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Fokus Osteuropa

Wohin treibt Kirgisistan nach dem Sturz Akajews?

Die Zukunft Kirgisistans bleibt unklar. Der Widerstand gegen autokratische Herrscher breitet sich weiter aus. Das stößt in Moskau, aber auch in Peking nicht auf Zustimmung , meint Miodrag Soric in seinem Kommentar.

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Autoritäre Herrscher geraten in Schwierigkeiten, wenn sie sich nicht autoritär genug verhalten. Der gestürzte kirgisische Präsidenten Askar Akajew ließ in der vergangenen Woche nicht auf Demonstranten schießen, die ihn stürzen wollten. Er lehnte ferner Angebote von Nachbarländern ab, Truppen nach Kirgisistan (Kirgisien) zu entsenden, um so seine Macht zu festigen. Der Präsident glaubte, sich auch ohne den Einsatz von Gewalt halten zu können. Ein verhängnisvoller Irrtum, wie er jetzt weiß. Binnen weniger Stunden fegten ihn wenige Tausend Demonstranten vom Präsidententhron. Akajew samt Familie flohen nach Russland. Dort warten sie erst mal ab, wie sich die Lage in Kirgisistan weiter entwickelt.

Armut und Unzufriedenheit wachsen

Fest steht, dass es den Menschen in dem armen, von Landwirtschaft geprägten Land in absehbarer Zeit kaum besser gehen wird. Gut ging es ihnen selten, nicht zu sowjetischen Zeiten und auch nicht seit der Unabhängigkeit im Jahre 1991. Zwei Drittel der Bevölkerung ist derzeit arbeitslos. Das Durchschnittseinkommen beträgt keine 40 Dollar im Monat. Mit der Armut wuchs die Unzufriedenheit der Kirgisen. Hinzu kamen in den letzten Monaten politische Gründe, die das Fass zum Überlaufen brachten: So ließ Präsident Akajew die jüngsten Parlamentswahlen fälschen, bereicherte sich und seinen Clan.

Inspiriert von den politischen Umwälzungen in der Ukraine und Georgien machten die Kirgisen ihrem Unmut Luft. Am Ende staunten sogar die Demonstranten, wie schnell Staatsoberhaupt Akajew das Weite suchte. Das oppositionelle Lager übernahm die Macht - allerdings vollkommen unvorbereitet. Nach wie vor ist die politische Lage instabil. Der Kampf um die Macht ist entbrannt und noch lange nicht entschieden. Die OSZE versucht zu vermitteln, bislang mit begrenztem Erfolg. Ein geordneter politischer Neuanfang sieht anders aus.

Russland fürchtet Nachahmer

Die Situation in Kirgisistan wird vor allem seinen Nachbarn genau beobachtet. Russland braucht um seinen Einfluss in Kirgisien nicht zu fürchten. Die zentralasiatische GUS-Republik bleibt von Moskau wirtschaftlich abhängig, egal wer in Bischkek regiert. Dennoch verfolgt der Kreml mit misstrauischem Blick die Ereignisse in Kirgisistan. Nach Georgien und der Ukraine ist dies die dritte ehemalige Sowjetrepublik, die ihren Präsidenten davonjagt. Moskau befürchtet zu Recht, dass es weitere Nachahmer geben könnte - etwa in Weißrussland, in Moldawien oder in einer der anderen zentralasiatischen GUS-Republiken. Die dort herrschenden Despoten werden von Akajews unschlüssigem Handeln gelernt haben: Sobald sich in ihren Ländern die Opposition wieder regen sollte, werden sie nicht zögern, gewaltsam gegen diese vorzugehen.

Ausbreitung des "revolutionären Bazillus"?

Ähnliches gilt übrigens auch für China. Beiderseits der chinesisch-kirgisischen Grenze leben Turkvölker, die einander freundschaftlich verbunden sind. Pekings Führung befürchtet, dass sich der revolutionäre Bazillus auf das chinesische Territorium ausbreiten könnte. Sobald die Unruhen in Bischkek begannen, ließ Peking seine Grenze zum kleinen Nachbarn in Zentralasien schließen. So eint eine bemerkenswerte Koalition von Chinesen, Russen, Kasachen und Amerikanern, die in Kirgisistan eine Militärbasis unterhalten, nur ein Wunsch in dieser Region: Stabilität.

Und Europa? Vor dem 11. September 2001 hat es für diesen Teil der Welt kaum Interesse gezeigt. Es betrachtete die zentralasiatischen GUS-Republiken als russisches Einflussgebiet. Der Westen "entdeckte" Kirgisistan erst im Zuge des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus. Das wird voraussichtlich nicht ausreichen, um sich in größerem Umfang in Bischkek zu engagieren. Leider. Das Interesse der Welt an Kirgisien wäre größer, wenn es - ähnlich wie das benachbarte Kasachstan - über große Erdgas- und Erdölreserven verfügen würde.

Miodrag Soric
DW-RADIO, 29.3.2005, Fokus Ost-Südost

  • Datum 31.03.2005
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  • Permalink http://p.dw.com/p/6Re4
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