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Welt

Wulff soll auch Springer-Chef gedroht haben

In der Kredit- und Medienaffäre von Bundespräsident Christian Wulff kommen immer neue Details ans Licht. Union und FDP haben Meldungen scharf zurückgewiesen, sie berieten schon über einen Nachfolger Wulffs.

Der Chef des Springer-Konzerns, Mathias Döpfner (Archivfoto: dapd)

Der Chef des Springer-Konzerns, Mathias Döpfner

Der Springer-Verlag hat einen Medienbericht bestätigt, wonach Wulff vor der Berichterstattung der "Bild"-Zeitung über seinen Hauskauf-Kredit bei Konzernchef Mathias Döpfner nicht nur telefonisch interveniert, sondern auch gedroht haben soll. Nähere Angaben zu dem entsprechenden Bericht des Magazins "Der Spiegel" wollte ein Sprecher des Verlags nicht machen.

Nach Informationen des "Spiegel" hat der Bundespräsident den Springer-Chef telefonisch nicht direkt erreicht und deshalb eine Nachricht auf Döpfners Handy-Mailbox hinterlassen. Es sei die Rede gewesen von einer "Bild"-Kampagne und ungerechtfertigter Skandalisierung, schreibt das Magazin unter Berufung auf Angaben aus dem Springer-Verlag, in dem das Boulevardblatt erscheint.

"Aufgebrachter" Wulff am Telefon

'Bild'-Chefredakteur Diekmann (li), und der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Döpfner (Archivbild: dpa)

"Bild"-Chefredakteur Diekmann (li), und der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Döpfner

Döpfner habe Wulff zurückgerufen und einen aufgebrachten Präsidenten am Telefon gehabt, zitiert der "Spiegel" aus Verlagskreisen weiter. Wulff sei sehr deutlich geworden. Wenn der Artikel über seinen Privatkredit zur Hausfinanzierung erscheine, dann bedeute das Krieg zwischen dem Präsidialamt und Springer bis zum Ende seiner Amtszeit. Das Bundespräsidialamt verwies laut "Spiegel" darauf, dass Wulff über Vieraugengespräche und Telefonate grundsätzlich keine Auskunft gebe.

Gleichzeitig melden "Der Spiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" - FAS -übereinstimmend, dass Wulff in seinem Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann tatsächlich um eine Verschiebung des Berichts über die Finanzierung seines Privathauses gebeten habe. Allerdings hätten Drohungen gegen den Springer-Verlag in dem Anruf bei weitem überwogen, schreibt die FAS. "Bild" hatte am 13. Dezember erstmals über Wulffs umstrittenen Privatkredit berichtet und damit die Affäre ins Rollen gebracht.

Wulff hatte sich für den Anruf beim "Bild"-Chefredakteur in einem Interview mit ARD und ZDF am Mittwoch entschuldigt und ihn als schweren Fehler bezeichnet. Einen Anruf ähnlichen Inhalts auch bei Döpfner hatte der Präsident nicht erwähnt.

Koalition: Keine Suche nach Nachfolger

Vehement dementierte die schwarz-gelbe Koalition weitere Medienberichte, denen zufolge sich die drei Parteichefs für den Fall eines Rücktritts von Wulff bereits über das Vorgehen geeinigt haben sollen. Der Bundesversammlung, die das Staatsoberhaupt wählt, solle dann ein Kandidat präsentiert werden, den auch SPD und Grüne wählen könnten, hieß es in den Berichten. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu, Bundeskanzlerin Angela Merkel sehe keine Veranlassung, "über eine Nachfolge für den Bundespräsidenten zu sprechen". CSU und FDP nannten die Medienberichte Unfug und frei erfunden.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verlangte von Merkel ein Machtwort in der Affäre. Statt "laue Erklärungen zur Rückendeckung" abzugeben, müsse sich die Kanzlerin endlich zu der Bewertung durchringen, "ob die Präsidentschaft Wulff für weitere dreieinhalb Jahre trägt", sagte Steinmeier dem "Tagesspiegel am Sonntag" in Berlin. Der Abgeordnete der Linken, Wolfgang Neskovic, hält einen erzwungenen Rücktritt Wulffs für möglich. Wenn sein umstrittener Anruf bei "Bild"-Chef –Diekmann den Tatbestand der versuchten Nötigung erfülle, könne ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden, sagte der frühere Bundesrichter der "FAS".

Wulff bekräftigte nach Informationen der "Bild am Sonntag" seine Entschlossenheit, die Affäre im Amt zu überstehen. Bei einem Neujahrsempfang für seine Mitarbeiter habe Wulff erklärt: "In einem Jahr ist das alles vergessen", schreibt das Blatt.

Demonstranten vor dem Schloss Bellevue (Foto: Reuters)

Demonstranten vor dem Schloss Bellevue

Am Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin forderten etwa 400 Demonstranten den Rücktritt des Staatsoberhauptes. Sie hielten nahe dem Schloss Bellevue Schuhe hoch - in der arabischen Kultur eine Geste des Ärgers, der Verhöhnung und Verachtung.

Autor: Michael Wehling (dpa/rtr/afp/)
Redaktion: Hans Ziegler

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