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Wissen & Umwelt

WWF: "Wir nutzen mehr natürliche Ressourcen"

Unser Natur-Budget für dieses Jahr ist aufgebraucht - schon einen Tag früher als im letzten Jahr. Der Verbrauch weltweiter Ressourcen nimmt also stetig zu, sagt der Umweltschützer Jörg-Andreas Krüger vom WWF.

Deutsche Welle: Wie ist der Welterschöpfungstag, der sogenannte Earth Overshoot Day, überhaupt entstanden?

Jörg-Andreas Krüger: Der Tag entsprang einer Idee aus der Umweltbewegung. Wir wollten ein Informationssystem schaffen, das der Öffentlichkeit und den Entscheidern zeigt, dass wir in Zukunft unsere Entschlüsse bedachter treffen müssen.

Alle zwei Jahre veröffentlichen wir den "Living Planet Report", als einen Indikator des Zustands der weltweiten biologischen Vielfalt. Und der jährliche Welterschöpfungstag zeigt dazu anschaulich, wie wir mit unseren den natürlichen Ressourcen haushalten.

Was ist das denn das vorhandene Budget der Natur?

Das ist sozusagen ein Gesamtbetrag von dem, was wir an Acker- oder Baufläche nutzen, vom Wald abholzen, oder aus den Flüssen und Ozeanen an Fisch fangen - und natürlich das Kohlendioxid, das wir durch all das Wirtschaften in die Atmosphäre einbringen. Es ist also die Gesamtheit unseres Verbrauchs aller natürlichen und nachwachsenden Rohstoffe.

Wir müssen dazu die globalen Ressourcen messen, die die Erde produziert und die sie den Menschen zur Verfügung stellen kann. Im Vergleich mit dem, was wir tatsächlich verbrauchen ist das dann der ökologische Fußabdruck, den wir hinterlassen

Das Erschöpfungs-Datum rückt von Jahr zu Jahr weiter nach vorne. Warum?

Das liegt einfach daran, dass wir fortlaufend immer mehr natürliche und erneuerbare Ressourcen verbrauchen.

Was hat unseren Verbrauch so erhöht - wer ist dafür verantwortlich?

Auf der einen Seite können wir den Entscheidungsträgern, also Politikern, dafür die Schuld geben. Auf der anderen Seite können wir die Verbraucher in der Welt dafür verantwortlich machen. Wenn Sie sich den Verbrauch von natürlichen Ressourcen im weltweiten Vergleich anschauen, werden Sie große Unterschiede zwischen den Ländern sehen.

Wenn zum Beispiel jeder auf der Erde so viel verbrauchen würde wie ein Deutscher, bräuchten wir 2,6 Planeten. Im Vergleich mit den USA sogar vier Planeten.
Dann gibt es die Länder - besonders in Afrika oder Asien - wo die Menschen unterhalb der Ressourcenkapazität leben. Das heißt, die Industrienationen verbrauchen quasi zusätzlich die Vorräte von anderen Ländern und exportieren damit sozusagen ihren ökologischen Fußabdruck. Ein Land wie China zum Beispiel erreicht seine Biokapazität - und hat noch immer einen steigenden Bedarf. Ein großes Problem für die Zukunft!

Was können wir vom Living Planet Report 2014 erwarten, der nächsten Monat erscheint?

Dass Menschen in den Industrieländern Ressourcen effizienter nutzen sollten.

Jörg-Andreas Krüger vom WWF (Foto: Eric Neuling/WWF).

Jörg-Andreas Krüger ist Experte für Biodiversität beim WWF

Wir werden sehen, dass der ökologische Fußabdruck wieder ansteigt. Der Fußabdruck der wohlhabenden Nationen hat allerdings in den letzten 40 Jahren nicht zugenommen. Wir stellen mittlerweile einen Anstieg in den Staaten mit mittlerem Einkommen fest, also in den früheren Entwickungsländern wie etwa den BRIC-Ländern. Das ist gefährlich für unsere Erde und eine große Herausforderung für die Politik, da dort sehr viele Menschen leben.

Welche Auswirkungen hat dieser übermäßige Verbrauch auf die Umwelt?

Es gibt einen enormen Verlust biologischer Vielfalt! Die Wälder schrumpfen. Es gibt viele Regionen mit enormen Wasserproblemen, und der Klimawandel hat einen großen Einfluss auf die Landwirtschaft, die Böden und unser Ökosystem insgesamt.

Was muss passieren, damit wir es aus diesem "roten Bereich" schaffen?

Wir brauchen eine effizientere Industrie. Wir können natürliche Ressourcen nicht weiterhin so verschwenden wie in der Vergangenheit. Wir müssen unser Geld in nachhaltige Investitionen stecken. Und wir brauchen eine bessere, strengere Überwachung durch die Regierungen, die richtige Entscheidungen für Nachhaltigkeit treffen müssen. Auch jeder einzelne Verbraucher muss klüger handeln.

Was könnte dabei jeder einzelne von uns tun?

Sie können zum Beispiel erneuerbare Energien nutzen, und Produkte kaufen, die nachhaltig sind. Wir müssen einfach nur so viel kaufen, wie wir auch brauchen und verbrauchen können.

Jörg-Andreas Krüger ist Fachbereichsleiter für Biodiversität beim World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland, einer der größten internationalen Naturschutzorganisationen der Welt.

Das Interview führte Charlotta Lomas.

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