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Fußball

Wusste Niersbach früher von Beckenbauer-Vertrag?

Wolfgang Niersbach gerät auch nach seinem Rücktritt als DFB-Präsident weiter in Bedrängnis. Seine Aussage, es habe "keinen Stimmenkauf" vor der WM-Vergabe gegeben, machte er möglicherweise wider besseres Wissen.

Neue Details über das brisante Beckenbauer-Dokument werfen in der WM-Affäre ein schlechtes Licht auf den zurückgetretenen DFB-Präsidenten

Wolfgang Niersbach

und erstmals auch auf DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. Niersbach soll schon länger von dem ominösen Vertragsentwurf zwischen

Franz Beckenbauer

und Jack Warner gewusst haben. Dies berichten übereinstimmend das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung". Neben Niersbach soll auch der amtierende Generalsekretär Sandrock von dessen Stellvertreter Stefan Hans über das Schreiben informiert worden sein, schreibt die "SZ". Damit gerät Sandrock erstmals in der WM-Affäre ebenfalls ins Zwielicht.

Das Papier hatte dem damaligen FIFA-Wahlmann Warner aus Trinidad und Tobago Vorteile garantiert, es ist aber unklar, ob dies je umgesetzt wurde. Das Schreiben soll von Hans im Archiv des Verbandes entdeckt worden sein, nachdem die Recherchen nach der dubiosen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung des DFB an die FIFA begonnen hatten. Hans hat nach Angaben der "SZ" in einem Brief den Mitgliedern des DFB-Präsidiums mitgeteilt, dass er damals Niersbach und Generalsekretär Sandrock unverzüglich telefonisch von seinem Fund in Kenntnis gesetzt habe - und zwar vor der Pressekonferenz Niersbachs am 22. Oktober.

Wer wusste wann wovon?

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock (Foto: Getty Images/Bongarts/D. Kopatsch)

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock

Damals konnte Niersbach viele Fragen nicht beantworten, versicherte aber: "Die Kernbotschaft ist: Es ist bei der WM-Vergabe 2006 alles mit rechten Dingen zugegangen. Es hat keine schwarzen Kassen gegeben, es hat keinen Stimmenkauf gegeben." Der zurückgetretene Verbandspräsident hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Sommer interne Ermittlungen eingeleitet, um den Verbleib einer dubiosen 6,7-Millionen-Euro Zahlung des DFB an die FIFA aus dem Jahr 2005 zu klären. Das nun aufgetauchte brisante Schreiben hatte zuletzt DFB-Interimspräsident Rainer Koch bestätigt. Unterschrieben hat das Papier laut DFB-Darstellung Beckenbauer, den Entwurf soll der einstige OK-Vizepräsident Fedor Radmann, ein enger Vertrauter Beckenbauers, paraphiert haben.

Vier Tage vor der Abstimmung zur WM-Vergabe waren demnach dem inzwischen wegen Korruption gesperrten FIFA-Vizepräsidenten Warner "diverse Leistungen" zugesagt werden. Nach Angaben des "Spiegel" hat Niersbach seine Präsidiumskollegen über das Dokument nicht informiert. Diese stießen erst durch die externen Prüfungen durch die Frankfurter Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer darauf. Die DFB-Vizepräsidenten Koch und Reinhard Rauball, die am Montag vorerst das Führungsamt von Niersbach übernahmen, sowie Schatzmeister Reinhard Grindel sollen Niersbach daraufhin zur Rede gestellt haben. Stunden später folgte der Rücktritt des DFB-Chefs.

Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich wegen laufender Ermittlungen nicht zu den neuen Details äußern.

asz/sn (dpa, sid)

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