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Aktuell Amerika

Wrack der legendären Franklin-Expedition in Kanada entdeckt

Eines der "größten Geheimnisse Kanadas" ist möglicherweise gelöst: Forscher wollen das Wrack eines Schiffes entdeckt haben, das auf der sogenannten Franklin-Expedition die Nordwestpassage erkunden sollte.

Ministerpräsident Stephen Harper (Artikelbild rechts) strahlte geradezu vor Glück, als er vor die Presse trat: "Das ist wahrlich ein historischer Moment für Kanada", sagte er bei der Präsentation von Aufnahmen eines Schiffswracks, das zur sogenannten Franklin-Expedition gehört haben soll. Wissenschaftler, Historiker, Schriftsteller und Musiker hätten sich mit dieser "großen und geheimnisvollen Geschichte" beschäftigt, so der Regierungschef, aber jetzt könne möglicherweise das Schicksal der Besatzungen geklärt werden.

1845 war der britische Polarforscher John Franklin mit zwei Expeditionsschiffen und 128 Mann Besatzung aufgebrochen, um die sagenumwobene Nordwestpassage erstmals in Richtung Westen zu durchsegeln. Er hoffte, auf diese Weise einen kürzeren Weg von Europa nach Asien zu finden. Die Expedition, die Proviant für drei Jahre an Bord hatte, wurde von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgt, scheiterte jedoch nach zwei Wintern unter bis heute nicht völlig geklärten Umständen.

Schiffsfund in Kanada

Das Wrack des Expeditionsschiffes wurde in rund zehn Meter Tiefe gefunden und ist laut Experten "gut erhalten"

"Gut erhaltenes Wrack"

Die beiden Forschungsschiffe "HMS Erebus" und "HMS Terror" gehörten seit ihrem Verschwinden Ende der 1840er Jahre zu den größten Herausforderungen in der maritimen Archäologie. Um welches der beiden Schiffe es sich bei dem jetzt gefundenen handle, lasse sich noch nicht sagen, so Harper. Doch die empfangenen Sonarsignale hätten ergeben, dass es auf jeden Fall eines von Franklins Schiffen sei.

Das "gut erhaltene" Wrack wurde demnach am vergangenen Sonntag (07.09.2014) in der Victoria Strait nahe King William Island von einem speziellen ferngesteuerten U-Boot entdeckt.

Nach Angaben der Forscher hat der Klimawandel die Suche nach den verschollenen Expeditionsschiffen erleichtert: Die Nordwestpassage ist mittlerweile häufiger und für längere Zeit eisfrei und ermöglicht gefahrlosere Suchaktionen. Seit 2008 starteten jährlich kanadische Forscher in die Arktis um weiterzusuchen.

Mysteriös und gefährlich

Schon im 19. Jahrhundert hatte es Dutzende Expeditionen gegeben, die nach den verschwundenen Schiffen und ihren Besatzungen suchten. Immer wieder gab es einzelne Erfolge, die zum Teil verstörende Hinweise auf Kannibalismus unter den ums Überleben kämpfenden Seeleuten erbrachten. Auch die Suchenden gerieten immer wieder in Gefahr und mussten aus dem Eis gerettet werden. Insgesamt starben bei den Suchaktionen mehr Menschen als durch die Franklin-Expedition selbst.

Es gab aber auch positive Nebeneffekte der Suche: Die nördlichen Landesteile wurden nahezu vollständig kartiert und es entstanden Kontakte zwischen den Nachkommen der aus Europa stammenden Einwanderern und den Ureinwohnern, den Inuit.

Genauer Fundort bleibt geheim

Als nächstes sollen nun Taucher das Wrack und seine Ausstattung untersuchen. Der genaue Fundort im arktischen Norden Kanadas, dem Territorium Nunavut, bleibt aus Furcht vor Plünderern zunächst aber geheim.

mak/cr (ap, dpa)