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Kultur

Wohldosierter Wahnsinn

Er gilt als einer der besten Filmschauspieler aller Zeiten, seine Stand-up-Auftritte waren Achterbahnfahrten voller Zitate und Gedankensprünge. Jetzt ist Robin Williams im Alter von nur 63 Jahren gestorben.

Robin Williams, 1951 in Chicago geboren, erkennt früh, dass eine konventionelle akademische Karriere nicht seinem Naturell entspricht. Auf dem College in San Francisco belegt er zwar zunächst das Fach Politikwissenschaft, in seiner Freizeit treibt er sich jedoch lieber mit der Stand-up-Truppe "The Comedy of San Francisco" herum, wo er sein großes Talent im Imitieren von Dialekten und Sprechstilen beweist. Seine wahnwitzigen inneren Monologe scheinen direkt und völlig ungefiltert aus ihm herauszusprudeln. Dem Stand-up- und Improvisationstheater soll Williams sein Leben lang treu bleiben, mit der anstehenden Karriere als Politikwissenschaftler ist es jedoch vorbei.

Erste Erfolge im Fernsehen

Ein Vorsprechen beschert ihm einen Platz als Schauspielschüler an der renommierten Juilliard School in New York, wo er den späteren "Superman"-Darsteller Christopher Reeve kennenlernt, mit dem ihn bis zum Tod Reeves im Jahr 2004 eine enge Freundschaft verbindet. Eine Nebenrolle in einer Folge der Erfolgsserie "Happy Days" macht Williams 1978 schlagartig berühmt: Der liebenswerte Außerirdische Mork ist bei Zuschauern wie Fernsehmachern so beliebt, dass die Figur zum Protagonisten der neuen Serie "Mork vom Ork" wird.

Robin Williams in der TV-Serie Mork vom Ork

Erster TV-Erfolg: "Mork vom Ork"

Williams hat seine Nische gefunden: Die Rolle des sympathischen, exzentrischen Außenseiters zieht sich von nun an wie ein roter Faden durch sein Schaffen. Der plötzliche Erfolg trifft den privat eher schüchternen Endzwanziger wie ein Paukenschlag. Er feiert ihn mit viel Alkohol und Kokain gemeinsam mit seinem Schauspielkollegen John Belushi. Anfang der achtziger Jahre kommt auch Williams' Kinokarriere ins Rollen. Nach seinem Debüt in der Comicverfilmung "Popeye" (1980) folgt 1982 die Verfilmung von John Irvings Erfolgsroman "Garp und wie er die Welt sah". Es ist Williams' erster Ausflug ins Charakterfach. Der 31-Jährige ist mittlerweile schwer alkoholabhängig. Der Drogentod von John Belushi und die Geburt seines ersten Sohnes Zachary führen 1983 dazu, dass Williams Alkohol und Drogen für lange Zeit abschwört. Er unterzieht sich mehreren Therapien und geht zu Treffen der Anonymen Alkoholiker.

Internationaler Durchbruch

Williams arbeitet wie ein Besessener. 1987 folgt schließlich der große internationale Durchbruch in der Rolle des Militärradio-DJs Adrian Cronauer in Barry Levinsons Kriegsdrama "Good Morning, Vietnam". Der Film basiert auf der Lebensgeschichte Cronauers, der während des Vietnamkriegs die Stimmung der GIs an der Front mit Rock'n'Roll, Humor und jeder Menge subversiver Sprüche aufrechterhält und sich dadurch mit seinen Vorgesetzten anlegt. Hier kann Robin Williams sein ganzes Können ausspielen, seine schauspielerische Sensibilität genauso wie seine irrwitzigen Monologe, die zum großen Teil improvisiert sind. Die Rolle bringt ihm einen Golden Globe und eine Oscarnominierung ein und macht ihn auch in Deutschland berühmt.

Robin Williams (Bildergalerie) Good Morning Vietnam

Williams in seiner Paraderolle als Radio-DJ Adrian Cronauer in "Good Morning, Vietnam"

In den folgenden zehn Jahren spielt Williams einige seiner anspruchsvollsten und größten Filmrollen. Er glänzt als engagierter Englischlehrer in "Der Club der toten Dichter" (1989) und als geistig verwirrter Obdachloser in Terry Gilliams "König der Fischer" (1991). Zeitweise dreht er vier Filme im Jahr. Unter seinen Hollywoodkollegen geht das geflügelte Wort um, man habe "mal einen Film ohne Robin Williams gesehen", wie er Jahre später gegenüber der britischen Tageszeitung "The Guardian" erklärt. Doch die Neider sollen bald verstummen: Als ebenso verständnis- wie humorvoller Therapeut an der Seite eines Mathematikgenies wider Willen, gespielt vom damaligen Shootingstar Matt Damon, läuft Williams in "Good Will Hunting" 1997 zur Hochform auf. Für seine einfühlsame darstellerische Leistung, wieder teils improvisiert, erhält er den Oscar als bester Nebendarsteller. Er ist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.

Wechselhafte Karriere

Robin Williams (Bildergalerie) Good Will Hunting

Einfühlsam und humorvoll: Williams in "Good Will Hunting" an der Seite von Matt Damon

In Williams' Filmografie wechseln sich hochkomplexe Stoffe mit sentimentalen, hart an Kitsch grenzenden Familienkomödien wie "Patch Adams" (1998) oder "Old Dogs - Daddy oder Deal" (2009) ab. Mit leichteren Drehbüchern hat Williams jedoch nie Berührungsängste, wie er 2010 gegenüber dem "Guardian" sagt: "Manchmal musst du einen Film drehen, um Geld zu verdienen". Bei allem Erfolg ist Williams deshalb auch zweifacher Träger der Goldenen Himbeere als schlechtester Schauspieler für seine Rollen in "Der 200 Jahre Mann" und "Jakob der Lügner".

Nach langer Alkoholabstinenz wird Williams 2006 rückfällig. Er legt eine Drehpause ein und geht sein Problem offensiv an, spricht öffentlich darüber und geht wieder in Behandlung. 2008 platzt die zweite Ehe des dreifachen Vaters, 2009 muss er sich einer Herzoperation unterziehen. 2011 heiratet er die Grafikdesignerein Susan Schneider. Große Erfolge und Rückschläge privater wie beruflicher Art wechseln sich in Williams‘ Leben immer wieder ab. Für seine Rolle als Dwight D. Eisenhower in "Der Butler" wird er 2013 gelobt, im gleichen Jahr floppt seine TV-Serie "The Crazy Ones". Doch Williams lässt sich auch davon nicht beirren und stürzt sich in die nächsten Projekte. Gleichzeitig leidet er unter immer schwereren Depressionen.

Susan Schneider und Robin Williams

Williams mit seiner dritten Ehefrau Susan Schneider

Trauer um einen großen Künstler

Williams' Filmografie wirkt wie ein einziges Plädoyer für das Verständnis von Menschen, die nicht der Norm entsprechen. Nicht nur als Schauspieler, auch im echten Leben setzt er sich für jene am Rand des Mainstreams ein. Zusammen mit seiner Schauspielkollegin Whoopie Goldberg gründet er eine Wohltätigkeitsorganisation für Obdachlose. US-Präsident Barack Obama würdigte den Verstorbenen als "einmalig". "Er brachte uns zum Lachen. Er brachte uns zum Weinen. Er schenkte sein unermessliches Talent großzügig allen, die es am meisten brauchten - von unseren Soldaten im Ausland bis zu den Ausgestoßenen auf unseren Straßen", erklärte Obama.

Der Tod von Robin Williams sorgt in seiner Heimat für große Bestürzung und Trauer. Die Filmwelt verliert mit Robin Williams einen großen Charakterdarsteller und Komödianten. Seine einzigartige Vielseitigkeit und sein rasendes Timing waren zweifelsohne seiner langjährigen Erfahrung als Stand-up-Komiker geschuldet. "Robins große Liebe war Comedy", sagt Andy Valvur, ein Stand-up-Kollege von Williams aus San Francisco. "In seinem Herzen war Robin immer zuerst Stand-up-Komiker, dann Schauspieler."

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