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Wissen & Umwelt

Wolkenimpfung: Schönes Wetter auf Bestellung

Einen Tag vor der großen Militärparade regnet es kräftig in Moskau. Auch für Dienstag ist Schneeregen angekündigt. Doch voraussichtlich wird die Sonne scheinen. Wie geht das?

Russland Probe Militärparade in Moskau (Reuters/M. Shemetov)

So schön sah der Himmel über Moskau am Sonntag zur Generalprobe aus - Zufall oder nicht?

Am Dienstag feiert Russland mit der jährlichen Parade den Sieg über Nazi-Deutschland. In den vergangenen Jahren schien während der Parade immer die Sonne, egal welches Wetter die Meteorologen vorhergesagt hatten.

Auch für morgen sind die Vorhersagen nicht sehr gut. Unser Moskauer Korrespondent berichtet, dass es am Montag regnete und auch für Dienstag kontinuierliche Regenschauer angekündigt sind. Trotzdem erwartet er - zumindest für den Zeitraum der Parade - Sonnenschein.

Bekannt ist, dass die russische Luftwaffe in der Vergangenheit immer wieder sogenannte Wolkenimpfungen durchgeführt hat. Ziel ist es, dass die Wolken schon einige Kilometer vor der Stadt abregnen und sich über dem Ort des Geschehens - der Militärparadestrecke - eine Lücke für die Sonne auftut.


Plötzlich scheint die Sonne

Bereits bei der Generalprobe, berichtet unser Korrespondent, brach plötzlich der Himmel über Moskau auf. Der Regen stoppte genau für den Zeitraum, der für die Generalprobe nötig war. Die Technik scheint zu funktionieren - was keine Selbstverständlichkeit ist.

Denn unter Meteorologen ist die Wolkenimpfung umstritten. Veröffentlichte Studien gehen davon aus, dass die  Einflussmöglichkeiten eher gering sind. 

Insofern hängt es zweifellos vom Aufwand ab, den man betreibt. Bestenfalls kann die Technik eine lokal sehr begrenzte Wirkung entfalten, nachhaltig ist sie sicher nicht. Hoffnungen, man könne damit gezielt Regen dorthin bringen, wo er braucht wird - zum Beispiel für die Landwirtschaft in trockeneren Gebieten - haben sich in der Vergangenheit als Trugschluss erwiesen. Auch Versuche, durch frühzeitiges Abregnen die Größe der Hagelkörner in einer Wolke klein zu halten und damit Hagelschäden abzuwenden, zeigten bislang nurgeringe Erfolge.

Silberiodid als Kondensationskern

Doch egal, ob es um schönes Wetter für eine Parade geht oder um die Verhinderung von Hagelschäden, das Prinzip ist immer das gleiche: Künstliche Kristallisationskerne werden in eine Wolke eingebracht, an denen sich dann Wasserdampf niederschlägt.

Dabei setzt nicht nur das russische Militär auf Chemie: Auch Winzer in Deutschland, die den Hagel fürchten, versprühen dafür gezielt das Salz Silberiodid, gelöst in flüssigem Aceton.

Meistens geschieht das von einem Flugzeug aus, das über oder unter der Wolke fliegt. Die Tropfen sind so fein, dass sie nicht auf die Erde herabfallen. Werden sie unter der Wolke ausgebracht, steigen sie durch den Luftstrom der Thermik nach oben.

Idealerweise gelangen die Salze direkt in die Gewitterwolke. An den Silberiodid-Kristallisationskernen schlägt sich Wasserdampf nieder, der bei den kalten Temperaturen in den obersten Luftschichten gefriert. Die winzigen Eiskörner wachsen schnell, bis daraus Graupel, feiner Hagel oder auch Regen wird.

Kein Problem für die Umwelt - keine Garantie für die Zuschauer

Der Umwelt schadet das Ausbringen der Silbersalze kaum. Silberiodid gilt zwar nach der EU-Gefahrstoffrichtlinie als umweltgefährlich. Beim Versprühen aus einem Flugzeug ist die Verdünnung aber so stark, dass die Moleküle im Regen kaum noch nachweisbar sind.

Ob das Schön-Wetter-Machen am Ende funktioniert, werden die Teilnehmer der Parade aber erst hinterher wissen. Denn gerade wenn es um einen kleinen geographischen Raum und eine bestimmte Zeitspanne geht, sind das Wetter und die Luftströmungen oft unberechenbar.

 

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