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Kultur

Wolfsburg: eine Stadt als "Weltlabor"

Wolfsburg ist eine sehr junge Stadt und gilt als nicht besonders aufregend. Dennoch ist sie als Sitz des Autokonzerns VW weltbekannt. Jetzt befasst sich eine Ausstellung mit ihr - und fördert Überraschendes zutage.

1938 legte Adolf Hitler den Grundstein für das Volkswagenwerk, in dem der später als VW Käfer bekannte "KdF-Wagen" (KdF stand für "Kraft durch Freude") gebaut werden sollte. Um die vielen Arbeiter unterzubringen, sollte in unmittelbarer Nähe eine neue Stadt entstehen: das heutige Wolfsburg.

Eine ganze Stadt im Museum auszustellen – noch dazu eine so junge wie Wolfsburg – ist ein Wagnis. Ralf Beil, der neue Direktor des Wolfsburger Kunstmuseums, sieht das nicht so. Im Gegenteil: "Deutschland bündelt sich hier in Wolfsburg wie im Brennglas", sagt er. Er nimmt damit Bezug auf Wolfsburgs Rolle während des Nationalsozialismus, während des Wirtschaftswunders und der Wirtschaftskrise und auf die neue Rolle Wolfsburgs als selbsternannte "Eventcity".

Keine hübsche Fassade

Für Beil steht Wolfsburg exemplarisch für alle deutschen Städte. Besonders, da die hübsche Fassade fehle und damit die Funktion der Stadt im Mittelpunkt stehe. Der Titel der Ausstellung spiegelt diesen hohen Anspruch Beils an seine Stadt wider: "Wolfsburg unlimited – Eine Stadt als Weltlabor". Für die Ausstellung hat er sich selbst und einem Kreis internationaler Künstlerinnen und Künstler die Fragen gestellt: Was macht eine Stadt aus?

Bei "Wolfsburg unlimited" wird die gesamte Museumsfläche bespielt. Die Ausstellung beginnt in der "Hall of Fame", in der unter anderem Heinrich Hoffmann von Fallersleben gewürdigt wird, der in Fallersleben - heute ein Stadtteil von Wolfsburg - die Zeilen der heutigen Nationalhymne schrieb. Im Saal daneben wird direkt nach diesem Ausflug in die Kulturgeschichte die größte Schande der Stadt thematisiert: Wolfsburg als Vorzeigeprojekt der Nationalsozialisten.

Künstler Julian Rosefeldt steht inmitten seiner Installation im Kunstmuseum Wolfsburg (c) picture-alliance/dpa/S. Gollnow

Künstler Julian Rosefeldt inmitten seiner Installation im Kunstmuseum Wolfsburg

Der Schmutz des Alltags

Kaum eine Stadt ist so mit einem Weltkonzern verschmolzen wie Wolfsburg. Das Thema Abgas-Manipulation ist daher überall präsent, auch in der Ausstellung. Ein Teil einer Videoinstallation zeigt das Statement des Ex-VW-Chefs Martin Winterkorn zur Abgaskrise. Ein Video "im Stil Nordkoreas", wie Beil zu der grauen, steifen Aufmachung anmerkt.

Auch der Künstler Julian Rosefeldt setzt sich in seiner Installation "Midwest" kritisch mit der Zukunft der VW-Stadt auseinander. In einem heruntergekommenen Autokino ragen meterhoch Hafencontainer zur Hallendecke empor. Durch den kaputten Beton wächst Unkraut, es wuchert überall zwischen den herumstehenden Autos. Auf der Leinwand läuft ein von ihm gedrehter Gangster-Kurzfilm, die Autos darin fahren vor und zurück und kommen doch nicht von der Stelle. Rosefeldt dazu: "Ich war zweimal in Detroit und habe dort viele Analogien zu Wolfsburg seit der Krise gesehen", sagt er. Und Museumsdirektor Beil ergänzt: "Wir wollen die Realität hier reinholen, mit all ihrem Schmutz."

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