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Kultur

Wunderheiler - Hexensprüche - Kartenleger

Zum Jahreswechsel hatten Kartenleger und esoterischer Zauber Hochkonjunktur: Anlass für die Evangelische Akademie Rheinland, esoterische Heilsversprechen einmal unter die Lupe zu nehmen.

Das Legen der Tarock-Karten ist eine der Spezialitäten von Hexe Jutta in Kraftsdorf bei Gera. Jutta Steuter-Achilles gilt als bekannteste Wahrsagerin im Thüringer Raum. Neben der Wahrsagerei bietet sie in ihrem Haus für Lebenskunst unter anderem auch meditative Entspannungskurse für gestreßte Leute, spirituelle Seminare oder Kurse für Yoga und Bauchtanz. Über ihre eigene Hompage im Internet ist die 51jährige weltweit ansprechbar. (GER21-191098) Foto: Fotoreport

Tarock-Karten

Über die Existenz geheimnisvoller Kräfte und Vorhersagen jenseits naturwissenschaftlicher Erklärungen wird in diesen Tagen wieder besonders spekuliert. Da werden böse Geister mit Raketen und Knallern vertrieben, Blei gegossen und Horoskope erstellt. Der Markt verschiedenster Utensilien fürs Lebensglück boomt.

Blick in die Zukunft für 20 oder 200 Euro

Auch Kartenleger Winfried von Thelen hat wieder "volles Haus". Seit fast 15 Jahren legt er Karten, deutet mit ihrer Hilfe die Vergangenheit und blickt in die Zukunft. "Meistens kommen die Leute zu mir, wenn es um Berufliches, Beziehungen oder um ihre Gesundheit geht", erklärt von Thelen. Nichts deutet in der Wohnung des Kartenlegers auf besondere okkulte, geheimnisvolle oder magische Künste hin. Die Karten legt er ganz unspektakulär auf dem Wohnzimmertisch. 20 Euro kostet eine etwa halbstündige Sitzung. Nicht viel, aber die Preisunterschiede auf dem Markt der Hellseher und Wunderheiler sind enorm. So kann ein Besuch durchaus auch mehrere hundert Euro kosten.

Religion ist out - Esoterik ist in

Sternzeichen Schütze Foto: picture alliance

Sternzeichen Schütze

Der Markt esoterischer Ratgeber ist längst unüberschaubar, ob Kartenleger, Traumdeuter, Gurus, Licht- und Geistheiler oder weiße Magier. Für jede Lebenslage und Befindlichkeit, jedes Anliegen und Problem, für jede Gesundheitsstörung und jedes Beziehungsproblem gibt es das passende Angebot. Allerdings: Qualitätskriterien, Ausbildungen oder gar Prüfungsordnungen für diese Berufsgruppe gibt es nicht. Jeder kann solche Beratungen durchführen. Bernd Hader, Pressesprecher der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften, warnt: "Es ist die Sehnsucht nach einfachen Antworten, denn wir leben in einer Welt, die immer komplizierter, immer undurchschaubarer wird. Die Esoterik schafft da so eine Art Kuschelecke, in der man sich wohlfühlen kann und in der man auf sehr komplizierte Fragen sehr einfache und einleuchtende Antworten findet."

Dabei gibt es aber durchaus gerade auch im gesundheitlichen Bereich Heilungen, die mit wissenschaftlichen Maßstäben nicht zu erklären sind, betont Martin Honecker, emeritierter Professor für Sozialethik. "Wir wissen über die Ursachen mancher Erkrankungen gar nichts. Und zum anderen stellt sich für viele Menschen nicht nur die Frage, wie soll ich das verstehen, sondern auch die Frage, wie bewältige ich das."

Glaube versetzt Berge

Letztlich entscheidet bei solchen Anwendungen oder Beratungen im Grenzbereich zwischen reiner Wissenschaft, Glaube und Aberglaube also auch die eigene Vorstellungskraft, fügt Heinz Schott, Leiter des medizinhistorischen Instituts an der Universität Bonn hinzu. Er nennt als Beispiel die Homöopathie, wo Arzneien stark verdünnt und ihre Wirkstoffe gar nicht mehr messbar sind, und trotzdem Heilkräfte haben. "Nichts, was heute so esoterisch daherkommt, ist fremd in unserer Geschichte, sondern wurde meist schon mit großem wissenschaftlichen Eros erforscht. Mich als Medizinhistoriker interessieren vor allem die Suggestivkräfte, die eine Rolle spielen, Stichwort Placebo-Effekt."

Heilstein oder Horoskop?

Die sich selbst erfüllende Prophezeiung kommt vor allem dann zum Zuge, wenn man tatsächlich daran glaubt, alles dafür tut und seine Gedanken darauf ausrichtet. Insofern ist Glaube alles! Eine Voraussetzung, die sich seit jeher auch die Religionen zunutze machen. Mit Marienbildchen, Gesängen, Opfergaben und Gebeten sollen der Wille Gottes und das Schicksal günstig beeinflusst werden. Auch viele esoterische Heilsbringer arbeiten mit alten Traditionen. Bestimmte Steine z. B. gelten als Kraftspender. Und die Astrologie gibt es schon seit dem 4. Jahrhundert vor Christus.

Bernd Hader von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften hält dies alles jedoch für Geldschneiderei. Er glaubt einfach nicht an solche "Phänomene", und die bisherigen Untersuchungen an seinem Institut gäben ihm auch recht. Und doch: Was wäre das Leben ohne ein isschen Magie, Hoffnung und den Glauben daran, dass es eigentlich nur besser werden kann!

Autor: Peter Kolakowski

Redaktion: Gudrun Stegen