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Afrika

Wohin steuert der Sudan?

Die Konfliktparteien im Sudan bringen sich drei Monate vor einem Referendum über die Zukunft des Südsudan in Stellung. Gescheiterte Gespräche, scharfe Töne und beruhigende Worte: Wohin steuert der Sudan?

Symbolbild politische Spaltung im Sudan vor der Präsidentschaftswahl. Karte Sudan mit Hauptstadt Khartoum und Darfur und Südsudan. Vorne: Präsident Al Bashir. (Foto: dw)

Al-Baschir akzeptiert keine Alternative zu einem geeinten Sudan

Sudans Vizepräsident, Ali Osman Taha und SPLA Abgeordneter John Garang, tauschen den Friedensvertrag zum Südsudan aus, 09.01.2005 (Foto: AP/Sayyid Azim)

Frisch unterzeichnet war der Friedensvertrag 2005 hier von den Vertretern des Südens und des Nordens

Eine Abspaltung des Südsudan kommt für Sudans Präsident Omar al-Baschir nicht in Frage. Für ihn gebe es keine Alternative zu einer Einheit des Sudan, machte al-Baschir am Dienstag (12.10.2010) deutlich. Klare Worte. Dabei war bereits in dem Friedensabkommen 2005, das zwei Jahrzehnte Bürgerkrieg in dem nordostafrikanischen Land beenden sollte, eine Abstimmung über die mögliche Unabhängigkeit des Südsudan vorgesehen. Auch die Regierung in Khartum hatte die Bedingungen damals akzeptiert.

Doch der Konflikt schwelte weiter: Präsident Omar al-Baschir und Salva Kiir, Präsident des teilweise autonomen Südens, konnten sich bislang nicht über eine Zukunft der Region einigen. Nun - in drei Monaten soll ein Referendum über die Zukunft des Südsudan entscheiden - schlägt al-Baschir einen verschärften Tonfall an. Sein Außenminister Ali Karti wird am Mittwoch (13.10.2010) mit versöhnlicheren Worten zitiert: "Wenn die Mehrheit des Südens sich vom Norden abspalten möchte, werden wir das nicht ablehnen." Doch, fügte Karti hinzu, seine Regierung müsse sich überlegen, wie sie mit der großen Anzahl der im Norden lebenden Südsudanesen umgehe, wie die Ölvorkommen aufgeteilt würden und wie mit den Schulden des Sudan zu verfahren sei. Zeitgleich versprach Salva Kiir, dass es keinen neuen Krieg geben werde, auch wenn die Spannungen immer größer würden, je näher das Referendum rücke. Zuvor hatte Kiir erklärt, die Abstimmung notfalls auch alleine abzuhalten, sollte der Norden versuchen, sie zu verzögern.

"Klare Kampfansage"

Marina Peter vom Sudan Focal Point. (Foto: Marina Peter)

Marina Peter blickt gespannt auf die Entwicklungen im Sudan

Dennoch - die Situation ist verfahren. Sudan-Expertin Marina Peter vom Internationalen Ökumenischen Sudan Forum sieht generell eine Verschärfung der Rhetorik. Die Aussage al-Baschirs ist ihrer Meinung nach so etwas wie eine klare Kampfansage. Peter fürchtet, dass es noch vor dem Referendum zu größeren Auseinandersetzungen kommen könnte. Konfliktpotential besteht besonders für die Grenzregion Abyei zwischen Nord- und Südsudan. Denn für das erdölreiche Gebiet ist der exakte Grenzverlauf noch nicht festgelegt. Deshalb soll zeitgleich zu der Abstimmung im Südsudan auch ein Referendum in Abyei stattfinden, bei dem die Bewohner entscheiden sollen, ob sie sich dem Süden oder dem Norden zugehörig fühlen. Gespräche hierzu sind jedoch am Dienstag (12.10.2010) gescheitert. Dies sei ein großes Problem, betont Peter: "Wir hören davon, dass in der gesamten Grenzregion Truppen auf beiden Seiten aufgebaut werden und das macht uns natürlich Sorgen."

Die Bevölkerung im Sudan sei verunsichert. Das näher rückende Referendum habe auch eine psychologische Komponente, erklärt Peter: "Viele Menschen im Norden können sich überhaupt nicht vorstellen, dass der Süden tatsächlich geht und nehmen das fast als persönliche Beleidigung. Sie fragen sich 'Wieso wollen die Südsudanesen nichts mehr mit uns zu tun haben?'" Tatsächlich sei es jedoch schwierig zu beurteilen wie die Masse der Sudanesen denkt, erklärt Marina Peter. Denn im Norden könnte niemand offen sagen, wenn er für eine Unabhängigkeit des Süden sei und im Süden spräche niemand davon, dass auch die Einheit gewählt werden könnte. "Aber zumindest gibt es ziemlich viele Hinweise darauf, dass die Mehrheit im Süden für die Unabhängigkeit stimmen wird."

Erdöl als Friedenssicherung?

Gespannt blicken auch die Nachbarländer des Sudan auf die Entwicklung in dem nordostafrikanischen Land. Denn eine Abspaltung des Südsudan könnte in der ganzen Region weitreichende Folgen haben. Zum Einen könnte dies auch ethnische Gruppen in anderen Ländern dazu veranlassen, ihre Unabhängigkeitsbestrebungen zu verstärken, sagt die Sudan-Expertin. Zum Anderen werde, wenn das Referendum nicht friedlich über die Bühne gehe, die ganze Region erheblich in Mitleidenschaft gezogen, da alle Nachbarländer gegenseitig abhängig seien.

Ölförderung im Süden des Sudan (Foto: AP/Abdul Raouf)

Ohne die Ölförderung sind beide Teile nicht überlebensfähig

Ein Faktor könnte den Sudan laut Peter womöglich vor einem gewaltsamen Konflikt bewahren. Erdöl, sonst eher ein Konfliktpunkt, könnte diesmal der Friedenssicherung dienen, erläutert die Expertin. Denn im Süden gebe es ein großes Erdölvorkommen, die Pipelines und die Raffinerien befänden sich jedoch im Norden des Sudan. Beide Teile seien wirtschaftlich von der Ölförderung abhängig und somit auch voneinander. "Das heißt, für das Überleben beider ist es dringend notwendig, dass sich die Parteien irgendwie einigen." Dies könne am Ende eventuell noch die entscheidende Verhandlungskarte werden, hofft Peter.

Autorin: Carolin Hebig (afp, ap, rtr)
Redaktion: Katrin Ogunsade