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Asien

Wulff stärkt Afghanistan den Rücken

Bundespräsident Wulff hat am Morgen in Masar-i-Scharif ein Polizei-Ausbildungszentrum besucht. Am Samstag war Wulff überraschend nach Afghanistan gereist und von Präsident Karsai mit militärischen Ehren empfangen worden.

Bundespräsident Christian Wulff sitzt mit Bundwehrsoldaten an einem Tisch (Foto: AP)

Bundespräsident Wulff mit Bundeswehrsoldaten

Mit dem Besuch eines Polizei-Ausbildungszentrums in Masar-i-Scharif hat Bundespräsident Christian Wulff am Montagmorgen (17.10.2011) seinen Besuch in Afghanistan fortgesetzt. Er war am Vortag in Masar-i-Scharif eingetroffen, wo er den deutschen Soldaten für ihren Einsatz dankte und mehr gesellschaftliche Unterstützung für ihr Engagement forderte. Deutschland ist in Afghanistan maßgeblich an der Ausbildung der afghanischen Nationalpolizei beteiligt.

Der Aufbau der afghanischen Sicherheitskräfte ist eines der wichtigsten Ziele der Staatengemeinschaft. Sie sollen Ende 2014 im ganzen Land die Verantwortung von den ausländischen Truppen übernehmen.

Wulff besuchte dann auch den zivilen Flughafen der Provinzhauptstadt Masar-i-Scharif, der mit deutscher Hilfe gebaut wird. Dort kam er mit dem Gouverneur der Provinz Balch, Mohammad Atta, zusammen. Atta ist einer der mächtigsten Gouverneure Afghanistans und ein prominenter Vertreter der Nordallianz, die gegen das vor zehn Jahren gestürzte Taliban-Regime kämpfte.

Mit militärischen Ehren begrüßt

Bei seiner Ankunft in Kabul am Sonntag sagte Wulff, die Bundesrepublik werde Afghanistan auch nach der vollständigen Übernahme der Sicherheitsverantwortung 2014 ein "verlässlicher und dauerhafter Freund und Partner" sein. Mit seinem Besuch wolle er deutlich machen, "Deutschland wird Afghanistan nicht im Stich lassen", betonte der Bundespräsident. Aus Sicherheitsgründen war die Reise Wulffs nicht vorher angekündigt worden.

Bundespräsident Christian Wulff wird vom afghanischen Präsidenten Hamid Karsai mit militärischen Ehren empfangen(Foto: pa/dpa)

Empfang mit militärischen Ehren: Bundespräsident Wulff zu Gast bei Afghanistans Präsident Karsai

Gespräche mit Karsai und mit Bürgerrechtlern

Staatschef Hamid Karsai empfing Wulff im Präsidentenpalast in Kabul mit militärischen Ehren und nannte ihn einen "alten Freund Afghanistans". Anschließend kamen beide Staatsoberhäupter zu einem Gespräch zusammen. Das Gespräch der beiden Staatsoberhäupter dient auch der Vorbereitung der großen Afghanistan-Konferenz am 5. Dezember in Bonn. Thema dort soll der geplante Abzug der ausländischen Streitkräfte und die Weichenstellung für den weiteren Friedensprozess in dem Land sein.

Zuvor traf sich Wulff in der Hauptstadt mit Vertretern von Nichtregierungsorganisationen sowie Frauen- und Menschenrechtlern. Dabei wurde die Menschenrechtslage, die Situation der Frauen im Land und die politische Zukunft Afghanistans erörtert. Wulff sagte, er habe "großen Respekt vor den Leistungen der afghanischen Zivilgesellschaft". Diese spiele im Übergangsprozess hin zur vollen Souveränität des Landes eine entscheidende Rolle.

Wulff spricht mit Bundeswehrsoldaten

Wulff wird von Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Sharif begrüßt (Foto: AP)

Wulff wird von Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif begrüßt

Nach seinen Gesprächen in Kabul reiste Wulff nach Nordafghanistan weiter. Im Bundeswehr-Feldlager in Masar-i-Scharif gedachte der Bundespräsident der in Afghanistan ums Leben gekommenen deutschen Soldaten. In Gesprächen mit der militärischen und zivilen Führung des Regionalkommandos Nord informierte er sich anschließend über die militärische Lage und den Stand der Wiederaufbauarbeit. Danach fand ein Grillabend mit Soldaten, Polizisten, zivilen Mitarbeitern und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen statt. Masar-i-Scharif ist das Hauptquartier der NATO-geführten ISAF-Truppen im Norden des Landes, das Kommando hat dort die Bundeswehr.

Erster offizieller Besuch seit 44 Jahren

Es ist der erste Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten am Hindukusch seit 44 Jahren. Für Wulff ist es zudem der erste Aufenthalt in Afghanistan. Zuletzt war Bundespräsident Heinrich Lübke 1967 offiziell nach Kabul gereist. Allerdings stattete im Mai 2010 auch Wulffs Vorgänger Horst Köhler deutschen Soldaten in Afghanistan eine Visite ab. Dass er dabei nicht mit Karsai zusammentraf, hatte damals zu einer gewissen Verärgerung auf afghanischer Seite geführt. Kurz darauf war Köhler wegen umstrittener Äußerungen über den deutschen Militäreinsatz am Hindukusch zurückgetreten.

Infografik zu den Einsatzgebieten der Bundeswehr in Afghanistan (Grafik: DW)

Die Bundeswehr beteiligt sich mit derzeit mehr als 5000 Soldaten am Einsatz der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF). Es ist der größte Auslandseinsatz deutscher Soldaten. Geplant ist, dass die ISAF-Truppen das Land bis Ende 2014 verlassen. Dann soll die Verantwortung für die Sicherheit im Land komplett von den afghanischen Behörden übernommen werden.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, rtr, dapd, afp)
Redaktion: Annamaria Sigrist

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