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Aktuell Europa

Wurde Verdächtiger im Fall Nemzow gefoltert?

Nach dem Mord am Kremlkritiker Boris Nemzow präsentierten die Behörden schnell einen Tatverdächtigen. Der legte ein Geständnis ab - möglicherweise unter Folter, wie eine Kommission vermutet.

Der Hauptverdächtige im Fall des ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow ist bei seinen Vernehmungen nach Angaben der russischen Menschenrechtskommission möglicherweise gefoltert worden. "Es gibt Grund zu der Annahme, dass Saur Dadajew unter Folter gestanden hat", sagte Andrej Babuschkin, Mitglied der Menschenrechtskommission beim Kreml.

Zahlreiche Verletzungen

Der Tschetschene weise "zahlreiche Verletzungen" am Körper auf, sagte Babuschkin, der drei der Verdächtigen am Dienstag im Gefängnis besucht hatte. Nach Angaben von Babuschkin sagte Dadajew, er sei am 5. März in der Region Inguschetien im Nordkaukausus "gekidnappt" worden. Danach habe er nach eigenen Angaben zwei Tage gefesselt mit einem Sack über dem Kopf verbracht. Sein Freund und ehemaliger Kollege Rustam Jusupow sei bei der Festnahme zugegen gewesen und werde seitdem vermisst. Dadajew sei Jusupows Freilassung versprochen worden, wenn er den Mord an Nemzow zugebe. Bei Dadajews Cousin Ansor Gubaschew seien Schürfwunden im Bereich der Nase, Handgelenke und Beine zu sehen gewesen. Diese habe er nach seiner Festnahme erlitten.

Aufklärung gefordert

Babuschkin forderte den Menschenrechtsrat auf, Putin über seine Erkenntnisse zu informieren. Die Strafverfolgungsbehörden müssten zudem die Foltervorwürfe untersuchen.

Der 55-jährige Nemzow war am 27. Februar auf einer Brücke vor den Mauern des Kreml im Zentrum Moskaus erschossen worden. Die Ermordung des Regierungsgegners löste in Russland und weltweit Bestürzung aus. Der frühere Vize-Ministerpräsident war einer der prominentesten Widersacher von Staatschef Wladimir Putin und ein entschiedener Kritiker der russischen Ukraine-Politik.

Fünf Verdächtige

Die russischen Behörden hatten am Wochenende fünf Verdächtige festgenommen. Der Tschetschene Dadajew gestand nach Justizangaben eine Beteiligung an der Tat. Er und ein weiterer Tschetschene wurden wegen Mordes angeklagt und ebenso wie die drei weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft genommen.

cr/sti (afp, rtr)