World Press Photo 2018 gekürt | Kunst | DW | 12.04.2018
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Kunst

World Press Photo 2018 gekürt

"Venezuela Crisis" von Ronaldo Schemidt ist zum besten Pressefoto des Jahres 2018 gekürt worden. Das Bild sei nicht nur emotional eindringlich, sondern habe auch einen starken Symbolcharakter, urteilte die Jury.

Er ist der begehrteste Fotojournalismus-Preis der Welt: der World Press Photo Award, der jetzt zum 61. Mal in Amsterdam vergeben wurde. Die Wahl fiel auf das erschütternde Foto des venezolanischen Fotografen Ronaldo Schemidt. "Venezuela Crisis" nannte er sein verstörendes Bild, das er 2017 während der Straßenschlachten in Caracas schoss. Es zeigt den 28-jährigen Demonstranten José Víctor Salazar Balza, der Feuer fing, als der Gastank eines Motorrollers explodierte. Er überlebte schwer verletzt. Ein Opfer des Machtkampfs zwischen Regierung und Opposition, der das Land im Chaos versinken lässt.  

"Das Foto des Jahres muss eine wichtige Geschichte erzählen und Fragen aufwerfen", begründete Magdalena Herrera, Fotochefin bei "Geo France" und die diesjährige Juryvorsitzende des World Press Photo Contests, die Wahl des Siegerfotos. Schemidts Bild sei zwar von klassischer Machart, aber sehr dynamisch und voller Energie. "Die Farben, die Bewegung und der Bildaufbau verleihen ihm Stärke und rufen sofort Emotionen hervor." Jurymitglied Whitney C. Johnson vom Magazin "National Geographic" hob außerdem den symbolischen Charakters des Bildes hervor: Nicht nur der Mann brenne, sondern ganz Venezuela. 

4548 Fotografen aus 125 Ländern nahmen am diesjährigen Foto-Wettbewerb teil. Die Jury hat es sich nicht leicht gemacht: Sie musste das Siegerfoto aus 73.044 Einsendungen auswählen.

Fotografieren für ein internationales Publikum

Der mit 10.000 Euro dotierte prestigeträchtige Preis wird seit 1955 in den Niederlanden vergeben. Ins Leben gerufen wurde er von holländischen Fotografen, die ihre Arbeiten auch einem internationalen Publikum bekannt machen wollten.

Zum ersten Mal präsentierte die ausrichtende World Press Photo Foundation die Finalisten der acht Kategorien, darunter neu aufgenommen "Umwelt", in diesem Jahr schon zwei Monate vor der Bekanntgabe der Preisträger. Dadurch wolle man, so die Juryvorsitzende Magdalena Herrera, das Scheinwerferlicht nicht ausschließlich auf die Sieger richten, sondern die Aufmerksamkeit auf mehrere Fotografen verteilen.

Vielleicht will man so aber auch erreichen, Skandale wie 2013 zu verhindern: Damals stellte sich nach der Preisverleihung heraus, dass das von Paul Hansen aufgenommene Siegerfoto "Gaza Burial" mit Photoshop manipuliert worden war - ein eindeutiger Verstoß gegen die Grundprinzipien des Wettbewerbs und der Pressefotografie überhaupt. Wenn die potenziellen Siegerbilder aber schon vorab einem Millionenpublikum zugänglich sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Betrug rechtzeitig vor der Verkündung der World Press Awards erkannt wird.

Foto Gaza Burial von Paul Hansen. (picture-alliance/AP Photo/Paul Hansen)

Dieses Siegerfoto von 2013 war mit Photoshop manipuliert

Ausgewählt werden die besten Bilder des Jahres von einer jährlich wechselnden Jury aus 19 Fotografen und Bildredakteuren. In acht Kategorien, von Nachrichten über Natur- bis zur Umwelt- und Sportfotografie, werden Preise vergeben.

Wo bleibt die "Friedensfotografie"?

Zunehmend werden allerdings kritische Stimmen laut, dass die Bildsprache der prämierten Aufnahmen in der Königsdisziplin seit der Erstauflage des Wettbewerbs 1955 nahezu unverändert um Krisen, Kriege und Katastrophen kreist. Fred Ritchin, Dekan der Fotoschule am renommierten International Center of Photography in New York, fordert daher: "Wir sollten Fotografie proaktiv und nicht nur reaktiv verwenden. Warum gibt es unzählige Bildbände über Kriegs-, jedoch fast keinen über Friedensfotografie?"

Kinder laufen in Vietnam weinend eine Straße entlang, darunter ein nacktes Mädchen. (picture-alliance/AP Photo/N. Ut)

Dieses mit dem Award prämierte Pressefoto aus dem Jahr 1972 ging um die Welt

Jurymitglied Thomas Borberg hatte im Vorfeld der Preisvergabe verlauten lassen, man müsse das Pressefoto des Jahres "in der Magengegend spüren". Allerdings sei die Gesellschaft daran gewöhnt, vor allem dann hinzusehen, wenn es knallt, brennt und blutet. Jeder wisse, so Borberg, dass die Welt immer mehr aus den Fugen gerate. Doch anstatt mit Bildern dagegenzuwirken, seien wir damit zufrieden, unseren eigenen Untergang regelmäßig mit der Kamera festzuhalten.

Jérôme Huffer, Chef der Fotoabteilung des französischen Magazins "Paris Match" und 2018 ebenfalls in der Jury, erhofft sich vom Pressefoto des Jahres, dass es "die Grundzüge des Fotojournalismus' mit einer neuen Art des Storytelling" kombiniert. Hintergrund seines Anliegens ist, dass die nominierten Fotos zwar bedeutende Motive, aber keinen wirklich neuen kompositorischen Ansatz zeigen.

Die Gewinnerfotos sind alljährlich in einer Wanderausstellung zu sehen, die in 45 Ländern gezeigt und von rund vier Millionen Menschen besucht wird. Außerdem werden die Bilder in einem Jahrbuch veröffentlicht.

suc/bb (www.worldpressphoto.org, www.freitag.de)

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