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Alltagsdeutsch – Podcast

Wohnen im Studium

Über zwei Millionen Studierende gibt es in Deutschland und sie alle wünschen sich eine nette und bezahlbare Wohnung in der Nähe der Uni. Doch gerade in beliebten Städten sucht man lange nach einer passenden Unterkunft.

Studenten stehen vor einem Schwarzen Brett

Wohnungssuche am Schwarzen Brett

Tijana:
"Das ist mein Zimmer: die Nummer 23. Hier ist ein Regal. Auf die andere Seite gibt es Waschbecken, ja, ist Schrank für Klamotten und ein Einzelbett, ein bisschen klein für meinen Geschmack. Dann ein großes Arbeitstisch. Also eine Zimmer gegen 10 oder 11 Quadratmeter, nicht mehr."

Sprecherin:
Tijana kommt aus Serbien und studiert in Köln. Vermittelt wurde ihr das Wohnheimzimmer vom Studentenwerk. Neben den Wohnheimen ist diese Einrichtung auch zuständig für die Mensen und die Beratung von Studierenden. Die 25-Jährige hatte allerdings Pech, denn sie ist in einem der selten gewordenen alten Wohnheime untergebracht, die aussehen wir Kasernen – wie die Gebäude, in denen Soldaten wohnen. Auf der linken und rechten Seite der dunklen Flure befinden sich die Zimmer. Auch das Gemeinschaftsbad, das mehrere Bewohner benutzen, wirkt alles andere als einladend. In der Regel wohnen Studenten heutzutage viel komfortabler, die meisten von ihnen in kleinen Wohngemeinschaften – kurz: WGs – zu zweit, zu dritt oder zu viert. Solche Wohnungen bietet auch das Studentenwerk an. Der Vorteil: sie sind möbliert und preiswert. Die Kosten etwa für die Straßenreinigung, Müllabfuhr und Abwasser, die Nebenkosten, sind auch im Mietpreis schon enthalten. Wohnungen auf dem freien Markt, die von Privatpersonen angeboten werden, sind viel teurer, wie Cornelia Gerecke vom Kölner Studentenwerk erklärt.

Cornelia Gerecke:
"Bei uns gibt es komplett eingerichtete Küchen, zwei Bäder, Balkone fast für alle, also, und die Zimmer, die haben so 17 Quadratmeter. Bei uns kosten die Durchschnittsmieten so 231 Euro. Das ist schon inklusive Nebenkosten. So günstig kann man natürlich auf'm freien Markt nicht wohnen."

Sprecherin:
Die Situation auf dem studentischen Wohnungsmarkt ist seit dem Wintersemester 2011/2012 noch schwieriger geworden. Es gibt noch mehr Studienwillige als bisher. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre und der Wegfall der Pflicht für junge Männer, ihren Wehrdienst bei der Bundeswehr zu leisten. Bei der verkürzten Schulzeit, die in fast allen Bundesländern eingeführt wurde, machen zwei Jahrgänge gleichzeitig Abitur. Somit ist nicht nur die Nachfrage an Studienplätzen groß – man sollte sich auch rechtzeitig vor Studienbeginn nach einer Wohnung umschauen, besonders wenn man eine in der Nähe der Universität, also Uni-nah, haben möchte. Mancher Student, manche Studentin findet das Wohnen in einem Wohnheim angenehm, weil er oder sie mit anderen Studenten in einem großen Haus zusammenwohnt. Es ist geselliger. Um einen Platz in einem Wohnheim zu bekommen, wenden sich viele Studenten an das Kölner Studentenwerk. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe:

O-Töne:
"Ist auf jeden Fall das Beste, was man machen kann als Student! / Weil es deutlich günstiger ist und auch geselliger. / Ich suche eine Wohnung ab Oktober. Also innerhalb eines Semesters geht das sowieso nicht anscheinend, und man muss – glaube ich – schon zwei Semester warten, zumal ich eine Wohnung in der Nähe der Hochschule suche."

Sprecherin:
Derzeit leben nach Angaben des Deutschen Studentenwerks zwölf Prozent aller Studierenden in Wohnheimen. Wer keinen der begehrten Plätze bekommt, muss sich anderswo ein Dach über dem Kopf suchen. 37 Prozent wohnen allein oder mit dem Partner zusammen, und rund je ein Viertel lebt in einer privaten Wohngemeinschaft oder bei den Eltern. Weil eine eigene Wohnung für den Medizinstudenten Harold nicht bezahlbar ist, ist er – aus der Not geboren – nach einem Auslandssemester wieder bei seiner Mutter eingezogen.

Harold:
"Das [ist] gerade so aus der Not geboren, sozusagen. Das ist auch eine Kostenfrage als Student."

Sprecherin:
Die Wohnung liegt Uni-nah, nicht weit vom Campus. Miete muss Harold nicht zahlen. Und trotzdem ist es nicht leicht für ihn, als Erwachsener wieder mit der Mutter auf engstem Raum zusammenzuwohnen. Ein eigenständiges Leben ist schwierig, weil, so Harold:

Harold:
"Naja, man bleibt definitiv immer Kind. Und man muss sich halt auch immer anpassen. Das fängt von an: 'Ja, warum bist du nicht vor zwölf zu Hause?' bis hin: 'Ja, putz mal einmal mehr dein Zimmer!'"

Sprecherin:
Harold sucht schon länger nach eigenen vier Wänden, doch auf dem freien Wohnungsmarkt ist das in der beliebten Millionenmetropole gar nicht so einfach. 64.000 Studierende gibt es in Köln, da ist die Konkurrenz groß. Harold erzählt, dass Wohnungen oft mehr kosten, als sie eigentlich wert sind und dass Vermieter bei der Wohnungsvergabe Menschen mit festem Einkommen bevorzugen.

Harold:
"Kleine Wohnungen sind von Preis-Leistung halt meistens wesentlich überteuert. Und das Problem ist: Den meisten Vermietern sind Studenten nicht immer ganz lieb, so dass ein Berufstätiger eher den Vorzug bekommt."

Sprecherin:
Der russische Geographiestudent Vitali hat es geschafft, auf dem privaten Wohnungsmarkt ein Ein-Zimmer-Appartement zu bekommen. Allerdings hat es etwas gedauert:

Vitali:
"Ich hab' überall gesucht. Also zwei, drei Monate sollte man sich vorher schon Zeit lassen, kurzfristig wird das meistens nichts. Ich wohne mit meiner Freundin, spart Miete."

Sprecherin:
An eine eigene Wohnung kann die Serbin Tijana gar nicht denken. Für sie ist das definitiv zu teuer. Es macht ihr nichts aus, dass in Wohngemeinschaften alle mit anpacken müssen. Jeder Mitbewohner muss etwas zur Wohnqualität beitragen – dazu gehören auch ein Putzplan und Küchendienst.

O-Töne:
"Kannst du mir nur das Gemüse geben? / Ja, soll ich Tomaten schneiden? / Ja bitte, mach das! / "Wie viele Leute kommen zum Mittagessen? / Weiß ich nicht…"

Sprecherin:
Oft kommt es auch zum Streit, denn nicht jeder hält sich an die Regeln. Bei ganz schlimmen Konflikten stellt das Studentenwerk sogar einen Mediator – eine Person, die zwischen den Mitbewohnern vermittelt. Und für Neuankömmlinge aus dem Ausland gibt es einen speziellen Service, sagt Cornelia Gerecke vom Kölner Studentenwerk.

Cornelia Gerecke:
"Wir haben 'ne Ansprechpartnerin bei uns in der Wohnheimabteilung, die kümmert sich dann eben um ausländische Studierende – und 37 Prozent unserer Wohnheimbewohner sind ausländische Studierende. Aber wir versuchen auf jeden Fall auch immer, in einem Wohnheim 'ne gute Mischung zu haben, damit es nicht zu so 'ner Ghettobildung kommt."

Sprecherin:
Das Kölner Studentenwerk ist bestrebt, dass in den Wohnheimen Deutsche und Ausländer aus verschiedenen Staaten zusammenwohnen. Damit soll eine Ghettobildung vermieden werden, die entsteht, wenn zu viele Studenten aus ein und demselben Land aufgenommen werden. Tijana zumindest fühlt sich in ihrem Wohnheim mit Bewohnern aus aller Welt und verschiedenen Kulturen wohl. Es herrscht eine multikulturelle Atmosphäre, in der Umgangssprache auch abgekürzt als multi-kulti bezeichnet.

Tijana:
"Also, ich bin hier Ausländerin und natürlich ich brauche neue Freunde, eine ganze neue Stadt. Und wir wohnen hier in einer Multi-Kulti-Atmosphäre, eine Frieden mit so viel Toleranz und Respekt zueinander und wenn die ganze Welt so wäre, also das wäre ein perfektes Ort."



Fragen zum Text

Etwas ist aus der Not geboren bedeutet, dass …
1. etwas eine schwere Geburt war.
2. es sich um eine komplizierte Angelegenheit handelt.
3. sich etwas den Umständen entsprechend nicht besser realisieren lässt.

Warmmiete bedeutet …
1. Kaltmiete und Kosten für warmes Wasser.
2. Kaltmiete und Kosten für die Heizung.
3. Kaltmiete und Nebenkosten.

Tijana sagt: "Eine Zimmer gegen 10 oder 11 Quadratmeter." Richtig wäre: ...
1. Ein Zimmer von … Quadratmetern.
2. Ein Zimmer bei … Quadratmetern.
3. Ein Zimmer an … Quadratmetern.


Arbeitsauftrag
Stelle dir vor, in deiner WG ist Platz geworden für eine/n neuen MitbewohnerIn. Es gibt viele Bewerbungen für diesen freien Platz. Du musst nun den/die geeignete/n MitbewohnerIn auswählen. Wie würdest du ein solches Auswahlverfahren organisieren? Was wäre dir wichtig an einer Person, mit der du längere Zeit zusammenleben müsstest? Überlege dir passende Fragen, um zu erfahren, ob jemand ein guter/eine gute MitbewohnerIn wäre. Stelle diese Fragen anschließend mehreren deiner KursteilnehmerInnen und finde heraus, ob er/sie als MitbewohnerIn in Frage käme.

Autor/in: Suzanne Cords; Felix Forberg
Redaktion: Beatrice Warken

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