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Kultur

www.wahlkreis.net?

Im britischen Städtchen Saint Albans ist schon Wirklichkeit, was hierzulande noch als Zukunftsmusik gilt: "e-voting", das Wählen per Internet. Zur Bundestagswahl soll die elektronische Stimmabgabe getestet werden.

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Wahlurne mit Wahlzettel - ein Auslaufmodell?

"Wir werden unseren Wahlkreis 329 wieder auflegen", kündigt der Leiter der Forschungsgruppe Internetwahlen an der Universität Osnabrück, Dieter Otten, an. Das war das erste studentische Projekt zur Erforschung der Voraussetzungen und Möglichkeiten von Internetwahlen. Nach der Bundestagswahl vor vier Jahren ist das Projekt unter www.wahlkreis300.net populär geworden.

Wahlprognose online

Hessen Wahl

So gross wie eine Tischdecke (128 x 84 Zentimeter) war der Stimmzettel für die Kommunalwahl in Frankfurt am Main

1998 wurde die Bundestagswahl im Netz von einer Projektgruppe simuliert: Das Web sollte als Prognoseinstrument für dieWahlvorhersage genutzt werden. Internetuser konnten sich mit einer virtuellen Stimmabgabe an der Simulation beteiligen und gleichzeitig einen Wahltipp über den Ausgang der realen Bundestagswahl abgeben. "Unsere 17 000 'Wahlwetter' waren bei ihren Tipps näher dran als alle Meinungsforscher", sagt Professor Otten heute. Bei der kommenden Wahl will er herausfinden, ob das ein Zufall war.

Wahlen ohne Wahlkabine?

Die Stimmabgabe am heimischen PC sieht Otten aber noch nicht. "Das ist ein weltweites Problem: wir kriegen die Rechner einfach nicht sicher", erläutert er den Schwachpunkt. Machbar seien in naher Zukunft aber das so genannte vernetzte Wahllokal, in dem die Stimmabgabe per Computer erfolgt, oder 'Wahlkioske' nach dem Vorbild von Telefonzellen. Sicherheitsstandards dafür sind bei Wahlen zu Betriebsräten, Studentenparlamenten und Gemeinderatswahlen bereits getestet und für gut befunden worden.

Wahl mobil

Virtuelle Tastatur, CeBIT

Virtuelle Tastatur für virtuelle Stimmabgabe?

Besonders wichtig ist nach Ottens Ansicht die räumliche Unabhängigkeit der Wähler bei der Stimmabgabe. Auch für den Sprecher des Bundesinnenministeriums, Dirk Inger, steht die Mobilität im Mittelpunkt: "Bis 2006 wollen wir die Wahllokale untereinander vernetzen." Dann kann jeder Wahlberechtigte in jedem deutschen Ort wählen. Dies solle als Zusatzangebot zur Briefwahl der gestiegenen Mobilität der Wähler Rechnung tragen. Inger warnt aber davor, die elektronische Stimmabgabe als Allheilmittel anzusehen: "Die Wahlmüdigkeit kann durch Technik nicht behoben werden."

Wahl-Rituale

Doch bei allen Blicken in die nahe und ferne Zukunft erinnert sich Forscher Otten auch an die Ursprünge des Wahlsystems. "Unsere Verfassungsväter wollten, dass wir öffentlich wählen." Und Christoph Dowe, der Geschäftsführer des Politikportals politik-digital.de, verweist nostalgisch auf das mit der Wahl einhergehende Ritual. "Zum Wählen gehört auch, dass man in die Schule nebenan geht, um seinen Stimmzettel in eine Urne zu werfen." dpa/(arn)

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