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Aktuell Nahost

Wut über wertloses Geld

Es rumort im Iran. Diesmal nicht wegen politischer Grabenkämpfe, sondern wegen handfester Finanzverluste. Nach einem drastischen Wertverfall der Währung kam es in Teheran zu Protesten und Krawallen.

Demonstranten stehen in einer Straße, in der Müll brennt (Foto: dpa/epa)

Iran Protest Währung

Auslöser der Ausschreitungen in der iranischen Hauptstadt Teheran war anscheinend eine Razzia der Polizei gegen Devisen-Schwarzhändler. Augenzeugen berichteten von Zusammenstößen illegaler Händler mit hunderten Polizisten im Finanzbezirk Ferdowsi. Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe mit seiner Politik die Wirtschaft in eine Krise gestürzt, skandierten die Demonstranten. Die Polizei setzte Tränengas ein und ordnete die Schließung von Wechselstuben und Geschäften an. Es gab mehrere Festnahmen. Einige aufgebrachte Händler schleuderten demnach Steine gegen Polizisten und ein Polizeiauto.

Auch der Große Basar blieb geschlossen, weil die Händler nicht wussten, wie sie mit den stark schwankenden Wechselkursen umgehen sollten. Auf dem Großen Basar werden die täglichen Preise für die kleineren Basare und Handelszentren in Teheran festgelegt. Für westliche Währungen wie Dollar und Euro müssen die Iraner inzwischen mehr als dreimal so viel zahlen wie noch zu Jahresbeginn. Die Regierung macht dafür die ausländischen Sanktionen sowie Spekulanten verantwortlich.

Rial im steilen Sturzflug

Die iranische Währung Rial war am Montag und erneut am Dienstag auf einen historischen Tiefstand gefallen. Händler in Teheran sagten der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch am Dienstag, für einen Dollar müssten rund 37.500 Rial bezahlt werden. Acht Tage zuvor habe der Kurs noch bei 24.600 Rial gelegen. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, wertete dies als Zeichen des "Erfolgs" der Sanktionen gegen Teheran.

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Iran: Heftige proteste gegen Währungsverfall

Der nationale Polizeichef Esmail Ahmadi Moghadam kündigte laut Nachrichtenagentur Fars die Einrichtung einer Untersuchungsgruppe an, die aus Wirtschaftsexperten der Regierung und aus Polizisten bestehen soll. Sie solle gegen "diejenigen ankämpfen, die den Devisenmarkt stören". Moghadam berief sich auf Informationen der Zentralbank, wonach viele Menschen Unmengen an Devisen und Gold privat zurückhalten.

Iraner flüchten in Devisen

Angesicht des Verfalls ihrer Währung tauschen viele Bürger ihre Rial-Bestände in harte Währungen. Dem freien Handel mit dem Rial will der Iran nun einen Riegel vorschieben. Der Verfall der Landeswährung führt bereits zu einem sinkenden Lebensstandard. Die offizielle Teuerungsrate beträgt 25 Prozent – mit steigender Tendenz.

Ein Mann wechselt in Teheran Devisen (Foto: Mahmood Salehi)

Die Devisenhändler in Teheran sind nervös: Der Dollar-Preis steigt fast stündlich.

Im Parlament musste sich Ahmadinedschad bereits ökonomische Inkompetenz vorwerfen lassen. Die Sanktionen haben die iranischen Banken vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abgeschnitten und behindern auch die Öl-Exporte, die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Nach Schätzungen Israels sind dem Iran durch das Embargo zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar an Öleinnahmen entgangen.

Ahmadinedschad gibt sich eisern

Ahmadinedschad warf den Gegnern der Islamischen Republik vor, einen "psychologischen Krieg" zu führen. Es gebe für den Kursverlauf des Rial keinen wirtschaftlichen Grund. Die Zentralbank habe genug harte Devisen bereitgestellt, um die Importe zu finanzieren. In der Vorwoche hatte die Regierung ein Währungszentrum eingerichtet, das Importeure mit Dollar versorgen soll. Dies scheint den Rial-Kursverfall aber eher beschleunigt zu haben.

Der Präsident machte zugleich klar, dass sein Land trotz des wirtschaftlichen Drucks und der Sanktionen des Westens am Nuklearprogramm festhalte. "Wir sind kein Volk, das bei der Nuklearfrage einen Rückzieher macht", sagte er im Staatsfernsehen. Der Iran wird vom Westen verdächtigt, Atomwaffen zu entwickeln. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe zurück. Gespräche der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran haben bislang zu keinem greifbaren Erfolg geführt. Teheran betont immer wieder sein Recht auf die zivile Nutzung der Kernenergie.

kle/sc (afp, dpa, rtr)

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