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Berufe-WM

Worldskills - Die Berufe-WM oder: Hightech-Spiele im Sandkasten

Es geht um die schönste Schweißnaht oder den geschicktesten Roboter der ganzen Welt. DW hat zwei deutsche Mechatroniker-Azubis begleitet, die für die Weltmeisterschaft der Berufe trainiert haben.

Worldskills - Berufswettbewerbe (Worldskills Germany e.V.)

Timo Späth bei den Worldskills 2015

"So spannend wie ein Fußball-Weltturnier, so hautnah erlebbar, als wäre man selbst der Akteur, so nachhaltig wirksam wie keine andere Weltmeisterschaft", schwärmt Hubert Romer, Geschäftsführer von Worldskills Germany. Die Rede ist von den Worldskills, der Weltmeisterschaft der Berufe.

Vom 14. bis zum 19. Oktober schickt Deutschland seine besten Mechatroniker, Fliesenleger, Fräser, Floristen, Stuckateure, Gesundheitsbetreuer, insgesamt 42 junge Fachkräfte, nach Abu Dhabi, den diesjährigen Austragungsort des internationalen Wettbewerbs. Rund 1300 Teilnehmende aus 77 Ländern und Regionen messen ihr Können in 51 traditionellen und modernen "Skills". Die Mitglieder der Nationalmannschaft haben meistens in ihrem Fach regionale oder nationale Wettbewerbe gewonnen.

Christoph Berling ist im vorigen Jahr sogar Europameister geworden - im Fach "mobile Robotik". Mit seinem Teamkollegen Max Bosse hockt der 20-jährige Mechatroniker-Azubi derzeit viel im Sandkasten. Die beiden lassen ihren selbstgebauten Roboter herumfahren und Billardkugeln einsammeln. Von den Organisatoren des Wettbewerbs haben sie eine Aufgabe und einen Bausatz bekommen, den sie um weitere Komponenten ergänzen dürfen. "Die Aufgabe ist, Kinder von einem umzäunten Spielplatz zu holen und an Mutter oder Vater zu übergeben", erzählen die Jungs. Die farbigen Kugeln symbolisieren die Kinder, die Piktogramme die Eltern. Der Roboter muss sie zuordnen können. Die Aufgabe ist für alle 25 Nationalteams in dieser Disziplin gleich: Wie sie sie lösen, ist ihnen überlassen. Vor Ort haben sie nur zehn Minuten Zeit dafür.

Worldskills - Berufswettbewerbe (Bernhard Moll)

Die angehenden Mechatroniker Max Bosse (vorn) und Christoph Berling trainieren für die WM der Berufe

Überstunden, kein Urlaub, aber Riesenspaß

"Extrem sportlich", sagt Max Bosse. Der 20-jährige steuert die kniehohe Maschine per Joystick. Diese surrt, scannt ein Piktogramm am Startpunkt, umrundet mehrere Hindernisse und erklimmt den Sandkasten. Dann nimmt sie eine Kugel mit der Schaufel auf und kippt sie unter das Zeichen. Bosse sieht auf seinem Bildschirm nur, was die eingebaute Kamera filmt. "Ich kann ganz knapp erkennen, wie ich mich parallel zur Wand ausrichten kann", murmelt er: "Weiter darf ich nicht rüber". Aber der junge Mann hat eine sichere Hand - und viel Computerspiel-Erfahrung.

"Wer hätte gedacht, dass ich mit meinen Azubis im Sandkasten spielen werde?", lacht Sören Haak. Er leitet die Ausbildung in Elektrotechnik bei der Firma Elster in Lotte. Der Betrieb stellt keine Roboter her, setzt sie jedoch in großer Zahl in seiner hochautomatisierten Produktion ein. Anders wären Millionen Gaszähler pro Jahr, das Hauptprodukt des Standorts, nicht zu schaffen. Für Haak ist mobile Robotik die "Königsdisziplin für Mechatroniker" und die WM-Teilnahme ein "tolles Aushängeschild für unsere Ausbildung". Das Unternehmen hat Bosse und Berling sogar einen eigenen Container hingestellt, damit sie ungestört im Sand buddeln können. Sie sind seit Monaten mit Feuereifer dabei, machen Überstunden und haben den Urlaub verschoben. "Aber das ist kein Problem, weil es Spaß macht", sagen sie: "Allein an so einem Ereignis teilnehmen zu dürfen, ist schon eine Riesenmotivation!"

Worldskills - Berufswettbewerbe (Bernhard Moll)

Den Roboter haben die Nachwuchskräfte selbst gebaut und programmiert

Vorbilder nach innen, Botschafter nach außen

Firmen, die beim Endverbraucher nicht so bekannt sind wie VW oder Siemens, können auf diese Weise bei jungen Interessenten und bei Kunden punkten. Diejenigen, die ihre Fachkräfte ins Rennen schicken, belassen es in der Regel nicht bei einem Mal, obwohl das Freistellen der Azubis oder Gesellen wie auch der Ausbilder natürlich teuer ist.

Im Netzwerk WorldSkills Germany (WSG) gibt es über 70 "Unterstützer", die auch mit Geld, Arbeitsmaterial und ihren Experten beim Training in den verschiedenen Disziplinen helfen. Die "Champions" dienen in ihren Betrieben als Vorbilder und nach außen als Botschafter für die duale Ausbildung. Nicht nur Gold, Silber und Bronze, auch "nur" eine Exzellenzmedaille (über 500 Leistungspunkte) gilt schon als Super-Erfolg.

Video ansehen 01:11

Was ist duale Ausbildung?

Viele frühere Teilnehmer bilden sich weiter wie etwa Timo Späth, Dritter in Leipzig bei den Mechatronikern, der ein Duales Studiums in Wirtschaftsinformatik absolvierte. Ältere Ehemalige haben bereits beachtliche Karrieren gemacht.

Haak hatte mehrere Super-Azubis zur Auswahl. "Leistungen im oberen Drittel müssen schon sein", erklärt er: "Durchhalten und Teamfähigkeit sind aber noch wichtiger". Dabei waren Berling und Bosse in der Schule keine Überflieger, und sportlichen Ehrgeiz hatten sie bisher höchstens beim Fußball entwickelt. Aber die beiden ergänzen sich gut. Der eine hat es mehr mit der Mechanik, der andere hat die Programmiertricks drauf. Und sie bleiben cool, wenn der Roboter mal wieder nicht das macht, was er soll. Das könnte im Wettbewerb noch entscheidender sein als das Beherrschen der Technik.

Medaillen für die duale Ausbildung

Die deutsche Mannschaft wird gecoacht, wie man in Stresssituationen ruhig und konzentriert bleibt. In mehrtägigen Trainings und Testwettkämpfen mit engen Zeitfenstern müssen anspruchsvolle Aufgaben gelöst werden. Experten und Ausbilder beobachten, korrigieren und motivieren die Wettkämpfer. "Das Mentaltraining wird immer wichtiger, da der Druck - wie im Spitzensport - enorm hoch ist", sagt Stephanie Werth von WSG.

Worldskills - Berufswettbewerbe (Worldskills Germany e.V./Frank Erpinar)

Die deutsche WorldSkills-Nationalmannschaft 2017

"Der Vergleich der verschiedenen Ausbildungssysteme zeigt: Deutschland, Österreich und die Schweiz sind in den letzten Jahren immer unter den Top zehn gewesen", so Werth. Es sind die Länder, in denen Facharbeiter- und Handwerksberufe im Betrieb und der Berufsschule gelernt werden.

Ob der Spitzensport, um beim Vergleich zu bleiben, auch dem Breitensport hilft? Die Unternehmen schicken die Champions zu Berufsorientierungsveranstaltungen, Presseauftritten und zu Treffen mit Politikern, um für die duale Ausbildung zu werben. Das Unterstützer-Netzwerk wächst - langsam, doch beständig. Allerdings fristen die internationalen Wettbewerbe ausgerechnet beim Exportweltmeister Deutschland ein Nischendasein und regionale finden noch nicht in allen Disziplinen und flächendeckend statt. "Eine Vision ist, in Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen Ausbildungszentren junge Leute zu gegenseitigem Kräftemessen à la Vereinssport auch in ihren Berufen zu animieren", sagt die WSG-Vertreterin. Damit sie nach Feierabend in der örtlichen Werkstatt um die Wette schrauben.

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