Wut im Iran wegen ″Zwangsniederlage″ eines Ringers | Asien | DW | 29.11.2017
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Iran

Wut im Iran wegen "Zwangsniederlage" eines Ringers

Teherans Verbot jeglicher Kontakte mit Israel hat erneut zum absurden "Verlieren müssen" eines iranischen Sportlers bei einem internationalen Wettkampf geführt. Im Iran wächst die Kritik an dieser Politik.

"Ali-Resa verlier!, Ali-Resa du musst verlieren!", hallt es in den Schlussmomenten des Halbfinales bei der U23-WM der Ringer in Polen durch die Halle. Diese eigentlich unglaubliche, aber so erfolgte Anweisung des iranischen Nationaltrainers an seinen Schützling Ali-Resa Karimi (Artikelfoto rechts) ist in einer Videoaufnahme des Halbfinal-Ringkampfs unmissverständlich festgehalten.

Der Iraner führt wenige Augenblicke vor dem Kampfende mit 3:2 Punkten gegen seinen russischen Kontrahenten Alichan Schabrailow und steht unmittelbar vor dem Einzug ins Finale. Doch Karimi folgt der Anweisung seines Chefs am Mattenrand und stellt jegliche Gegenwehr im Ringkampf demonstrativ und konsequent ein. Aus der 3:2-Führung wird binnen 14 Sekunden eine 3:14-Niederlage. Der Iraner wirkt versteinert, seine Zwangsniederlage macht ihn unverkennbar wütend.

Der Grund für dieses unsportliche Vorgehen des iranischen Trainers: Im Parallelkampf des Halbfinals kämpfte der Israeli Uri Kalaschnikow gegen den kasachischen Ringer Azamat Dauletbekow. Die Funktionäre der iranischen U23-Ringer-Nationalmannschaft rechneten mit einem Sieg Kalaschnikows. In diesem Fall hätte Karimi – der kurz vor dem Sieg stand - gegen den israelischen Athleten antreten müssen. Dieses Aufeinandertreffen mussten die iranischen Funktionäre unbedingt verhindern. Denn der iranische Staat untersagt seit 1983 strikt das gemeinsame Auftreten seiner Athleten mit Sportlern aus Israel bei Wettkämpfen – offiziell wegen der Nicht-Anerkennung des Staates Israel durch den Iran sowie aus "Solidarität mit dem unterdrückten palästinensischen Volk".

Spott und Kritik in iranischen Netzwerken

Das Video verbreitet sich schnell im Internet und wird unter iranischen Nutzern zum Top-Thema. "Unfassbar, dass man sich selbst den K.O. verpasst. Es ist das Schicksal einer bitteren Erniedrigung, zu welchem die Politik unsere Sportler verdammt", heißt es in einem Tweet. Ein anderer User schreibt: "Als Nationalsportler ist man Vertreter seines Landes auf internationaler Bühne. Der Nationalsportler verteidigt sein Land wie ein Soldat. Was heißt dann 'du musst verlieren'? Schämt Euch. Was haben wir für eine Führung in unserem Land?"

Mohammad Soleimani von der iranische Teakwondo-Nationalmannschaft bei den olympischen Jugend-Sommerspiele 2010 in Singapur (olympic.ir)

Mohammad Soleimani von der iranische Teakwondo-Nationalmannschaft musste bei den olympischen Jugend-Sommerspiele 2010 in Singapur wegen angeblicher Erkrankung auf den Finalkampf gegen seinen israelischen Gegner verzichten

In einem weiteren Kommentar ist zu lesen: "Es ist eine Schande für jeden Amtsträger, der für den Erhalt seiner verdorbenen Macht derart die Würde und den Stolz eines Sportlers zerstört." Ein anderer Kommentar bringt wie viele ähnliche die Heuchelei der iranischen Position auf den Punkt: "Es ist absolut absurd, dass Iraner aus Solidarität mit den Palästinensern nicht gegen Israelis antreten dürfen, während palästinensische Sportler problemlos gegen israelische Athleten Wettkämpfe bestreiten."

Bittere Pointe für den gedemütigten Karimi

Unterdessen postete Ali-Resa Karimi auf seiner Instagram-Seite eine Strophe aus einem bekannten Songtext des im Exil lebenden Dissidenten Dariusch Eghbali: "Schweigen ist das letzte Schutzschild. Wir werden niemals unsere Rechte bekommen." Eine Äußerung, mit der er sich Schwierigkeiten einhandeln könnte.

Fußball Qualifikation Weltmeisterschaft 2018 Iran - Usbekistan (picture-alliance/Zumapress/A. Halabisaz)

Irans Sportfans fordern zunehmend Ende der politischen Einmischung

Eine bittere Pointe hatte die erzwungene Niederlage für Karimi auch noch: Sein Trainer hatte sich verschätzt, anstatt gegen den Israeli Kalaschnikow hätte Karimi nämlich im Finale gegen den Kasachen Dauletbekov antreten müssen, der anders als erwartet Kalaschnikow besiegt hatte. Den Kampf um Bronze gegen Kalaschnikow musste der Iraner dann wegen angeblicher Krankheit absagen.

Es bleibt nun abzuwarten, wie der internationale Ringerverband auf die Wettbewerbsverzerrung seitens der iranischen Sportpolitik reagiert. Internationale Sportverbände hatten zuletzt betont, dass sie dieses bekannte Vorgehen der Iraner künftig mit Sanktionen und Ausschlüssen ganzer Teams bestrafen würden.

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