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Politik

Wut auf Nordkorea

Im Konflikt mit dem Norden will sich Südkorea keine Provokationen mehr bieten lassen. Die Rhetorik beider Staaten wird immer aggressiver und auch im Volk wächst der Unmut.

Proteste gegen Nordkorea in Seoul (Foto:AP)

Proteste gegen Nordkorea in Seoul

Flammen verzehren die nordkoreanische Flagge, auch Bilder des Diktators Kim Jong Il und seines Sohnes Kim Jong Un haben die Demonstranten in Südkoreas Hauptstadt Seoul verbrannt. Die Proteste spiegeln die neue Entschlossenheit der Regierung von Präsident Lee wider. Er hatte seinem Volk vor wenigen Tagen eine harte Linie gegenüber dem verhassten Norden versprochen. "Angst vor einem Krieg hat noch nie geholfen, einen Krieg zu verhindern," sagte Lee in seiner Radioansprache zum Jahresende.

Proteste gegen Nordkorea in Seoul (Foto: AP)

"Weg mit Kim Jong Il und Kim Jong Un!"

Null-Toleranz gegenüber Nordkoreas Provokationen

Die Wut der Menschen im Süden richtet sich vor allem gegen den regierenden Kim-Clan in Nordkorea. Diktator Kim Jong Il soll mit seiner Familie und seinen Vertrauten in Saus und Braus leben, während das Volk Hunger leidet. Gegenüber Südkorea legen die Kims einen verächtlichen, drohenden Ton an den Tag. "Unsere Geduld hat Grenzen," ließ Pjöngjang erst vor wenigen Tagen über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA verbreiten und drohte dem Süden mit einem "Heiligen Krieg", bei dem auch Atomwaffen eingesetzt werden könnten. Die arrogante Haltung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es den Menschen im Süden sehr viel besser geht als im Norden.

Von seinen Untertanen fordert der Diktator absoluten Gehorsam (Foto: AP)

Von seinen Untertanen fordert der Diktator absoluten Gehorsam

Flüchtlingsstrom in Richtung Süden

Allein in den vergangenen drei Jahren sind etwa 10.000 Nordkoreaner heimlich über die Grenze geflohen. Die Route geht über China nach Südkorea, wo die Flüchtlinge längst nicht mehr willkommen sind. Manche Frauen fallen in der Volksrepublik Menschenhändlern in die Hände, die sie für harte Dollars an chinesische Bauern verkaufen. Leicht verdientes Geld in den ländlichen Regionen Chinas, wo Frauen Mangelware sind. Wer es bis nach Südkorea schafft, muss dort lange Verhöre des Geheimdienstes über sich ergehen lassen, denn die Angst vor Spionen aus dem Norden ist groß. Ohne Geld, ohne Ausbildung und ohne Erfahrungen mit dem Leben in einem demokratischen Land sind die Flüchtlinge aus dem Norden denkbar schlecht gerüstet für ihre neue Existenz in Freiheit. Viele scheitern und verstärken damit nur die Vorurteile der Südkoreaner.

Razzia an den Grenzen

Mit einer großangelegten Kontrollaktion hat Nordkorea jetzt seine Grenzsoldaten überprüft. Ein Solidaritätskomitee in Seoul berichtete, dass an den besonders beliebten Flüchtlingsübergängen alle Grenzer in die Kasernen gerufen worden seien - egal, ob sie sich gerade im Urlaub oder in ärztlicher Behandlung in Krankenhaus befanden. Die Grenzsoldaten stehen in dem Ruf, leicht bestechlich zu sein. Angeblich geht diese Aktion zurück auf einen Befehl des Diktatorensohns Kim Jong Un, von dem man annimmt, dass er seinen Vater schon bald beerben wird. Kim Junior soll schärfere Grenzkontrollen und Razzien gegen potentielle Flüchtlinge angekündigt haben. Spezialkräfte aus Pjöngjang wurden losgeschickt, um "Verräter, die ihr Mutterland verlassen und betrügen wollen", zu bestrafen.

Nordkoreas Atomanlage Yongbyon (Foto: AP)

Nordkoreas Atomanlagen (hier: Yongbyon) verleihen den Kriegsdrohungen Gewicht

China schützt den Norden

Einen diplomatischen Rückschlag im Konflikt mit dem verfeindeten Bruderstaat musste Südkorea von Peking hinnehmen. China verurteilte einen südkoreanischen Spion zu mehr als einem Jahr Haft. In der Vergangenheit hatte Peking enttarnte Spione Südkoreas, die in der Volksrepublik Informationen über den Norden sammeln, immer gegen eine Entschuldigung aus Seoul in ihre Heimat zurückgeschickt. Dieses Mal aber wurde der Offizier der südkoreanischen Armee wie ein gewöhnlicher Krimineller behandelt. China gilt als einziger Verbündeter und größter Handelspartner Nordkoreas. Trotzdem ist für den Februar ein Treffen des chinesischen Verteidigungsministers mit seinem Amtskollegen aus Südkorea geplant.

Autorin: Nicola Reyk (afp, dpa, ap)
Redaktion: Thomas Latschan

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