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Fokus Osteuropa

Wohnungen für Unruhe-Opfer in Kirgisistan

Bei den Unruhen zwischen ethnischen Kirgisen und Usbeken im Süden Kirgisistans starben im Sommer dieses Jahres Hunderte Menschen, Hunderttausende flohen. Für die obdachlosen Rückkehrer schafft die UN nun ersten Wohnraum.

Eine Frau steht vor dem Eingang zu einem Haus, das übergangsmäßig als Unterkunft dienen soll (Foto: DW)

Internationale Organisationen errichten Unterkünfte

Etwa 75.000 zurückgekehrte Flüchtlinge sind im Süden Kirgisistans obdachlos. Die Menschen waren während der Unruhen im Sommer dieses Jahres nach Usbekistan und in andere Landesteile Kirgisistans geflüchtet. Viele ihrer Häuser wurden damals zerstört. Dort, wo heute abgebrannte Ruinen sind, entstehen nun für einen kleinen Teil der Rückkehrer mit finanzieller Hilfe der UN-Flüchtlingsbehörde (UNHCR) sowie des Internationalen Roten Kreuzes neue Unterkünfte.

Menschen wohnen der Übergabe eines neuen Hauses bei (Foto: DW)

Erste Häuser werden an Flüchtlinge übergeben

In Dschalal-Abad wurden bereits die Fundamente für 370 neue Häuser gelegt. "In die ersten fertigen Gebäude ziehen bereits Menschen ein. Trotz vieler Probleme hoffen wir, dass alle geplanten 1700 Häuser noch vor dem Wintereinbruch bereitgestellt werden", sagte der Leiter der UNHCR-Vertretung in Kirgisistan, Hans Friedrich Schodder.

Die neuen Unterkünfte haben zwei Zimmer und sind insgesamt 28 Quadratmeter groß. Wenn die zurückkehrende Familie mehr als sieben Mitglieder zählt, bekommt sie ein Haus mit 38 Quadratmetern. Für viele Flüchtlinge sollen diese Häuser aber nur Übergangsunterkünfte bleiben.

Bau eines mehrstöckigen Wohnhauses (Foto: DW)

Auch die Regierung baut Wohnhäuser für Flüchtlinge

Neben internationalen Organisationen errichtet auch die kirgisische Regierung mehrstöckige Wohnhäuser in Dschalal-Abad und Osch, in denen Menschen endgültig ein neues Zuhause finden sollen. "Die ersten 60 Wohnungen in Dschalal-Abad und weitere 75 in Osch werden zum 1. Januar bezugsfertig sein", sagte Vizepremier Schantoro Satybaldijew vor Journalisten.

Hilfe noch vor dem Wintereinbruch

Die 61-jährige Buajscha Turgunbajewa verbrachte mit ihrer Familie mehrere Monate in einem Zelt. Nun freut sie sich auf ihr neues, wenn auch sehr kleines Zuhause: "Wir haben zum ersten Mal in unserem neuen Haus übernachtet. Wir sind zu siebt: Ich, mein Ehemann, Kinder, Enkel. Irgendwie werden wir schon überwintern."

Übergabe von humanitärer Hilfe an Opfer des Konflikts im Süden Kirgistans (Foto: DW)

Humanitäre Hilfe für Opfer des Konflikts

Die Winter in Kirgisistan seien sehr hart, betonte UNHCR-Sprecherin Melissa Flemming in Genf. "Die Bedingungen müssen sich bis dahin verbessern", forderte sie. Vor Ort versucht die UN-Organisation die obdachlosen Flüchtlinge schon jetzt mit warmen Decken und anderen notwendigen Dingen zu versorgen.

Bedarf an Wohnraum und Arbeit

Während des Parlaments-Wahlkampfes in Kirgisistan hatten viele Parteien den Menschen in den Zelten Hilfe versprochen. "Von der Partei Ata-Schurt bekamen meine Kinder neue Stiefel. Die Kandidaten von der Sozialdemokratischen Partei schlachteten ein Schaf und luden alle zu einem Fest ein", erinnert sich Sulfija, die mit ihrer zwölfköpfigen Familie in einem Zelt haust. Nach den Wahlen sei aber keine Vertreter von den Parteien mehr dort erschienen, erzählte sie weiter.

Der Bedarf an Hilfe sei aber nach wie vor groß. "In den vergangenen Tagen ist es kälter geworden. Nachts liegt die Temperatur bei Null Grad", sagte Sulfija. Jeden Tag gehe die Familie zur Baustelle ihres neuen Hauses. "Nur ein Dach fehlt noch, dann können wir einziehen", berichtete die Frau.

Aber nicht nur Wohnraum fehlt den Menschen, sondern auch Beschäftigung. Offiziellen Angaben zufolge haben nach den Unruhen über 20.000 Menschen ihre Arbeit verloren. Deswegen wollen die Behörden der Region die Wirtschaft nun wieder ankurbeln, um damit auch die Situation im Süden Kirgisistans weiter zu normalisieren.

Autoren: Aleksandr Tokmakow, Artjom Maksimenko (dpa)
Redaktion: Markian Ostaptschuk / Fabian Schmidt

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