Alte und der Neue: Hu Jintao (l.) und Xi Jinping beim Volkskongress 2009 (Foto: AP)

Der Alte und der Neue: Hu Jintao (l.) und Xi Jinping beim Volkskongress 2009

Langsamer, aber stetiger Aufstieg

Xi selbst verdiente sich seine Sporen zuerst in Armutsgebieten in Nordchina, bevor er hohe Posten in den wirtschaftlichen Kraftzentren Südchinas inne hatte. Der Politikwissenschaftler Gu Xuewu leitet das Center for Global Studies an der Universität Bonn. Xi verdanke seine Machtbasis innerhalb der Partei den Kindern revolutionärer Veteranen, analysiert Gu. "Und sie bilden eine sehr starke Gruppe innerhalb der Kommunistischen Partei. In verschiedenen Provinzen bis hin zur Zentralregierung haben sie schon die Macht erobert. Und natürlich auch in der Armee."

Xi Jinping im Oktober 2009 zu Gast bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin (Foto: AP)

Xi Jinping im Oktober 2009 zu Gast bei Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin

Seit 2007 sitzt Xi Jinping im Machtzentrum der Volksrepublik: Dem neunköpfigen ständigen Ausschuss des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. Im Range eines Vizepräsidenten steht er an 6. Stelle der Parteihierarchie. Seit Xi im Herbst 2010 auch noch Vizevorsitzender der Zentralen Militärkommission wurde – also stellvertretender Oberbefehlshaber der Armee - zweifelt eigentlich niemand mehr daran, dass er 2012 den Platz von Staatspräsident Hu Jintao einnehmen wird.

Business as usual

"Xi Jinping ist ein Mann der Mitte, eine moderate Person", sagt der in Hongkong lebende China-Beobachter und Publizist Willy Lam, der die chinesische Politik seit Jahrzehnten verfolgt. "Er hat den Job bekommen, gerade weil die Partei darauf vertraut, dass er die bisherige Politik fortsetzt, dass er keine Unruhe verursacht, dass er nicht mit übermäßig anspruchsvollen oder liberalen Politikansätzen experimentieren wird. Wir erwarten von ihm business as usual." Im Gegensatz zu vielen anderen Parteibossen gilt Xi Jinping als Saubermann und als nicht korrupt. Er ist bereits von Hause aus vermögend. Auch seine Frau trägt als berühmte Schlagersängerin beträchtlich zum Familieneinkommen bei: Als Mitglied einer Sing- und Tanztruppe der Volksbefreiungsarmee im Range eines Generalmajors.

Hu Jintao beim Verlassen eines Flugzeugs (Foto: AP)

Amtsinhaber Hu Jintao gilt als eher steifer Typ - anders als Xi Jinping

Der jetzige Präsident Hu Jintao wirkt bei öffentlichen Auftritten oft steif, fast hölzern. Der Bonner Professor Gu Xuewu schätzt Xi Jinping deutlich lockerer ein. "Wenn man als Kronprinz vorgesehen ist, ist man normalerweise vorsichtiger. Aber vom Typ her, zum Beispiel beim Reden, scheint er viel flexibler zu sein als Hu Jintao." Während der amtierende Präsident seine Reden scheinbar auswendig lernt, könne man bei Xi Jinping hin und wieder spontane Dinge entdecken. Insgesamt gilt Xi eher als Mann der klaren Worte, der seine Parteigenossen beispielsweise auch wegen ihrer bürokratischen Denkweise kritisiert.

Aufgalopp für den Wechsel an der Staatsspitze

Die Weichen für den Kronprinzen sind seit der Berufung des 57-Jährigen zum stellvertretenden Chef der Streitkräfte im vergangenen Jahr jedenfalls gestellt. Auch Hu Jintao war seinerzeit in die Führungsriege des Militärs aufgestiegen, bevor er zum Staatspräsidenten wurde.

Autor: Matthias von Hein
Redaktion: Tamas Szabo / Esther Felden

Die Redaktion empfiehlt