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Bildung

Wunderlampe für die Welt

Entstanden ist sie in der Werkstatt einer bayerischen Berufsschule. Heute leuchtet sie in aller Welt. Für die Erfindung ihrer umweltweltfreundlichen Lampe "Solar 2000" wurden die Schüler von der UN ausgezeichnet.

Produkte aus der Solarwerkstatt an der Berufsschule im oberbayerischen Freilassing (Foto: DW / Christine Haberlander)

Solarlampe made in Freilassing

Siegfried Popp hält Solarlampen in der Hand (Foto: DW / Christine Haberlander)

Siegfried Popp hat die Solarlampe mit Berufsschülern entwickelt

Siegfried Popp hält die grüne, sechseckige Solarlampe stolz in der Hand. Eine Schönheit ist sie nicht, aber dafür sehr robust. Der pensionierte Berufsschullehrer schmeißt die kleine Lampe aus 1,20 Metern Höhe auf den Boden. Es scheppert ein bißchen, aber die Lampe hat den Sturz heil überstanden. "Sie brennt jetzt etwas dunkler, weil sie auf den Schalter gefallen ist", sagt er, "aber sie geht noch und das ist sehr wichtig."

Schließlich muss die Solarlampe einiges aushalten. Nicht nur den Transport in mittlerweile über 30 Länder dieser Erde. Dort, wo sie zum Einsatz kommt, ist Härte gefragt. In den einfachen Lehmhütten oder Steinhäusern Tansanias, Liberias, Ghanas oder Boliviens fällt sie schnell mal auf den Boden und spendet trotzdem noch helles, rußfreies Licht. Vor allem aber ist sie viel ungefährlicher und gesünder als die herkömmlichen Petroleumlampen.

Exportschlager Solarlampe

Ausbildung in der Solarwerkstatt Mpwapwa in Tansania (Foto: DW / Christine Haberlander)

In Mpwapwa (Tansania) ist eine eigene Solarwerkstatt entstanden

Siegfried Popp entwickelte die umweltfreundliche Lampe 1996 mit Industriemechanikern im dritten Lehrjahr an der Berufsschule im oberbayerischen Freilassing. Die Lampe war ursprünglich nur für die Partnergemeinde Mpwapwa in Tansania bestimmt. Doch dort kam sie so gut an, dass Popp 2002 mit seinen Schülern und Partnern der Ausbildungsbranche den Verein "Solarprojekt Freilassing" gründete. Seither hat er über 12.000 Lampen und Bausätze exportiert.

In einigen Entwicklungsländern sind sogar Werkstätten für die Montage und die Verbreitung der innovativen Technologie entstanden. 2003 erhielt Popp für das ehrgeizige Projekt den Deutschen Solarpreis, zwei Jahre später wurde der Verein als Offizielles Projekt der UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet.

Eine Lampe zum Radiohören

Kinder in Benin machen ihre Hausaufgaben im Schein einer Öllampe (Foto: DW / Christine Haberlander)

Kinder in Benin mussten früher im Schein einer Öllampe lernen ...

Nicht nur der Verein und die Abnehmer sind im Laufe der Jahre gewachsen, auch die Solarlampe hat sich weiterentwickelt. Das neueste Modell "A-Light S" kann auf drei Stufen gedimmt werden. Benutzer können mittels der Sonnenergie ein Radio betreiben oder über einen Adaptersatz sogar Handies aufladen.

69 Euro kostet eine Lampe inklusive Solarmodul, der komplette Bausatz kostet 59 Euro. Inzwischen hat das Projekt viele Unterstützer gefunden. Interessenten, vor allem auch Schüler aus ganz Deutschland, wenden sich an den Verein und bestellen die Lampen oder Bausätze, um sie Entwicklungsländern zu spenden. Der Verein "Solarprojekt Freilassing" bildet junge Menschen in Freilassing aber auch vor Ort in den verschiedenen Ländern aus.

Mehr als technisches Know How

Kinder in Benin machen ihre Hausaufgaben im Schein einer Solarlampe aus Freilassing (Foto: DW / Christine Haberlander)

Mit der Lampe aus Freilassing können die Schüler mehr sehen

Mit der Solarlampe habe sein Verein zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, sagt Siegfried Popp. "Einerseits helfen wir Menschen in Entwicklungsländern, andererseits lernen die Schüler auch Techniken, die vom Lehrplan gefordert werden." Dazu gehöre die Konstruktion der Lampe, das Zeichnen am Computer (CAD), die Materialplanung sowie das Anfertigen von Hilfsmitteln und Werkzeugen.

Bei Einsätzen vor Ort können die Schüler ihr Wissen an junge Menschen in Entwicklungsländern weitergeben - und dabei selbst etwas lernen, betont Popp. "Sie haben alle einen anderen Blick auf Entwicklungsländer bekommen", beobachtet der pensionierte Lehrer. "Vor allem aber haben sie hautnah erfahren, dass es uns in Deutschland sehr gut geht."

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