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Kultur

Wuff! - Warum Tierheime auf die Hilfe von Freiwilligen bauen

Unter den Folgen der Finanzkrise leiden auch die Tierheime. Immer mehr Tiere werden aus finanziellen Gründen abgegeben. Die Folge: ohne ehrenamtliche Helfer könnten die Heime nicht weiterarbeiten.

Basset-Hund mit fliegenden Ohren (Foto: AP Photo/Guinness World Records)

69 Prozent der Tiere im Tierheim werden mittlerweile mit der Begründung "finanzielle Not" abgegeben. Zum Großteil sind Hunde die "Opfer der Finanzkrise", danach folgen Katzen und Kleintiere. Auch die Vermittlungssituation verschärft sich, vor allem Hunde sitzen länger in den Tierheimen. Bei dreiviertel der Tierheime sind dringende Investitionen notwendig, die aber derzeit aus finanziellen Gründen aufgeschoben werden müssen. Die Spenden in vielen Tierheimen sind stark rückläufig. Erste Tierheime stehen vor dem Bankrott. Der Deutsche Tierschutzbund fordert einen Gesellschaftspakt Tierschutz. Allein das ehrenamtliche Engagement spart den öffentlichen Haushalten jährlich mehr als eine halbe Milliarde EURO an Kosten für die Tierbetreuung. Eine Ehrenamtlerin ist Sonja Forsbach.

Frische Luft, Bewegung und viel Liebe vom Tier

Ehrenamtlerin Sonja Forsbach mit Hund Sissy im Tierheim Köln-Zollstock (Foto: DW)

Gleich geht's los

Fast ein Drittel aller Bundesbürger engagiert sich ehrenamtlich. Sie setzen sich unentgeltlich und freiwillig für andere ein. Auch die Politik propagiert seit langem, ehrenamtliches Engagement zu stärken. Besonders wünschenswert wäre es auch, wenn sich mehr Menschen wie Sonja Forsbach auch für Tiere engagierten. Auf die Hilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter können gerade Tierheime daher nicht verzichten. Denn sie finanzieren sich meist aus Spenden – öffentliche Zuwendungen gibt es kaum. Auch nicht für das Tierheim im Kölner Stadtteil Zollstock. Sonja Forsbach ist längst Stammgast im Kölner Tierheim. Wie sie finden sich täglich mehrere freiwillige Helfer hier ein, um mitzumachen und den Tieren etwas Abwechslung zu geben.

Die junge Frau betreut insgesamt sechs Hunde. Die warten morgens und mittags wedelnd in ihrem Käfig voller Freude auf ihre Runde mit Frauchen. Gäbe es Sonja Forsbach nicht, müssten die hauptamtlich Tätigen Gassi gehen. Doch die hätten schon viel genug zu tun, erklärt Tierheimleiterin Ruth Gosdeck. "Ehrenamtler, die wir hier haben, führen unsere Hunde aus, und das ein- bis zweimal täglich. Und sie unterstützen uns im Saubermachen der Zwinger und sie helfen bei der Nager- oder Katzenpflege mit."

Viel Arbeit an jeder Ecke für die Tierlobbyisten

Leiterin des Tierheimes Köln-Zollstock Ruth Gosdeck mit Sonja Forsbach vor dem Zwinger, in dem Hund Sissy wartet (Foto: DW)

Ein eingespieltes Team

Frau Gosdeck und ihre Schützlinge sind heilfroh, dass es freiwillige Helfer wie Sonja Forsbach gibt. Gassi gehen gehört noch zu den angenehmsten Aufgaben. Doch auch die anderen Arbeiten wollen erledigt sein, so Frau Gosdeck. Katzengehege ausspritzen, Katzentoiletten reinigen, mit Futter versorgen. Auch Ziegen, Hängebauchschweine, Gänse und Enten wollen betreut werden. Und auch das ging ohne Ehrenamtler überhaupt nicht. Gerade ist Sonja Forsbach von ihrer erster Runde zurück und schnappt sich das nächste Hündchen. Das hat die ganze Zeit eher traurig in einer Ecke gesessen. Denn den ganzen Tag eingesperrt zu sein, ist auch für Tiere genauso schlimm wie für Menschen, wenn nicht noch schlimmer. Schließlich, so wissen Tierpsychologen, haben Tiere einen unbezwingbaren Bewegungs- und Freiheitsdrang. Was Menschen intellektuell verarbeiten und steuern können – Tiere können das nicht. Und wenn auch die regelmäßigen Gassirunden für die Hunde, die Streicheleinheiten für die Katzen, oder die aufmunternden Worte und Pfeiferei für Sittiche und Papageien ein richtiges Zuhause nicht ersetzen können – Heim bleibt schließlich Heim – so versuchen Sonja Forsbach und Tierheimchefin Ruth Gosdeck den tierischen Bewohnern ihr Leben so angenehm wie nur möglich zu machen.

Autor: Peter Kolakowski

Redaktion: Conny Paul

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