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Kultur

Worthülsen

Das irakische Fernsehen hat am Donnerstag (20.3.) eine Rede Saddam Husseins ausgestrahlt. Am Schluss fiel ein Wort, das sowohl in der islamischen als auch in der westlichen Welt die Gefühle in Wallung bringt: Dschihad.

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Bereit, zu kämpfen und zu sterben

"Allahu Akbar. Lang lebe der Dschihad und lang lebe Palästina!" verkündete Hussein. Und zuvor: "Wir versprechen Euch, dass der Irak, seine Führung und sein Volk aufstehen werden gegen die bösen Invasoren. Sie werden einer bitteren Niederlage entgegensehen, mit Gottes Willen."

Die feinen Unterschiede

Das arabische Wort Dschihad bedeutet übersetzt schlicht: "sich bemühen", "etwas mit vollem Einsatz" tun. Die Moslems unterscheiden zwei Arten von Dschihad: den Großen Dschihad und Kleinen Dschihad. Beim Großen Dschihad handelt es sich um die Pflicht eines jeden Moslems, seine schlechten Eigenschaften zu überwinden - beispielsweise die persönliche Überwindung von Egoismus und Habgier. Der Kleine Dschihad beinhaltet, dass Moslems sich im Falle eines Angriffs auf die eigene Gemeinde verteidigen dürfen - zur Not auch mit der Waffe.

Aber in Krisenzeiten macht sich die falsche Übersetzung "Heiliger Krieg" besser als Propaganda-Instrument. So bedient sich Saddam Hussein des Schlagwortes Dschihad, um Anerkennung und Solidarität in der islamischen Welt zu bekommen. Mit mäßigem Erfolg, meint der Orient-Experte Kai Hafez: "Saddam Hussein hat immer wieder versucht, eine populäre Laune auszunutzen. Es gibt einen Trend in den arabischen Ländern, islamische Terminologien stärker zu nutzen als in früheren Jahrzehnten. Das weiß Saddam Hussein. Und er versucht, diese Karte zu spielen."

Verhaltene Solidarität

Doch das irakische Regime kann nach Ansicht des Terrorismus-Experten Kai Hirschmann islamistische Terrororganisationen wie El Kaida, Hamas oder Dschihad nicht für mögliche Vergeltungsanschläge gegen die USA nutzen. Als "Ungläubiger" werde Saddam Hussein von den Islamisten "wie die Kreuzfahrer und Juden" eher als Feind gesehen, sagte Hirschmann von der Bonner Bundesakademie für Sicherheitspolitik der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (19.3.).

Weder Hamas noch Dschihad würden sich für das Saddam-Regime aus dem Fenster lehnen, obwohl Irak immer Kontakte zu Terroristen im Nahen Osten gesucht und diese mit hoher Wahrscheinlichkeit auch finanziell unterstützt habe, sagte Hirschmann. Ähnlich sieht das auch Orient-Experte Kai Hafez. "Saddam Hussein hat schon während des zweiten Golfkriegs 1991 in ähnlicher Weise versucht, zum Heiligen Krieg aufzurufen. Damals erfolglos und es wird auch in Zukunft erfolglos sein. Insofern wäre es äußerst verwunderlich, wenn es zu größeren Massenaufständen käme, auf den bloßen Aufruf zum Heiligen Krieg hin. Das hat wenig Aussicht auf Erfolg", so Hafez.

Propaganda ohne Wirkung?

Das Nato-Mitglied Türkei und Saudi-Arabien waren und sind loyale Verbündete der USA. Aber auch Syrien und Jordanien haben kein gutes Verhältnis zum Irak und sind somit auch für Aufrufe zum Dschihad nicht empfänglich. Im Iran gilt Saddam Hussein als Erzfeind. Gleichwohl fürchten die religiösen Führer in Teheran eine pro-westliche Regierung in Bagdad. Damit wäre der Iran von US-Verbündeten umgeben. Zudem wächst im Iran der Reformdruck von innen.

Aus einem Krieg will sich die iranische Regierung aber weitgehend heraushalten, geschweige denn zum Dschihad aufrufen, so schätzt der Orient-Experte Hafez. Immerhin hätten die iranischen Geistlichen mehr Autorität, wenn sie sich für einen Dschihad gegen die westlichen Angreifer aussprechen würden. Doch Saddam Hussein fehle dazu eine ernsthafte Legitimation in der islamischen Welt, denn er habe keinerlei theologische, juristische oder informelle religiöse Autorität für einen solchen Aufruf.

Als Propaganda-Instrument kann sich auch ein Staatspräsident wie Saddam Hussein des Begriffs Dschihad bedienen. Solch ein Aufruf kann nicht nur in der irakischen Bevölkerung etwas bewirken. Denn obwohl Saddam Hussein selbst keine große Autorität in der islamischen Welt besitzt, so empfinden doch die Menschen in den islamischen Ländern Solidarität mit dem irakischen Volk. Gerade auch im Krieg.

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