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Aktuell Nahost

Wut und Trauer nach Amoklauf in Afghanistan

Große Empörung und Bestürzung herrschen nach dem Blutbad mit 16 Toten in der Provinz Kandahar. US-Präsident Obama kondolierte Staatspräsident Karsai. Die Taliban kündigten auf ihrer Internetseite Vergeltungsschläge an.

Ein junger Afghane trauert um seine getöteten Angehörigen (Foto: dapd)

Trauer und Wut herrschen nach dem Anschlag

Sie würden sich für "jeden einzelnen Märtyrer bei den Mördern rächen", heißt es auf der offiziellen Homepage der Taliban. Denn groß ist die Empörung, dass ein US-Soldat in der südafghanischen Provinz und Taliban-Hochburg Kandahar wohl 16 Menschen wahllos tötete. Im Morgengrauen am Sonntag soll der 38-Jährige seinen Stützpunkt verlassen und in drei Häuser eingedrungen sein. Dort wurden 16 Männer, Frauen und Kinder erschossen. Die "New York Times" berichtete, der mutmaßliche Einzeltäter habe sich im Stützpunkt anschließend ergeben. Der Feldwebel, der verheiratet sei und zwei Kinder haben soll, ist seit Dezember in seinem ersten Afghanistan-Einsatz. Zuvor sei er dreimal im Irak stationiert gewesen.

Bedauern im Westen

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Amoklauf empört Afghanen

US-Präsident Barack Obama zeigte sich in einem Telefongespräch mit seinem afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai zutiefst bestürzt und versprach eine rasche Untersuchung des Vorfalls. Nach US-Angaben hatte der Täter psychische Probleme.

Die Taliban bezeichneten die Angaben zum Zustand des US-Soldaten als Ausrede. Sollten sie aber stimmen, sei dies ein weiteres "Zeugnis für die moralische Verworfenheit des US-Militärs, da es in Afghanistan Verrückte bewaffnet, die dann ihre Waffen ohne zu zögern auf wehrlose Afghanen richten," erklärten sie auf ihrer Internetseite.

Spannungen zwischen USA und Afghanistan verschärft

Das Parlament in Kabul verurteilte die Tat als brutal und unmenschlich und forderte einen öffentlichen Prozess gegen den Amokläufer im Land selbst. Die Abgeordneten erklärten mit Blick auf ähnliche Ereignisse in der Vergangenheit, die Toleranzgrenze des afghanischen Volkes sei erreicht.

Der blutige Vorfall ist für die NATO-geführten internationalen Truppen in Afghanistan (ISAF) eine Katastrophe. Seit Monaten sind die Beziehungen zwischen Washington und Kabul gespannt. Nach den Koranverbrennungen auf der US-Basis Bagram Ende Februar hatte es tagelange Unruhen mit mindestens 30 Todesopfern gegeben. Auch sechs US-Soldaten waren erschossen worden.

rv/li (afpd, dpa, rtrd)

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