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Fokus Osteuropa

WTO-Standards: Probleme für Landwirtschaft in der Ukraine

Der Beitritt zur WTO wird einigen Bereichen der ukrainischen Landwirtschaft Vorteile bringen, anderen allerdings wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit eher Nachteile. Experten sehen schon jetzt Handlungsbedarf.

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Milchproduktion besonders betroffen

Einer der empfindlichsten Bereiche der ukrainischen Wirtschaft ist die Landwirtschaft. Das ist der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Wirtschaftsinstituts der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Ljubow Moldawan, zufolge darauf zurückzuführen, dass dieser Wirtschaftsbereich immer noch nicht die Krise überwunden hat. "Noch ist die Transformation, die Regelung der Eigentumsverhältnisse, sowie die Bildung neuer Organisations- und Rechtsformen nicht abgeschlossen", betonte sie im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Konkurrenz für inländische Produzenten

Die Expertin von der Akademie der Wissenschaften geht davon aus, dass nach einem WTO-Beitritt der Ukraine gewisse landwirtschaftliche Erzeugnisse im Inland Marktanteile bis zu 30 Prozent verlieren werden, und zwar an ausländische Produkte, die günstiger und qualitativ besser sein werden.

Ljubow Moldawan sagte in diesem Zusammenhang: "Der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Produktion findet heute in Kleinbetrieben statt. Beispielsweise werden 98,8 Prozent der Kartoffeln in landwirtschaftlichen Kleinbetrieben angebaut. Neben den Kartoffeln sind dort auch mehr als 70 Prozent der Milch-, Fleisch-, Gemüse- und Obstproduktion zu finden, also praktisch alle arbeitsintensiven Bereiche befinden sich in den Kleinbetrieben." Der Expertin zufolge bedroht der WTO-Beitritt, mit dem der Inlandsmarkt für gut sortierte und standardisierte Produktion aus dem Ausland geöffnet wird, vor allem jene Kleinbetriebe.

Zwang zu neuen Qualitätsstandards

Besonders empfindlich ist die Milchproduktion. Gemäß den Standards der WTO darf frisch gemolkene, zur Weiterverarbeitung bestimmte Milch nicht mit Luft in Kontakt kommen. Gewährleistet werden kann dies nur entsprechende Maschinen, die aber für viele ukrainische Kleinbetriebe nicht erschwinglich sind. Gerade von ihnen kommt aber der größte Teil der Milch, der bei ukrainischen Molkereien abgeliefert wird.

Aber nicht nur die Milchproduktion ist betroffen, wenn es um fehlende Qualitätsstandards geht. Ljubow Markow erläutert: "Die Standardisierung der Produktion ist bei uns noch nicht abgeschlossen, die Hälfte der Standards ist gesetzlich noch nicht geregelt, auch gibt es noch keine entsprechenden Labore zur Qualitätsprüfung der Produktion. Wir haben heute mehr Labore als in ganz Europa, aber sie besitzen kein Zertifikat. Auch sie müssen eine gewisse Zulassung erhalten, aber auch eine neue Ausstattung, um so zu prüfen, wie es erforderlich ist."

Kampf um Wettbewerbsfähigkeit

Berücksichtigt werden müssen Ljubow Moldawan zufolge auch die veraltete Technik sowie die veralteten Methoden in der Landwirtschaft, denn darauf seien der hohe Brennstoffverbrauch sowie der hohe Ernteverlust zurückzuführen. Dies führe dazu, dass die ukrainische Landwirtschaft, was die Produktivität angehe, nicht wettbewerbsfähig sei. Hinzukommen würden noch die Subventionen, mit denen die europäischen Staaten ihre Landwirtschaft unterstützten. Aufgrund dieser Faktoren drohe der ukrainischen Landwirtschaft der Verlust ganzer Marktsegmente.

Deshalb müsse die Ukraine Prioritäten festlegen, meinte Ljubow Moldawan: "Unter den Bedingungen, die uns erwarten, ist äußerst professionelle Arbeit notwendig, um festzulegen, auf welche Produktion man sich unter den Möglichkeiten konzentrieren sollte, die heute die Betriebe haben. Man muss Entscheidungen treffen, um die Wettbewerbsfähigkeit gewisser Waren zu gewährleisten." Konkurrenzfähig sind nach Ansicht der Expertin von der Akademie der Wissenschaften Weizen, Mais und Hafer, aber auch Sonnenblumen-, Raps- und Sojaöl aus der Ukraine. Gute Aussichten, ihre Marktanteile zu halten, haben ferner die Produzenten von Geflügel und Schweinefleisch.

Iwan Hajwanowytsch
DW-RADIO/Ukrainisch, 2.3.2007, Fokus Ost-Südost