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Deutschland

Wut und Trauer im Netz

Die Social-Media-Netzwerke diskutieren über die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg. Zu Tausenden melden sich die User zu Wort, diskutieren und tauschen Informationen über die Katastrophe aus.

Screenshot einer Facebook Seite von einer Loveparade Kondolenz-Gruppe Foto: Screenshot

Auf Facebook hat sich eine Kondolenz-Gruppe für die Opfer der Loveparade 2010 gegründet

Schock, Entsetzen und Trauer prägen die meisten der Einträge, die sich im Internet - vor allem auch auf Facebook - finden lassen.

"Ein unglaubliches Drama ist da geschehen. Es tut mir so leid, für ALLE, alle Beteiligten."

"Das ein eigentlich so friedliches Fest so tragisch endet, das macht mich sehr betroffen."

"Da fehlen einem einfach die Worte. Mein Beileid an alle Angehörigen."

Wut auf die Organisatoren

Neben Fassungslosigkeit und Trauer macht sich viel Wut bei den Usern breit - Wut vor allem auf die Veranstalter, denen man Profitgier und Dilettantismus vorwirft.

"So ein Desaster hätte nie passieren dürfen. Unverantwortlich. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen hinter Gitter kommen. Es hat Sicherheitsmängel gegeben, die jeder Kleinorganisator kennt und meidet."

Der Leiter des Krisenstabes, Wolfgang Rabe, Detlef von Schmeling vom Duisburger Polizeipraesidium und der Geschaeftsführer der Loveparade, Rainer Schaller, bei der Pressekonferenz am Sonntag (Foto: apn)

Die Pressekonferenz der Verantwortlichen erzeugte noch mehr Zorn

"Wenn ich mir diese Bilder anschaue werde richtig wütend; die Polizei, die Stadt Duisburg und die Veranstalter sind in meinen Augen alle Mörder. Und das schlimmste ist: Keiner will schuld haben, keiner räumt Fehler ein und zum Schluss sind die Opfer auch noch selber Schuld. SCHÄMT EUCH, EINE SCHANDE!!!!!!!!"

Besonders zornig sind die User über die Sprachlosigkeit und die Ausflüchte der Veranstalter und der Verantwortlichen der Stadt Duisburg auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Sonntag (25.07.2010).

"Wenn man die Bilder im Fernsehen sieht, kriege ich einfach nur Hass gegen die Stadt und vor allem gegen den Veranstalter Rainer Schaller, dem es nur darum geht Geld zu verdienen und Werbung für seine scheiß Fitness-Studiokette McFit zu machen."

Ungehörte Warnungen

Ein zerdruecktes Absperrgitter liegt an der Stelle, wo am Samstag, 24. Juli 2010, bei der Loveparade in Duisburg eine Massenpanik zum Tod von 19 Teilnehmern fuehrte. Foto: apn

Vor der Enge des Tunnels warnten viele Ortskundige schon vor der Veranstaltung

Immer wieder wird auf Warnungen hingewiesen, die im Vorfeld der Veranstaltung veröffentlicht wurden, etwa auf dem Webportal der WAZ -Zeitungsgruppe "Der Westen". Dort hatten Ortskundige relativ genau beschrieben, wo die Gefahren der Lokalität liegen und genau das Szenario vorhergesagt, was dann am Samstag eintrat.

"Die wollen ernsthaft den Zugang über einen einspurigen TUNNEL leiten? Ich fass es nicht!!!!"

"Das wird die erste Loveparade mit Verletzen sein, wenn nicht noch schlimmeres passiert."

"Ich sehe schon Tote, wenn nach der Abschlusskundgebung alle auf einmal über diese mickrige Straße das Gelände verlassen wollen."

Detlef von Schmeling von der Polizei Duisburg und der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller (Foto: APN)

Rainer Schaller (rechts) wird von vielen Usern als ein Hauptschuldiger angesehen

Einige Facebook-Mitglieder haben Gruppen gegründet, die die Rücktritte aller Verantwortlichen von Duisburg fordern. Einige User haben Anzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen Rainer Schaller erstattet und fordern die anderen Mitglieder auf, sich anzuschließen.

Beweismittel sammeln

Viele User setzen Links auf Youtube-Videos, wo jetzt immer mehr Augenzeugen Videos einstellen, die sie mit ihren Handys vor und während der Paniksituation rund um den Tunnel gedreht haben. Mithilfe dieser kurzen Filme hoffen sie auch, das Geschehen besser rekonstruieren zu können und möglicherweise Material für die Staatsanwaltschaft zu sammeln, die inzwischen Ermittlungen aufgenommen hat.

So stellt eine Userin ein Handy-Video ein, das beweisen soll, dass die Polizei für den tödlichen Stau am Tunnel verantwortlich sei. Viel zu lange hätten die Ordnungskräfte versucht, die Absperrungen aufrecht zu erhalten, statt die Leute aus dem Gedränge zu befreien.

Am Fuße der Treppe und vor den großen Plakatwänden am Eingang des Tunnels kamen die jungen Menschen ums Leben (Foto: APN)

Am Fuße der Treppe und vor den großen Plakatwänden am Eingang des Tunnels kamen die jungen Menschen ums Leben.

Gegen das Ende der Loveparade

Diskutiert wird im Netz aber auch über das Ende der Love-Parade, dass der Veranstalter verkündet hat. Viele sind der Ansicht, auch nach der Katastrophe von Duisburg solle die Veranstaltung fortgeführt werden.

"Krass, was dort passiert ist - aber deswegen die Loveparade abzuschaffen, find ich scheiße. So etwas kann überall passieren, es ist doch nicht die Loveparade daran schuld."

"Meiner Meinung nach sollte das Ereignis vom 24.07. kein Grund dafür sein, die Loveparade für immer zu verbieten."

Einig sind sich alle, in Berlin wäre eine solche Katastrophe nicht passiert.

"Duisburg hat einfach nicht die Kapazitäten. Berlin ist gewachsen mit der Love-Parade über Jahre. Andere Städte wissen doch überhaupt nicht damit umzugehen! Die Loveparade gehört nach Berlin, nur nach Berlin!"

Autorin: Rachel Gessat

Redaktion: Kay-Alexander Scholz